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Islandpferde statt Kühe: Stefan und Stephanie Waldherr haben auf ihrem Bauernhof in Gelting umgesattelt. Rechts: Pflegerin Astrid Schöne-Zielosko.

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Hof sattelt um: Von der Kuh zum Isländer

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Früher standen im Stall auf dem Waldherrnhof Kühe. Mit der Übergabe des Hofs an die jüngere Generation vollzog sich ein Wandel: Die Familie verabschiedete sich von der Milchviehwirtschaft und sattelte um. Auf dem Hof sind nun Islandpferde zu Hause.

Gelting – Der Bauernhof der Waldherrs liegt idyllisch vor den Toren Geltings: Auf der einen Seite hat man die Dorfkirche St. Benedikt im Blick, auf der anderen die Alpenkette. Draußen vor dem eingezäunten Offenstall scharen sich Pferde um vier Futterstationen. Genüsslich kauen die 35 Stuten und Wallache auf dem Heu herum. Das Fell der robusten und kräftigen Tiere glänzt in der Sonne.

Bis Ende 2015 bewirtschafteten Hans und Irmgard Waldherr den Hof. 55 Kühe standen im Stall, die täglich gefüttert und gemolken werden wollten. Zum 1. Januar 2016 übergab das Ehepaar den Betrieb an seinen zweitältesten Sohn Stefan. „Wir haben lange diskutiert, wie es weitergehen soll“, sagt der Geltinger. „So ein Hof gehört ja auch bewirtschaftet.“ Der 36-Jährige ist ausgebildeter Landwirt, die anfallenden Arbeiten auf dem Hof machen ihm Spaß. „Aber ich bin kein Milchbauer“, gibt er unumwunden zu. So entschloss sich die Familie, neue Wege zu gehen: Aus dem Kuhstall sollte ein Offenstall mit Paddocks für Pensionspferde werden – und zwar nur für Isländer, die ihre ganz eigenen Ansprüche haben.

Trennung von den Milchkühen fiel schwer

Anfang des vergangenen Jahres war es soweit. Für die notwendigen baulichen Veränderungen stellte Stefan Waldherr einen Bauantrag. Im April trennte sich die Familie von ihren Milchkühen. „Das Schlimmste war, als sie abgeholt wurden“, erinnert sich Stefanie Waldherr, die Ehefrau von Stefan. „Aber die meisten haben wir in anderen Ställen unterbringen können.“ Nachdem die bürokratischen Hürden überwunden waren, legten die Waldherrs mit dem Umbau los. „Alle haben mit angepackt“, sagt die Mutter eines dreijährigen Sohnes.

Heute sind vom alten Stall nur noch die Säulen zu sehen. Wanddurchbrüche schafften Verbindungen nach draußen zu den wetterfesten Paddocks. Es gibt einen Waschplatz für die Tiere und automatisierte Fütterungsstationen, die Stefan Waldherr selbst für den Hof entworfen und gebaut hat. Fünf Mal am Tag fährt eine Hebebühne in der Station das Heu herunter. Nach einer Stunde verschwindet das „Tischlei-deck-dich“, wie es die 35-Jährige nennt, wieder.

Isländer haben besondere Bedürfnisse

Neben dem Auslauf für die Pferde gibt es noch einen Allwetterreitplatz, der mit weichen, frostsicheren Teppichschnitzeln eingestreut ist, sowie eine Oval-Bahn. Dort können die besonderen Gangarten der Isländer trainiert werden. Am bekanntesten ist der Tölt – dabei hat das Pferd abwechselnd nur ein oder zwei Hufe am Boden, eine Herausforderung für den Reiter. „Das schaut ganz anders aus“, ergänzt Astrid Schöne-Zielosko, die sich täglich um die Fütterung und Pflege der Vierbeiner mit der dichten Mähne kümmert. Die Geltingerin hat selbst sieben Isländer. „Das sind tolle Pferde“, schwärmt Schöne-Zielosko. „Da gibt’s nicht viel Tamtam. Putzen, Sattel drauf, und los geht’s.“ Auch eine Reithalle sowie Kranken- und Eingewöhnungsboxen wird es demnächst geben. Dafür bauen die Waldherrs einen alten Stadel um.

Neben den Isländern sind auf dem Bauernhof an der Herrnhauser Straße auch noch andere Pferde zu Hause. Stefan Waldherr betreibt eine kleine Kaltblutzucht.Regelmäßig nimmt der Landwirt mit ihnen bei Festumzügen wie den Leonhardi-Fahrten in Benediktbeuern und Bad Tölz teil. Auch beim Silvesterritt in Gelting ist er dabei. Stefanie Waldherr: „Da steckt sein Herzblut drin.“

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