Der Haken an der Sache: In der Chocoladenmanufaktur von Georg Bernhofer können Kunden ganz einfach Gutes tun. Bezahlte Bons hängen sie an das Brett, an dem sich Bedürftige bedienen können. Foto: Sabine Hermsdorf-Hiss

Jeder Ladeninhaber kann mitmachen

„Haken der Freude“: Projekt für Bedürftige in Wolfratshausen gestartet

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Bedürftigen zu helfen oder jemandem eine Freude zu machen, geht in der Chocoladenmanufaktur Bernhofer in Wolfratshausen ganz leicht: mit dem Sozialprojekt „Haken der Freude“. 

Wolfratshausen – Bedürftigen zu helfen oder jemandem eine Freude zu machen, geht in der Chocoladenmanufaktur Bernhofer ganz leicht: Wer sich in dem Laden am Wolfratshauser Obermarkt einen Cappuccino und etwas Süßes bestellt, sagt einfach: „Zwei Mal, bitte.“ Georg Bernhofer druckt dann zwei Bons aus: Einen für den Kunden und einen für den Haken. „Kommt dann jemand, der sich keinen Kaffee leisten kann, kann er sich den Beleg nehmen und einlösen“, erklärt der Ladeninhaber. Er hat den symbolischen Haken – eine kleine Holztafel mit einem Metallhaken – seit wenigen Wochen auf seiner Kasse stehen.

Bernhofers Geschäft ist das erste in der Flößerstadt, das sich an der Aktion „Brot am Haken“ beteiligt. Ähnliche Initiativen gibt es bereits in mehreren deutschen Großstädten und im Ausland. Der Name kommt daher, weil sie ihren Ursprung in Bäckerein haben, erklärt Ingrid Schnaller. Die Vorsitzende des Werbekreises Einkaufstadt Wolfratshausen ist im Internet auf die Aktion aufmerksam geworden und setzte sich mit dem Initiator des Münchner Vereins in Verbindung. Nun will sie den Haken in der Loisachstadt etablieren. „Es ist so eine schöne Sache“, schwärmt Schnaller. „Es geht darum, jemandem eine kleine Freude im Alltag zu bereiten – ohne ihn zu kennen.“

„Wir möchten, dass jeder am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann“ 

Das Ganze basiert auf Vertrauen, weder Schnaller noch Bernhofer wollen kontrollieren, wer bedürftig ist. „Auch jemand, der gerade seinen Geldbeutel vergessen hat, kann sich einen Bon nehmen“, sagt der 35-Jährige. Schnaller betont: „Wir möchten, dass jeder am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann.“ Es gehe nicht nur darum, sich schnell eine Semmel zu holen und wieder nach Hause zu gehen. „Jeder soll die Chance haben, sich mal ins Café zu setzen und draußen unter Leuten zu sein.“ Deshalb will sie die Aktion langsam auf Bäckereien, Cafés, Eisdielen und andere Dienstleister ausweiten. Kein Bereich wird ausgeschlossen. „Jeder, der möchte, kann mitmachen“, sagt die Werbekreis-Chefin.

Sie und Bernhofer sind zufrieden mit dem Start des Projekts. „Momentan werden noch mehr Belege bezahlt als genommen“, sagt der Chocolatier. Flyer an der Kasse sollen helfen, die Aktion noch bekannter zu machen. Rückmeldungen hat Bernhofer bislang nur positive bekommen. Seine Kunden fragen oft, was es mit dem kleinen, braunen Brett auf sich hat. „Alle, denen ich es erkläre, finden die Aktion toll und kaufen gleich noch etwas für den Haken.“ Genau so soll es sein, meint Bernhofer.

Für Werbekreis-Chefin Schnaller ist klar, dass der „Haken der Freude“, wie sie die Aktion gerne nennt, Zeit brauche, um bekannt zu werden. „Es soll etwas Dauerhaftes werden. Wir wollen das ganze Jahr über Freude schenken.“ Dass das Projekt zufälligerweise genau in der Zeit um Weihnachten seinen Lauf genommen hat, schade sicherlich trotzdem nicht.

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