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Die Himmelsleiter zieht Ende Oktober weiter. 

Kunstwerk zieht weiter

Himmelsleiter an Geretsrieder Petruskirche: Der Effekt bleibt

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Die Himmelsleiter hat neun Monate lang den Turm der Petruskirche beleuchtet. Nun zieht sie weiter an ihren nächsten Bestimmungsort – auch wenn viele Geretsrieder das Kunstwerk gerne behalten hätten.

Geretsried – Als Künstler E.lin (Erwin Wiegerling) aus Gaißach seine Himmelsleiter nach Stationen unter anderem in Essen und Paderborn an der katholischen Kirche in seinem Heimatort montierte, erntete der dortige Pfarrer viel Widerstand und Unverständnis. Pfarrer Georg Bücheler berichtet das genaue Gegenteil. An „seiner“ Petruskirche an der Egerlandstraße leuchtet das Kunstobjekt seit März.

Nach neun Monaten ist die Zeit für die Himmelsleiter in Geretsried abgelaufen. Nächstes Jahr soll sie in einem anderen Ort Station machen, wo hat Erwin Wiegerling noch nicht endgültig festgelegt. Aber zunächst heißt es für die Kirchengemeinde Geretsried, Abschied von der Himmelsleiter zu nehmen. Dazu findet am Sonntag, 29. Oktober, um 9.30 Uhr ein Gottesdienst in der Petruskirche statt.

„Das passt zur Kirche und ins Zentrum“

Für Georg Bücheler, der sich darum bemüht hat, die Himmelsleiter für das 500. Jubiläumsjahr der Reformation nach Geretsried zu holen, war die Aktion ein Erfolg. „Wir haben ganz viele Rückmeldungen – von Gemeindemitgliedern und Außenstehenden“, sagt der Pfarrer, der für die Pfarrstelle Geretsried Süd und Königsdorf zuständig ist. Im Gegensatz zu den Reaktionen in Gaißach sei nur von Einzelnen Kritik gekommen. Die meisten hätten gesagt: „Das passt zur Kirche und ins Zentrum.“

Behalten, wie es sich einige Geretsrieder gewünscht hätten, kann die Petruskirche das Kunstwerk aber nicht. „Das Zeichen nach außen wirkt nur, wenn das Symbol unterwegs ist“, findet Bücheler. Das entspricht der Idee des Künstlers, dass die Himmelsleiter möglichst vielen Menschen „leuchten“ und sie zum Nachdenken anregen soll.

In Geretsried hat sie das getan, findet Bücheler. „Mir ist wichtig, dass die Kirche kein Insider-Verein ist, es macht nur Sinn, wenn wir offen in der Gesellschaft sind.“ Die Reformation sei ein Schritt zum Menschen hin gewesen. Das sei auch ein Zeichen der Himmelsleiter: „Die Kirche bewegt sich auf den Mensch zu.“ Das Leuchtkunstwerk habe erreicht, dass Menschen stehen bleiben und miteinander ins Gespräch kommen. „Es ist wichtig, dass die Kirche mehr als Kirche ist, sie ist mitgestaltend und Teil der Kommune“, sagt Bücheler.

Neue Ideen gibt es schon

Deutlich gemacht hat die Gemeinde das auch mit Veranstaltungen, die jeden Monat „unter der Himmelsleiter“ stattgefunden haben. Es gab etwa eine Weinverkostung – mit dem Verkauf und dank Spenden konnte die Petruskirche das Projekt finanzieren. Die Endabrechnung gibt es noch nicht. Bücheler erwartet aber Kosten in Höhe von 7000 bis 9000 Euro. „Mir war wichtig, dass wir das nicht von Geldern abzweigen, die sonst einer anderen Bestimmung zugekommen wären.“

Neben einem Luthertheater und einer Backaktion wurde ein offenes Singen auf der Wiese vor der Petruskirche veranstaltet. Letzteres will der Pfarrer beibehalten. „Der Zulauf war richtig groß“, sagt Bücheler. Damit behält die Kirchengemeinde den Effekt der Himmelsleiter, nämlich dass Menschen, die vorbeigehen, die Kirche als offen wahrnehmen und mitmachen.

Nach dem Abschiedsgottesdienst wird die Himmelsleiter im November mit einer Hubleiter abgebaut. Die einzelnen Elemente seien im Turm verankert, sagt Bücheler. Die entsprechenden Bohrlöcher müssten zugemacht werden. Dann ist von dem Kunstwerk nichts mehr zu sehen. Die Kirchengemeinde plant aber bereits neue Aktionen nach einer gewissen Pause. „Nach so etwas hat man natürlich sofort neue Gedanken“, sagt Bücheler. Details will er aber noch nicht öffentlich nennen. „Das ist noch ein bisschen am Gären.“

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