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Abitur lieber in neun Jahren

Mehr Schüler am Gymnasium in der Mittelstufe plus

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Geretsried – Lieber in neun statt in acht Jahren zum Abitur: Das Angebot Mittelstufe plus am Geretsrieder Gymnasium ist im kommenden Schuljahr beliebter als der Regelzug im G 8.

Das geht aus den Anmeldeformularen hervor, die die Schulleitung ausgewertet hat. Demnach besuchen ab September 75 Schüler in drei Klassen die achte Jahrgangsstufe im neunjährigen Zweig. Im regulären G 8 sind es 62 Schüler in zwei Klassen. „Wir sehen das Angebot sehr positiv“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Christine Kolbeck.

Wie berichtet ist das Geretsrieder Gymnasium Teil eines bayernweiten Pilotprojekts des Kultusministeriums. Die Schüler können darin frei entscheiden, ob sie die Stufen acht bis zehn in vier statt in drei Schuljahren absolvieren möchten. Der Stoff bleibt derselbe, wird aber zeitlich anders eingeteilt und teils intensiver eingeübt.

Insgesamt wählte das Ministerium 47 Gymnasien für den zweijährigen Modellversuch aus. In Geretsried hatten im September 60 Schüler in zwei Klassen mit der Mittelstufe plus begonnen. Im G 8 waren es 90 Schüler in drei Klassen. Damit nutzten 40 Prozent das Angebot, bayernweit waren es durchschnittlich 60 Prozent der Schüler. Im zweiten Jahr liegt die Quote bei 68 Prozent, erklärte Kultusminister Ludwig Spaenle gegenüber dem Münchner Merkur.

Das Angebot des entzerrten Lehrplans kommt sehr gut an, sagt Kolbeck im Gespräch mit unserer Zeitung. Nun könne sich jeder seine individuelle Lernzeit aussuchen. Um den Stoff zu dehnen, gibt es nach der neunten Klasse die zusätzliche Jahrgangssstufe „Neun plus“. Erst danach folgt der Übergang in die zehnte Klasse. Erleichterungen würden die Schüler beispielsweise in Latein spüren, sagt Kolbeck. Zudem gebe es bis zur zehnten Klasse keinen Nachmittagsunterricht mehr. Im regulären G 8 sind es bis zu zwei Tage pro Woche.

„Die freie Zeit wird aber nicht von allen zum Lernen genutzt“, sagt Kolbeck mit einem Schmunzeln. Förderunterricht und Wahlfächer würden in Geretsried deshalb nicht verstärkt gewählt. Stattdessen hätten die Schüler mehr Zeit für Hobbys und Ehrenamt. Auch bei den Schülern im Regelzug habe die Einführung der Mittelstufe plus etwas bewirkt, erklärt die stellvertretende Schulleiterin: „Sie stehen sehr selbstbewusst hinter dem G 8. Man spürt eine generelle Zufriedenheit.“

Ob es nach dem zweijährigen Testlauf mit der Mittelstufe plus weitergeht, ist noch offen. Kommendes Jahr müssten die jetzigen Sechstklässler entscheiden, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jahren am Gymnasium absolvieren möchten. Die beiden Pilot-Jahrgangsstufen aus diesem und kommendem Schuljahr werden das gesamte Programm aber durchlaufen, betont Kolbeck.

Sebastian Dorn

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