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Wegen vorsätzlicher Körperverletzung stand ein 80-Jähriger vor Gericht.

„Der hat gezappelt   wie ein HB-Manderl“

Rentner (80) schlägt jungen Mann – Geldstrafe

Geretsried/Wolfratshausen – Beim Einsteigen in seinen Meriva gerät ein Geretsrieder (80) mit einem jungen Mann (25) aneinander. Der Rentner schlägt dem Jüngeren drei Mal mit der Faust ins Gesicht, fährt davon - und musste sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Der Angeklagte wies die Anschuldigung entschieden von sich. Als er die Beifahrertür seines Fahrzeugs geöffnet habe, sei der andere plötzlich hinter ihm gestanden und habe barsch gefragt, ob er sein Auto immer so öffne. „Er meinte wohl, ich sei an sein Auto gestoßen. Aber ich habe es nicht berührt“, beteuerte der Rentner. Dann habe er von hinten einen so heftigen Rempler gekriegt, dass er mit dem Kopf gegen den Türholm gestoßen und fast ins Auto gefallen sei. „Da habe ich mich gewehrt. „Ich habe ihn am Revers gepackt, hochgehoben und geschüttelt. Der hat gezappelt wie ein HB-Manderl“, erzählte der Beschuldigte.

Die Erinnerung des 25-Jährigen deckte sich mit der Schilderung des Angeklagten nur in der Anfangsszene, dem Öffnen der Tür. „Als ich ihn gefragt habe, ob er die Tür da wegnehmen kann, schlug er gegen die Fensterscheibe meines Autos. Ich fragte, was das solle und stellte mich zwischen beide Autos“, sagte der Geschädigte. „Aber da flippte er noch mehr aus und schlug mir ins Gesicht.“

So stand Aussage gegen Aussage. Für jede Partei trat eine Zeugin vor den Richter. Die Version des Angeklagten wurde – nahezu wortgleich - von dessen Gattin (72) wiederholt. Als sie bei Nachfragen des Gerichts kurz ins Stocken geriet, soufflierte ihr Ehemann die passende Antwort.

„Man könnte zweifeln“, räumte Richter Helmut Berger später in seiner Urteilsbegründung ein. Denn vieles, was er gehört hatte, wies Ungereimtheiten auf. Doch nach der Aussage der Schwägerin des 25-Jährigen neigte sich Justitias Waage deutlich zu Ungunsten des Angeklagten. Die Zeugin hatte beim Abendessen Schwellungen im Gesicht ihres Schwagers bemerkt und zudem das Geschehen am 30. April dieses Jahres vom Badezimmerfenster ihrer Wohnung aus beobachtet. Das bezweifelte der Rentner. „Die Frau hat nicht rausgeschaut, da brauchen wir nicht drüber reden. Sie wurde aufgeklärt von ihrem Schwager“, echauffierte sich der 80-Jährige in seiner abschließenden Stellungnahme.

„Wenn es noch irgendeinen Zweifel an Ihrer Schuld gegeben haben sollte, dann haben Sie ihn mit Ihrem letzten Wort beiseite gefegt“, sagte Richter Helmut Berger, nachdem er den Geretsrieder wegen „einer Eskalation, wie man sie häufig beobachten muss“, zu einer Geldstrafe von 1500 Euro (50 Tagessätze zu je 30 Euro) verurteilt hatte. Das Schlusswort blieb dem Verurteilten vorbehalten. „Zahlen tu ich nix, da geh’ ich lieber ins Gefängnis“, ließ der erboste Rentner den Richter wissen, während er seine Jacke anzog. „Ich werde angegriffen und darf mich nicht wehren, sondern soll noch dafür bezahlen. Tut mir leid, aber so was habe ich noch nicht erlebt.“

rs

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