Eindrucksvolle Vorträge: Caro Hetényi und Claus Steigenberger lasen aus den Werken Ludwig Ganghofers.
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Eindrucksvolle Vorträge: Caro Hetényi und Claus Steigenberger lasen aus den Werken Ludwig Ganghofers.

Kulturbühne Hinterhalt

Wortgewaltiges Finale der PiPaPo-Kulturtage

  • vonPeter Herrmann
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Ein würdiges Finale für das PiPaPo-Festival: Caro Hetényi und Claus Steigenberger erinnern an den 100. Todestag des Heimatdichters Ludwig Ganghofer.

Gelting – „Ohne Kultur nichts los, aber so ist es nicht in Geretsried“, stellte Gerhard Meinl klar. Der Dritte Bürgermeister eröffnete am Mittwochabend in der Kulturbühne Hinterhalt die zehnte und letzte Veranstaltung der Kulturtage PiPaPo (Pinsel, Pauke und Poesie). Assunta Tammelleo, Vorsitzende des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL), hatte dazu gemeinsam mit dem Autor und Schauspieler Claus Steigenberger Texte aus dem umfangreichen Werk des vor 100 Jahren gestorbenen Schriftstellers Ludwig Ganghofer ausgesucht. Gelesen wurden sie von der Schauspielerin Caro Hetényi und Steigenberger selbst.

„Es verwundert etwas, dass anlässlich seines 100. Todestages in der Medienlandschaft kaum von ihm Notiz geworden wurde“, bemerkte der 62-jährige Beuerberger. Steigenberger erinnerte daran, dass bis heute etwa 35 Millionen Bücher von Ludwig Ganghofer verkauft wurden und der gebürtige Kaufbeurer als meistverfilmter deutschsprachiger Autor gilt. Denn „Der Jäger von Fall“, „Das Schweigen im Walde“ oder „Schloss Hubertus“ zeichneten ein stark idealisiertes Heimat- und Bayernbild, das bis heute nachwirkt.

Düster erscheinen dagegen die von Caro Hetényi vorgetragenen Schilderungen aus dem Ersten Weltkrieg. Ganghofer reiste damals freiwillig als Berichterstatter an die französische Front und beschrieb das Grauen in schwülstigen Worten. „Überall Tod, Vernichtung und Zerstörung“, heißt es in einer Reportage. Dass ihn diese Eindrücke nicht zu einer Ächtung des Krieges veranlasst haben, mag schockieren. Als Freund und Lieblingsautor von Kaiser Wilhelm II. geriet Ganghofer deshalb schnell ins Kreuzfeuer der Kritik von naturalistischen Schriftstellern, die Missstände in der bürgerlichen Gesellschaft anprangerten. „Er war ein Unmoderner“, befand Steigenberger. Dennoch pflegte der 1855 geborene Ganghofer Kontakt zu andersdenkenden Autoren und förderte junge Künstler wie Karl Valentin.

In den vorgelesenen Textauszügen erfuhren die Zuhörer der erneut als Livestream aufgezeichneten Veranstaltung dann viel Wissenswertes über Leben und Werk von Ganghofer. Dabei profitierten Hetényi und Steigenberger von ihrer schauspielerischen Ausbildung. So ließ sich beispielsweise die Beschreibung eines Großbrands im „Jäger von Fall“ noch gestenreicher und mit zahlreichen Tonartwechseln gestalten. Dankenswerterweise ersparten die beiden dem virtuellen Publikum eine oberlehrerhafte Wertung von Ganghofers Biografie.

Nach diesem wortgewaltigen Finale zog Assunta Tammelleo ein zufriedenes Fazit: „Diese Kulturtage waren außergewöhnlich, doch unser Publikum ist den Weg mit uns wohlwollend und unterstützend mitgegangen“, freute sich die KIL-Vorsitzende. Ermöglicht haben die anspruchsvollen Livestream-Aufzeichnungen vor allem die Techniker Thorsten Thane, Hendrik Noeller, Marius Hammerschmied und Daniel Schüßler – sowie ein finanzieller Zuschuss der Stadt Geretsried.  ph

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