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Training unter freiem Himmel: Das ist für die Eishockeyspieler des ESC Geretsried seit zehn Jahren Normalität. Bis zum Neubau eines Dachs sollen nun nochmals mehrere Jahre vergehen. „Mit der Jugend höherklassig zu spielen, das kannst du jetzt abhaken“, sagt ESC-Chef Thomas Stöber.

„Ein Schlag ins Gesicht“

Eisstadion weiter ohne Dach: River Rats sind geschockt

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Geretsried - Schockstarre beim Eissportclub: Es wird wohl noch Jahre dauern, bis das Eisstadion wieder ein Dach bekommt. Die Stadt muss in andere Projekte investieren. Der ESC Geretsried ächzt.

Seit das Heinz-Schneider-Eisstadion vor zehn Jahren sein Dach verloren hat, hofft der Eissportclub (ESC) auf einen neuen Wetterschutz. Im Bürgermeisterwahlkampf 2014 war oft über ein neues Dach gesprochen worden, bald sollte es soweit sein. Am Dienstag kam dann die schlechte Nachricht für alle Eishockeyfans: Der Haushaltsentwurf sieht vor, die Überdachung des Stadions zu verschieben. Geld für das Sechs-Millionen-Euro-Projekt wird wohl erst in drei Jahren eingeplant – nämlich 400 000 Euro für die Planung (wir berichteten). Bis das Dach dann tatsächlich gebaut wird, würde noch mehr Zeit vergehen. Für den ESC ist das ein Albtraum.

"Das war ein Schlag ins Gesicht"

„Als ich davon erfahren habe, war ich überrascht und geschockt“, sagt ESC-Vorsitzender Thomas Stöber. „Mich hat’s fast vom Stuhl gehauen. Das war ein Schlag ins Gesicht, ich bin maßlos enttäuscht.“ Die jetzigen Einschränkungen seien enorm: hohe Energiekosten, weniger Trainingstage, Abhängigkeit vom Wetter. Die Eltern der Nachwuchsspieler würden ihre Kinder zunehmend in andere Vereine mit besseren Bedingungen schicken. „Wir erzählen seit Jahren, dass ja bald das Dach draufkommt“, sagt der 50-Jährige. „Jetzt passiert wieder nichts. Uns glaubt keiner mehr.“ Schon jetzt spüre man im Nachwuchsbereich die Auswirkungen. Die Sparte sei vernachlässigt worden, „weil wir unsere Kraft in den Erhalt des Stadions gesteckt haben. Mit der Jugend höherklassig zu spielen, das kannst du jetzt abhaken.“

Das Dach rückt in weite Ferne, ins Eisstadion wird laut Haushaltsentwurf dennoch investiert: 650 000 Euro für die Sanierung der Eislauffläche und der Banden. Das sei ein Teilerfolg, aber überfällig, urteilt Stöber. „Sonst können wir zusperren.“ Die Rohre der Kühlschleife seien porös, es habe schon Rohrbrüche gegeben. Reißt eine Leitung unter der Eisfläche, sei die Saison gelaufen.

Erst die Pflicht, dann die Kür

Folgt der Stadtrat dem Haushaltsentwurf, rutscht das Stadiondach auf der Prioritätenliste nach hinten. Das hat mit den Pflichtaufgaben der Stadt zu tun, wie dem Bau von Schulen. Das Eisstadion ist dagegen eine freiwillige Leistung – ebenso wie das Hallenbad. Vize-Bürgermeister Hans Hopfner (SPD) betont, dass der Entwurf der Verwaltung aber noch nicht beschlossen ist. Er glaube nicht, dass das Projekt Eisstadion bis 2019 auf die lange Bank geschoben wird. „Wir diskutieren jetzt über 2016. Im Lauf der nächsten Jahre kann sich noch einiges ändern.“ Als Bürgermeisterkandidat hatte sich Hopfner vehement für die Sanierung stark gemacht. „Es war damals schon klar, dass es eng wird“, sagt er heute.

ESC-Chef Stöber möchte sich nicht an den Strohhalm klammern, dass das Dach vielleicht doch vor 2019 geplant wird. Am heutigen Samstag würden sich die Vorstandsmitglieder treffen, um zu beraten, wie es weitergeht. Von einer überdachten Eishalle, betont er, würden nicht nur die Eishockeyspieler, sondern die ganze Stadt profitieren – etwa durch Veranstaltungen im Sommer. „Ich kann den jetzigen Entwurf in keinster Weise verstehen.“

dor

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