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Weihnachten im Seniorenheim

„Heiligabend ist das Heim gut besucht“

Geretsried – Wenn ältere Menschen Weihnachten im Seniorenheim verbringen müssen, hat das einen bitteren Beigeschmack. Herrscht eine traurige Stimmung, weil sie an diesem besonderen Tag nicht bei ihren Angehörigen sein können? Redakteur Patrick Staar fragte nach bei Alexander Streb, Heimleiter im Seniorendomizil Haus Elisabeth.

Herr Streb, wie wird im Seniorenheim Weihnachten gefeiert?

Wir machen in der Vor-Weihnachtszeit in jedem Wohnbereich eine große Feier. An Heiligabend ist am Vormittag ein Gottesdienst. Anschließend kommt eine Blaskapelle, die im Innenhof spielt. Am Abend feiern die Bewohner mit den Angehörigen in den Wohnbereichen.

Wie lange dauern die Feierlichkeiten?

Das kann man nicht so pauschal sagen. Das ist in jedem Wohnbereich verschieden. Einige Weihnachtsfeiern haben zum Beispiel um 15 Uhr angefangen und bis 18 Uhr gedauert.

Ist es der Normalfall, dass die Angehörigen im Seniorenheim vorbeischauen?

Ja. An Heiligabend ist das Heim immer gut besucht. Manche kommen am Heiligabend, andere an den Feiertagen. Einige Bewohner werden von ihren Angehörigen abgeholt und sind über die Feiertage gar nicht bei uns.

Es gibt vermutlich aber auch Menschen, die über Weihnachten in den Urlaub fahren und sich nicht um ihre Angehörigen im Heim kümmern?

Alexander Streb Der Leiter des Seniorenheims Haus Elisabeth war früher selbst Altenpfleger. Foto: Archiv

Das ist eine Ausnahme. Hier in Geretsried sind die Bewohner mit ihren Angehörigen verwachsen. Der familiäre Zusammenhalt ist sehr groß. Ich habe früher in München gearbeitet. Da war das anders. Da hat es schon Bewohner gegeben, zu denen an Weihnachten überhaupt niemand gekommen ist.

Wie reagieren die Bewohner darauf?

Natürlich gibt es Bewohner, die sich abgeschoben fühlen. Um die kümmert sich unser Personal. Wir haben auch eine Haus-Seelsorgerin. Die Leute werden aufgefangen. Im Großen und Ganzen herrscht eine feierliche Stimmung.

Wie äußert sich das?

Es ist ruhiger. Man kann das nicht beschreiben, man muss es erleben. Die Angehörigen bringen Geschenke und Plätzchen mit, auch für die Mitarbeiter. Das ist immer eine schöne Sache. Weihnachten im Pflegeheim ist nicht so, wie die meisten denken. Traurig geht es nicht zu.

Spüren die dementen Bewohner diese feierliche Stimmung?

Ja, sogar die Leute, bei denen man denkt, dass sie überhaupt nichts mehr mitbekommen, spüren es. Das macht schon Spaß.

Wie kommen die Pflegekräfte damit zurecht, dass sie an Heiligabend arbeiten müssen?

Die einen arbeiten an Weihnachten, die anderen an Silvester. So ist das im Schichtdienst. Diejenigen, die an Weihnachten arbeiten, kommen gerne. Wir haben an Weihnachten und den Feiertagen nie Ausfälle und Krankenmeldungen. Ich war selber früher Altenpfleger und habe an Weihnachten immer gerne gearbeitet.

Warum?

Weil man mit den Angehörigen ganz anders in Kontakt kommt.

Gibt es an Weihnachten ein spezielles Essen?

Bei uns werden die Leute in die Planung mit einbezogen. Aber bei 130 Bewohnern kann man es nicht allen recht machen. Die meisten wollen mittags fasten. Das ist bei uns im katholischen Bayern einfach so. Am Heiligabend wollen sie Bratwürste mit Kartoffelsalat haben. Am Feiertag gibt es Ente oder paniertes Seelachs-Filet.

pr

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