Hürdenlauf: Besonders in Wolfratshausen war die Beteiligung am Bad in Geretsried umstritten. Einige Bürger setzten sich dafür ein, auch Bayerns ehemalige Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber sprach sich dafür aus.
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Hürdenlauf: Besonders in Wolfratshausen war die Beteiligung am Bad in Geretsried umstritten. Einige Bürger setzten sich dafür ein, auch Bayerns ehemalige Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber sprach sich dafür aus.

Interkommunales Projekt

Hallenbad Geretsired: Von der Idee bis zur Eröffnung

  • VonPeter Borchers
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Über Jahre wurde diskutiert, geplant und schließlich gebaut. Am Freitag wurde das Hallenbad Geretsried feierlich eröffnet. Ein Rückblick:

Geretsried – Das interkommunale Hallenbad ist am Freitag offiziell eröffnet worden. Der Weg war weit. Nicht nur der Bau dauerte länger als gedacht. Auch die Entscheidungsfindung war ein zähes Unterfangen. Eine Chronologie der Ereignisse:

2010

Im März spricht sich der Geretsrieder Stadtrat einstimmig für den Neubau eines Hallenbads aus, der das in die Jahre gekommene alte an der Jahnstraße ersetzen soll. Die Kosten werden auf sechs Millionen Euro geschätzt. Im Planungsprozess stellen sich drei Kernfragen: Wo soll das neue Bad stehen? Wie wird es finanziert? Und: Soll das alte Bad bis zur Eröffnung des neuen im Betrieb bleiben? Im Juli entscheidet sich der Rat für den Standort neben dem Schulzentrum. 9000 Quadratmeter Stadtwald würden der Baumaßnahme zum Opfer fallen.

2011

Das Bad an der Jahnstraße muss aus brandschützerischen sowie aus hygienischen Gründen mehrfach für Wochen geschlossen werden. Weil nach Ansicht vieler Experten auch eine Sanierung des ebenfalls maroden Ascholdinger Beckens nicht finanzierbar erscheint, bringt Landrat Josef Niedermaier eine Idee ins Spiel: ein interkommunales Großbad für den Nordlandkreis – mit Standort Geretsried. Die Kommunen sollen sich an den Baukosten von mittlerweile rund zehn Millionen Euro netto sowie am erwarteten jährlichen Betriebskostendefizit von etwa 900 000 Euro beteiligen. Für Wolfratshausen wären das 58 000 Euro pro Jahr. Dem versperrt sich der Stadtrat in der Nachbarstadt im September einstimmig.

2012

Im Herbst vertagt der Wolf-ratshauser Stadtrat einen neuerlichen Beschluss. Der Grund: Es würden aussagekräftige Zahlen fehlen. Icking gibt bekannt, als einzige Gemeinde im Nordlandkreis nicht ins interkommunale Boot steigen zu wollen.

2013

Das erste Wolfratshauser Bürgerbegehren zu dem Thema endet: 2900 Bürger votieren im Januar für eine Beteiligung am Hallenbad. Im März spricht sich der Kreistag für eine Beteiligung des Landkreises an den Baukosten aus. Geretsried plant neu, speckt das Projekt ab. Schulstunden, die den anderen Kommunen kostendeckend in Rechnung gestellt werden, sollen zudem die Betriebskostenbeteiligung ersetzen. Jetzt stimmen auch Wolfratshausen und Icking zu. Geretsried beschließt den Bau. Er verzögert sich allerdings wegen ausbleibender staatlicher Förderbescheide in Höhe von vier Millionen Euro.

2014

Der Kreistag stimmt der Zweckvereinbarung für das interkommunale Hallenbad zu. Die Stadt Wolfratshausen bekräftigt ihre Zusage. Voraussetzung: Es dürfen keine weiteren Kosten für die Flößerstadt anfallen.

2015

In Geretsried kommen Zweifel auf, nachdem ein Unternehmensberater das jährliche Betriebskostendefizit auf eine Million Euro schätzt. Eine aktualisierte Planung geht später von 750 000 Euro Defizit pro Jahr aus.

2016

Der Wolfratshauser Stadtrat lehnt eine Beteiligung mit 105 000 Euro jährlich mehrheitlich ab. Zum Unverständnis der anderen Projektbeteiligten will Icking seinen Anteil am jährlichen Betriebskostendefizit in Höhe von 21 000 Euro nicht zahlen. Die Stadt Geretsried würde dafür in die Bresche springen. Dennoch wackelt das Gemeinschaftsbad bedenklich. Die Geretsrieder denken alternativ bereits über ein eigenes kleines Schwimmbad nach. Im Oktober sprechen sich in einem zweiten Bürgerbegehren gut 4500 Wolfratshauser für eine Beteiligung ihrer Stadt an der interkommunalen Lösung aus. Prominentester Fürsprecher ist Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber. Im November beugen sich Wolfratshausens Stadträte mit 19:5 Stimmen dem Votum der Bürger. Die Stadt beteiligt sich am Großbad.

2017

Während die Regierung von Oberbayern die angestrebte Vereinbarung mit den beteiligten Kommunen überprüft, verabschiedet sich der Geretsrieder Bau- und Umweltausschuss von den Saunaplänen. Das Hallenbad soll 2020 ohne Schwitzstube eröffnen, später soll ein privater Investor eine Sauna installieren. Im Oktober 2017 fasst der der Stadtrat den Baubeschluss für das interkommunale Hallenbad einstimmig. Aufgrund der langwierigen Entscheidungsphase wird es teurer als angenommen. Die Stadt rechnet mit Kosten in Höhe von 15,3 Millionen Euro brutto. Im Dezember 2016 war man noch von 13,6 Millionen ausgegangen.

2018 konnten die Bürgermeister der beteiligten Kommunen zum ersten Spatenstich zusammenkommen.

2018

Dietramszell stimmt in der ersten Gemeinderatssitzung des Jahres als erste der sieben beteiligten Kommunen für die Vereinbarung und erklärt sich bereit, den nun höheren Investitionskostenzuschuss von 72 000 Euro zu tragen. Der Eglinger Gemeindrat verschiebt die Entscheidung zunächst auf – die Kostenaufstellung sei unklar. Am 29. Januar 2018 geraten Bürgermeister Michael Müller und Kreisrat Helmut Forster im Kreisausschuss aneinander. Dass der Kostenanteil der Gemeinden nun zum dritten Mal steige, findet der Ex-Rathauschef von Wolfratshausen „extrem unfair“. Müller betont, dass Geretsried sich an die vereinbarte Kostensteigerung von höchstens 15 Prozent halte und freiwillig zusätzliche Kosten übernehme. In den Tagen darauf akzeptieren Königsdorf, Münsing, Eurasburg, Icking, Wolfratshausen und schließlich auch Egling sowie der Landkreis die Kostensteigerung. Noch im selben Jahr kommen die Bürgermeister der beteiligten Kommunen und Landrat Josef Niedermaier in Geretsried zusammen. Sie unterzeichnen eine Vereinbarung über die Investitions- und Folgekosten und der erste Spatenstich wird gesetzt (19. April). Im Herbst stehen alle wieder auf der Baustelle: Der Grundstein für das interkommunale Hallenbad wird am 26. September gelegt. Eröffnung soll im Februar oder März 2020 sein. Inzwischen werden die Baukosten auf 16 Millionen Euro geschätzt.

2019

Die Bürgermeister der beteiligten Städte und Gemeinden, Landrat und Handwerker feiern Richtfest. Sie freuen sich auf die Eröffnung des Hallenbads zu Schuljahresbeginn 2020/2021.

Auf den letzten Metern tat sich mit einem Brand im Edelstahlbecken ein letztes Hindernis auf.

2020

Die überhitzte Baukonjunktur macht sich bemerkbar: Bei fast allen Auftragsvergaben muss die Stadt Mehrkosten in Kauf nehmen. Die Prognose für die Endrechnung: 18 Millionen Euro. Überhaupt läuft nicht alles rund auf der Baustelle. Der Rohbau dauert ein halbes Jahr länger als geplant, für zwei beauftragte Firmen muss die Stadt einen Ersatz suchen. Auch das kostet Zeit. Und dann brennt es auch noch bei den letzten Schweißarbeiten im Becken. Der Eröffnungstermin am 1. März 2021 wird nicht zu halten sein.

2021

Die Bauarbeiten neigen sich dem Ende. Zur Dichtheitsprobe läuft erstmals Wasser in die Becken. Im Sommer soll das Bad eingeweiht werden. Der Kassensturz ergibt eine weitere Preissteigerung: 18,7 Millionen Euro werden unterm Strich stehen. Nun geht es um die Feinheiten. Der Stadtrat beschließt das Gebührenmodell. Am 10. September wird das interkommunale Hallenbad offiziell eröffnet.

peb/sw

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