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Maskiert und auf Abstand: Wie und wo die Abiturienten am Ickinger Gymnasium heuer ihre Prüfungen schreiben, zeigen (v. li.) die Stufenbetreuer Angelika Kirisam und Sabine Uttenweiler, Oberstufen-Koordinator Wolfgang Adam und Direktorin Astrid Barbeau.

Abitur inmitten der Corona-Pandemie

Mit Infektionsschutz zum Reifezeugnis

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An diesem Mittwoch beginnen die Abitur-Prüfungen. Christoph Strödecke, Leiter des Geretsrieder Gymnasiums, nennt die Schüler einen „leidgeprüften Jahrgang“.

Geretsried/Bad Tölz-Wolfratshausen – Wie alles in diesen Zeiten stehen auch die Abiturprüfungen unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. An diesem Mittwochmorgen fällt der Startschuss, los geht’s mit der schriftlichen Prüfung im Fach Deutsch – die äußeren Rahmenbedingungen sind an allen Gymnasien im Kreis streng nach dem Infektionsschutzgesetz abgesteckt.

Christoph Strödecke Leiter des Geretsrieder Gymnasiums

90 Kandidaten strecken sich heuer am Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium in Icking nach der Allgemeinen Hochschulreife. Die Prüfungen „finden im ganzen Haus statt“, berichtet Astrid Barbeau. Die Direktorin hat zu diesem Zweck ein gutes Dutzend Klassenräume herrichten lassen. Das Tragen von Mund-Nasen-Masken ist laut Barbeau in den Räumen nicht verpflichtend, alle Tische werden vor Beginn der Prüfung noch einmal „besonders aufwendig desinfiziert“. Die Prüflinge gingen „bemerkenswert gut“ mit der nicht alltäglichen Situation um, hat die Direktorin festgestellt. Tenor: „Jetzt geht’s ums Abitur“, die Pandemie müsse für einen Moment so gut es geht ausgeblendet werden.

Barbeau sieht ihre Schützlinge gut gerüstet, während der mehrwöchigen Zwangspause sei der Unterricht in den Abiturfächern per Videokonferenz abgehalten worden. Dankeschön sagt die Direktorin allen Lehrkräften, die an den Planungen fürs Abi 2020 beteiligt waren. Fünf Prüfungs-Szenarien seien im Laufe der vergangenen Wochen summa summarum erarbeitet worden, die dynamische Entwicklung habe die Pläne immer wieder durchkreuzt.

„Wir sind gut aufgestellt, und die Schüler sind froh, dass es nun endlich losgeht“, sagt Ute Hennekes, Pressesprecherin des privaten Günter-Stöhr-Gymnasiums in Icking. 33 junge Damen und Herren sind zur Abi-Prüfung zugelassen, die schriftlichen Arbeiten werden laut Hennekes in der Aula geschrieben. Auf dem Schulgelände am Zeller Weg „wird sehr strikt auf die Abstandsregel und die Einhaltung der Hygienevorschriften geachtet“. Seit 27. April findet an dem privaten Gymnasium, das zum St.-Anna-Schulverband zählt, wieder Präsenzunterricht statt. Die Q12 wurde geteilt, für die eine Gruppe war die Schulaula reserviert, für die zweite der Musiksaal.

Auch mit dem Thema Zeugnisverleihung hat man sich laut Hennekes bereits befasst. Die letzten mündlichen Abi-Prüfungen finden in Bayern Ende Juni statt. Am Günter-Stöhr-Gymnasium ist geplant, die erfolgreichen Absolventen mit ihren Eltern an drei Tagen, das heißt, in drei kleinen Gruppen einzuladen, um ihnen die Urkunde persönlich überreichen zu können. Allen widrigen Umstände zum Trotz solle es „einen Hauch von Feier“ geben, sagt die Schulsprecherin.

Warum die Abi-Zeugnisse den Schülern nicht per Post zusenden? „Das werde ich diesem Jahrgang, der sowieso schon leidgeprüft ist, nicht antun“, konstatiert der Leiter des Geretsrieder Gymnasiums, Christoph Strödecke. Noch könne keiner sagen, wie sich die Situation in ein paar Wochen darstellt, doch Strödecke wünscht sich sehr, dass der besondere Moment für seine Abiturienten auch ein persönlicher Moment sein kann, an den man sich Zeit seines Lebens zurückerinnert. Am Tag x das Abi-Zeugnis aus dem Briefkasten ziehen – nein, so stellt sich der Oberstudiendirektor das nicht vor. „Wir haben einen Plan B“, sagt Strödecke. Doch da noch nicht feststehe, dass dieser zur Anwendung kommen muss, behält er ihn noch für sich.

71 Geretsrieder Gymnasiasten haben fürs Abi gebüffelt, zur Prüfung treten darüber hinaus zwölf Schüler der Freien Waldorfschule Isartal, die in Geretsried beheimatet ist, sowie zwei externe Schüler an. „Es ist ein kleiner Jahrgang“, sagt Strödecke. Ein Umstand, der ihm in der Corona-Krise in die Karten spielt. Im Oberstufentrakt gebe es ausreichend Räume, um die Prüfungen konform des Infektionsschutzes durchführen zu können. „Sehr erfreut“ ist der Schulleiter, dass die Abiturienten sich in diesen für alle außergewöhnlichen Zeiten „sehr professionell“ und „sehr zuverlässig“ verhalten würden.

104 Schüler treten ab diesem Mittwoch am Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium zum Abitur an. Nach Auskunft von Direktor Alexander Göbel werden sie auf die Turnhalle, die Mensa und ein großes Dreifach-Klassenzimmer verteilt, damit sie mit dem nötigen Sicherheitsabstand ihre Prüfungen schreiben können. Die Hoffnung, in irgendeiner Form doch noch eine Abschlussfeier zu veranstalten, will Göbel nicht aufgeben: „Wir sammeln kreative Ideen, wie wir das schaffen könnten“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Am Max-Rill-Gymnasium mit Internat im Schloss Reichersbeuern stellen die Abiturprüfungen kein Problem dar. Die nur elf Schüler würden in der Aula des Gymnasiums ihre schriftlichen Arbeiten erledigen, heißt es seitens der Schule. Dort sei Platz genug. Eine Entlassfeier werde es aber wohl nicht geben. Geplant sei eine formlose Übergabe der Abiturzeugnisse.

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Die 44 Abiturientinnen des Erzbischöflichen St.-Ursula-Gymnasiums auf Schloss Hohenburg (Lenggries) werden an diesem Mittwochmorgen etwas früher – einzeln und mit ausreichend Abstand – zur Deutschprüfung in der Turnhalle erscheinen. „Wir halten vorher traditionell eine kleine Andacht ab, in der die Mädchen sich sammeln können“, berichtet Schulleiter Christoph Beck. Die Turnhalle liege ein wenig abseits. Man könne dort während der Prüfungen gut lüften, ohne dass Lärm von draußen störe.

„Sehr bedauerlich“ findet es Beck, dass die Abiturfeier, an der traditionell die gesamte Schulfamilie teilnimmt („auch die Jüngsten, damit sie sehen, wo es hingeht“) ausfallen muss. Beck will sich aber einen „würdigen Rahmen“ einfallen lassen, um die Absolventinnen des Jahrgangs 2020 zu verabschieden.

Auch am Gymnasium und Kolleg St. Matthias in Wolfratshauser Ortsteil Waldram ruft die Schulglocke zur Abiturprüfung. Laut Schulleiter Ralf Wiechmann treten 23 Kandidaten an, für weitere neun junge Erwachsene beginnen am 22. Mai die Prüfungen zum Fachabitur. Die Abiturienten des Kollegs haben bereits eine Berufsausbildung absolviert, „bevor sie sich vor drei oder vier Jahren entschlossen, auf dem zweiten Bildungsweg das Reifezeugnis zu erwerben“, so der Schulleiter.

tal, cce

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