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Warben gemeinsam fürs interkommunale Hallenbad: Landrat Josef Niedermaier (li.) und der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller. Doch nach dem Nein des Wolfratshauser Stadtrates ist das Projekt gestorben.

Jetzt folgt die Mangelverwaltung

Hallenbad-Aus: Landrat erklärt Konsequenzen

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Bei Landrat Josef Niedermaier herrscht Ernüchterung über das Wolfratshauser Votum. Der Nordlandkreis wird jetzt eben mit weniger Wasserfläche leben müssen.

Landrat Josef Niedermaier hätte viel zu sagen zum Beschluss des Wolfratshauser Stadtrats am Dienstagabend. Aber er tut es nicht. Lieber beißt er sich auf die Lippen. „Wenn ich jetzt sage, was ich denke, dann gibt es Ärger, also sage ich lieber nichts.“

Niedermaier verweist lediglich darauf, dass es auch in einigen Gemeinden kritische Stimmen gegeben habe, etwa in Egling. Dort war nicht jedem wohl bei dem Gedanken, sich auf Dauer finanziell zu verpflichten und sich jährlich an den Betriebskosten zu beteiligen. Und gemessen am Haushaltsvolumen, hätten die Landgemeinden genauso viel Geld aufbringen müssen wie Wolfratshausen. Der Unterschied: „In den Gemeinden haben sie sich sachlich und alle ohne Animositäten mit dem Thema auseinandergesetzt“, so Niedermaier.

Überall sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass ein gemeinsames Bad für alle von Nutzen ist. „Da waren Synergien ohne Ende.“ Die Beschlüsse sind folglich überall einstimmig ausgefallen. Nicht so in Wolfratshausen. „Ich glaube, dort sind sich viele noch nicht im Klaren, welche Tragweite dieser negative Beschluss hat.“ Sicher sei vor allem eines: „Jetzt ist erst mal viel Vertrauen weg.“

Niedermaier hatte die Idee eines gemeinsamen Bades stets unterstützt. Das hatte auch praktische Gründe: Der Landkreis ist Sachaufwandsträger für die weiterführenden Schulen des Landkreises – also auch für den Sport- und Schwimmunterricht. Wird jetzt der Landkreis ein eigenes Bad bauen? Quasi ein zweites kleines statt des einen großen? Das schließt Niedermaier aus. „Eine solche Initiative werde ich jedenfalls nicht starten, und dafür gäbe es in der Kreispolitik auch gar keine Mehrheiten.“ Es habe mit dem interkommunalen Hallenbad einen Vorstoß gegeben, und der sei politisch eben nicht gewollt gewesen, fertig. Die Folge sei ganz einfach: „Geretsried mit seinem kleinen Bad wird nur den Mangel verwalten können.“ Die Wasserfläche im Nordlandkreis wird auf Dauer für all die Schulen, Rettungsorganisationen und Kurse zu klein werden. Spätestens wenn der Standort Ascholding geschlossen wird. Und das sei absehbar.

Die Nachricht vom Wolfratshauser Votum war noch am selben Abend via Internet in die Eurasburger Gemeinderatssitzung gedrungen. Damit war eigentlich klar, dass man sich den nächsten Tagesordnungspunkt „Beteiligung an den Betriebskosten für das interkommunale Hallenbad“ eigentlich hätte schenken können. Tat man aber nicht. „Ein klares Bekenntnis war uns wichtig, weil Eurasburg dem Projekt immer schon wohlwollend gegenüberstand“, sagt Bürgermeister Moritz Sappl. Er hat nicht vor, die Wolfratshauser Kollegen zu verteufeln. „Sie sind vom Bürger gewählt, ihre Entscheidung ist zu akzeptieren.“ Andererseits bedauert er das Aus für ein schlüssiges Projekt: „Ein großes Bad hätte die Attraktivität des ganzen Nordlandkreises gesteigert.“ Die Eurasburger Schulkinder werden weiter in Geretsried zum Schwimmen gehen. „So ist das jedenfalls besprochen.“

Der Königsdorfer Bürgermeister Anton Demmel wusste noch gar nichts von dem Ergebnis. Er ist im Urlaub und erfuhr von unserer Zeitung von dem 12:12-Patt in der Loisachstadt. Das Thema interkommunales Hallenbad ist für ihn damit durch. „Für mich ist ein Beschluss ein Beschluss.“ Für Demmel bricht keine Welt zusammen. „Ich sehe das nicht so emotional“, sagt der Rathauschef. Er ist zuversichtlich, dass die Königsdorfer Schulkinder auch weiter in Geretsried schwimmen lernen können. „Wir hatten bisher immer eine super Zusammenarbeit, die wird es hoffentlich auch in Zukunft geben.“

vu

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