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Breite Glasfront: Vom Isaraustadion aus kann man direkt ins Geretsrieder Hallenbad schauen. Das haben unbekannte Männer vergangene Woche getan.

Frauen sind verunsichert

Beim Schwimmtraining: Gaffer starren ins Hallenbad

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Geretsried - Junge Frauen fühlen sich beim Schwimmtraining beobachtet. Eine Gruppe junger Männer starrte abends durch die Glasfront ins Geretsrieder Hallenbad.

Es war am Donnerstag kurz nach 19 Uhr. Eine junge Frau blickt beim Brustschwimmen zufällig durch die Fensterfront des Geretsrieder Hallenbads nach draußen – und erschrickt. Hinter der Glasscheibe stehen fünf junge Männer im Schutz der Dunkelheit. Die Frau sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, es seien Flüchtlinge gewesen, die keine 300 Meter weiter in der Adalbert-Stifter-Turnhalle untergebracht sind. Die Männer hätten mehrere Minuten ins Innere gestarrt und die Frauen beim Training beobachtet, das der Geretsrieder Ortsverband der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) organisiert.

Die Frauen beschleicht ein mulmiges Gefühl

Vor dem Hintergrund der sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln sind die Schwimmerinnen verunsichert. Beim Verlassen des Schwimmbads haben einige ein mulmiges Gefühl. Die Geretsriederin hat ihre Ängste in einem Brief an Bürgermeister Michael Müller geschildert. „Wir fühlen uns sehr beobachtet“, heißt es in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. „Ich kann nicht wirklich verstehen, wieso die Asylbewerber durch Scheibenabdeckungen, Security und Bauzäune vor neugierigen Blicken geschützt werden – und wir uns begaffen lassen müssen.“

Die Erstaufnahmeeinrichtung an der Adalbert-Stifter-Straße ist wie berichtet mit einem Bauzaun abgeschirmt. Besucher dürfen die Halle mit Verweis auf die Privatsphäre nicht betreten. In den Augen der Geretsriederin ist das nach dem Gaffer-Vorfall ein Widerspruch. Zwar gibt es auch am Hallenbad an der Jahnstraße einen Sichtschutz – aber nicht durchgängig. Die Südseite zur Wiese neben dem Kunstrasenplatz im Isaraustadion ist frei zugänglich. Dort sind die Männer gestanden.

Ein einmaliger Vorfall?

„Das ist bisher einmalig an mich herangetragen worden“, sagt DLRG-Vorsitzender Maiko Alpers zu dem Vorfall. Man dürfe jetzt „nicht überreagieren“. Er wolle sich am Donnerstag selbst ein Bild machen. Beim Schwimmverein WSV 72 hat man keine ungebetenen Zaungäste bemerkt, sagt eine Trainerin. Es sei aber schon öfter vorgekommen, dass Jugendliche beim Fußballspielen an die Scheibe gekommen seien.

Grundsätzlich ist es nicht verboten, in eine Schwimmhalle zu schauen, betont Johann Brandhuber, stellvertretender Leiter der Geretsrieder Polizei. „Die Verunsicherung bei den Frauen ist aber nachvollziehbar.“ Im Zweifel sollte die Polizei kontaktiert werden. „Aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Gemengelage würden wir auf jeden Fall vorbeikommen, uns das anschauen und mit den Leuten reden“, sagt der Polizeihauptkommissar. „Oft hilft es, das Gespräch zu suchen und so Missverständnisse auszuräumen.“

Der Bürgermeister nimmt den Brief sehr ernst

Bürgermeister Müller nimmt den Brief, den er erhalten hat, sehr ernst. Er will sich am Dienstag mit dem Hallenbadpersonal besprechen. Man habe es im November nicht geduldet, als zu Flüchtlingen in die Turnhalle geschaut wurde. Andersherum müsse dasselbe gelten. Er warnt aber vor einer Überreaktion. Das Gewaltpotenzial in der Stadt sei nicht gestiegen. „Richtig ist aber, dass die Gewalt zwischen den Asylbewerbern zunimmt“, sagt der Rathauschef. „Das ist der räumlichen Enge geschuldet und wird mit den großen Unterkünften ein zunehmendes Problem.“

dor

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