+
Fit wie noch nie: In den heimischen Bergen bereitete sich Frank Irnich auf seine Himalaja-Expedition vor.

Höhenbergsteigen

Frank Irnich: Erst Mount Everest, dann Lhotse

  • schließen

Der Bad Heilbrunner Frank Irnich wagt sich zum dritten Mal an die Doppelbesteigung von Mount Everest und Lhotse. Er wäre der erste Deutsche, der das schafft. 

Geretsried/Bad Heilbrunn – 157 Meter hoch ist der Dom zu Köln, jener Stadt, aus der Frank Irnich stammt. Gut 56 Mal so hoch ist das Ziel, das der Bad Heilbrunner, der in Geretsried eine Praxis für Physiotherapie betreibt, Mitte Mai anpeilt: den Mount Everest. Zum zweiten Mal nach 2011 will er das 8848 Meter hoch gelegene Dach der Welt erklimmen – dieses Mal allerdings nicht auf der Nordroute von Tibet aus, sondern von der nepalesischen Seite im Süden des Bergriesen. Und das genügt dem 55-Jährigen noch nicht: Nach zwei, drei Tagen Ruhe im vorgeschobenen Basislager möchte er den Lhotse besteigen, mit 8516 Metern der vierthöchste Gipfel der Erde. Irnich wäre der erste Deutsche, „dem das innerhalb von einer Expedition gelingt“. Und mit Sicherheit wäre er der Erste, der das schafft, nachdem er einen Herzinfarkt überlebt hat.

Irnich wagt die Expedition als erster Deutscher

Ganz entspannt klingt der gebürtige Rheinländer am Dienstag, wenige Stunden vor dem Abflug nach Kathmandu via Doha. Respekt habe er vor der Aufgabe, „Angst nicht“. Dazu hat er zu viel erlebt in seiner Karriere als Höhenbergsteiger. 2010, beim ersten Versuch am Everest, dreht er in 8300 Meter Höhe wegen beginnender Erfrierungen um. Sein Bergkamerad, der Schotte Peter Kinloch, schafft es nach oben, stirbt beim Abstieg – fast blind – an der Höhenkrankheit. Im Jahr darauf glückt Irnich der Gipfelsturm, doch der Himalaja lässt den Sportlehrer und Physiotherapeuten nicht aus seinem Bann. 2014 will er die Doppelbesteigung von Everest und Lhotse wagen. Eine Lawine, die 16 Sherpas in den Tod reißt, stoppt sämtliche Expeditionen für diese Saison. Zwei Jahre später scheitert auch der nächste Anlauf: Diesmal löst ein großes Erdbeben eine Lawine aus, die Teile des Basislagers verschüttet. Irnich ist Ersthelfer, rettet Menschenleben.

Jetzt versucht er es das dritte und „mit Sicherheit letztes Mal“

Nun versucht es der Bad Heilbrunner ein drittes – und „mit Sicherheit letztes“ – Mal. Er will das mehrere 1000 Dollar teure Permit, das die nepalesische Regierung wegen der beiden Naturkatastrophen verlängert hat, nicht verfallen lassen. „Ich mache mir aber keinen Druck“, sagt Irnich. „Ich sehe zu, was ich für mich erreichen kann.“ Sollte es nur ein Gipfelerfolg oder gar keiner werden, „bricht für mich keine Welt zusammen“. Die körperlichen Voraussetzungen, beide Ziele zu erreichen, erfüllt er. Er hat sich monatelang mit 5000 bis 7500 Höhenmetern und bis zu 90 Trainingskilometern pro Woche auf die Expedition vorbereitet. Die Leistungstests auf dem Ergometer, das Blutbild, alle relevanten medizinischen Werte sind top. Irnich fühlt sich „so fit, wie ich es noch nie war, selbst bei meinem Aufstieg 2011 nicht“. An seinen Infarkt am 21. März 2012, als ihm während des Lauftrainings ein Herzkranzgefäß riss, denkt er kaum noch: „Ich bin völlig gesund.“

Ein internationales Team von 16 Bergsteigern

Etwas ist dennoch anders als bei den vorangegangenen Expeditionen. Zum einen gibt’s da Christiane, seit eineinhalb Jahren seine Lebensgefährtin. Er lässt sie für rund zwei Monate alleine zurück. Wochen, in denen sie sicher auch um ihren Frank bangen wird. Eine 8000er-Expedition ist fraglos nicht ungefährlich. „Es ist das erste Mal, dass wir so lange voneinander getrennt sind. Das ist für uns beide nicht leicht“, räumt Irnich ein. Und auch das Leben am Berg wird Neues bergen. Erstmals ist der 55-Jährige mit der nepalesischen Agentur Seven Summits Treks unterwegs, nicht mit dem ihm vertrauten Niederländer Arnold Coster. „Wir sind ein internationales Team von 16 Bergsteigern. Das sind viele Leute. Alles wird ungewohnt sein, zumindest am Anfang.“

Ein straffer Zeitplan

Irnichs Zeitplan ist heuer straffer als sonst. Nach dem Trek ins Basislager und der Besteigung des 6119 Meter hohen Lobuche East zur ersten Akklimatisierung will er zügig die Besteigung des Everest angehen, sobald dort die Fixseile liegen. Das dürfte – sofern das Wetter passt – ab dem 10. Mai der Fall sein. Klappt das, kehrt er ins vorgeschobene Basecamp zurück, wo er sich etwas erholen möchte. Dann folgt der Sturm auf den Lhotse, der mit dem Everest über den Südsattel verbunden ist. In Metern ausgedrückt wären das insgesamt 17 364 – also der Kölner Dom gut 110 Mal übereinander.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Familie sucht am Ambacher Kiosk Zuflucht - Besitzer weist sie ab
Weil sie in ein heftiges Gewitter gerieten, wollte sich eine Familie aus Tutzing am Kleinen Kiosk in Ambach unterstellen. Doch aus einem Grund wies sie der Besitzer ab.
Familie sucht am Ambacher Kiosk Zuflucht - Besitzer weist sie ab
Mittelschüler in Schloss Nymphenburg geehrt
Das Verbraucherschutzministerium in Bayern hat am Donnerstag die Klasse 7c der Mittelschule Geretsried für die Teilnahme an dem Projekt „Partnerschule …
Mittelschüler in Schloss Nymphenburg geehrt
Diakon Horak segnet neue Flößer-Skulptur in Wolfratshausen
„Dass man zum Floßfahren Wasser braucht, ist ja klar – aber doch nicht gleich so viel“, sagte Hermann Paetzmann, Mitglied des Vereins Flößerstraße, mit erbostem Blick …
Diakon Horak segnet neue Flößer-Skulptur in Wolfratshausen
Landratsamt rät von Bootfahren auf Isar und Loisach ab
Aufgrund des heftigen Regens in jüngster Zeit haben sich die Pegelstände an Isar und Loisach erhöht. Nun hat das Landratsamt eine Warnung herausgegeben.
Landratsamt rät von Bootfahren auf Isar und Loisach ab

Kommentare