Geldscheine stecken in einer Börse
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Gelegenheit macht Diebe: Eine Geldbörse mit 910 Euro war in einer Waschanlage liegen geblieben.

„Das war eine ganz, ganz dumme Idee“

Trotz offener Bewährung: 21-Jähriger lässt Geldbörse mit 900 Euro verschwinden

  • vonRudi Stallein
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In einer Waschanlage in Geretsried griff ein 21-Jähriger zu: Mit einem Kumpel teilte er sich den Inhalt einer liegen gebliebenen Geldbörse und warf alles andere in den Müll. Das hatte ein Nachspiel vor Gericht.

Geretsried/Icking/Wolfratshausen – In einem Punkt waren sich alle Beteiligten einig: „Das war eine ganz, ganz dumme Idee“, wie der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer feststellte. Wohlwissend, dass er sich drei Jahre lang nichts zuschulden kommen lassen darf, wenn er vermeiden will, dass er eine zweijährige Jugendstrafe antreten muss, zu der er im Oktober 2019 verurteilt worden war, ließ sich ein junger Ickinger (21) mit einem Kumpel wieder zu einer Straftat hinreißen. In einer Geretsrieder Waschanlage nahm das Duo eine liegen gebliebene Geldbörse an sich, teilte den Inhalt von 910 Euro auf und warf das Portemonnaie in eine Mülltonne.

Der Auszubildende kam vor dem Jugendschöffengericht in Wolfratshausen mit einem blauen Auge davon: Wegen Diebstahls in Mittäterschaft wurde er „nur“ zu einem vierwöchigen Dauerarrest verurteilt. Er sei in die Sache „reingerutscht“, erklärte Rechtsanwalt Christian Schulz für seinen Mandanten. Der Tatplan sei spontan entstanden, als er die Geldbörse auf dem Münzautomaten der Waschanlage habe liegen sehen. Ziemlich schnell habe er gemerkt: „Aus der Nummer kommst Du nur noch sehr schwer raus.“ Dabei wäre schon bald, nachdem er 500 Euro, seinen Anteil der Beute, eingesteckt hatte, Gelegenheit gewesen, alles wieder gerade zu rücken. Denn der Geschädigte war auf der Suche nach seinem Geldbeutel und seinen Zigaretten noch mal zurückgekehrt. „Ich hatte Angst, dass die Polizei gerufen wird, wenn ich zugebe, dass ich das Geld habe“, sagte der Angeklagte.

Da seine Tatbeteiligung unstrittig war – eine Videokamera hatte den Vorgang aufgezeichnet – ging es in der Verhandlung vor allem darum, wie der junge Mann zu bestrafen sei. Da er zur Tatzeit unter offener Bewährung stand, war es naheliegend, das vorherige Urteil mit einzubeziehen, die neue Strafe obendrauf zu packen. Dies hätte unweigerlich eine Haftstrafe von mehr als zwei Jahren zur Folge. Was bedeuten würde: Am Gefängnis führt kein Weg vorbei.

„Ich kann keine besonderen Gründe erkennen, warum es nicht einbezogen werden sollte“, erklärte Staatsanwalt Martin Lahl. Er beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. „Das haut den Erziehungsgedanken völlig weg. Ich erziehe niemanden, indem ich ihn einsperre“, argumentierte Verteidiger Schulz. Er hielt seinem Mandanten zugute: „Vielleicht hat’s die Tat noch gebraucht, damit er kapiert, was los ist.“ Jedenfalls befinde sich der 21-Jährige mittlerweile auf einem guten Weg. Das bestätigte die Bewährungshelferin, die jedoch auch der Meinung war, „dass er eine Verhaltenstherapie machen sollte“.

Das Schöffengericht folgte dem Vorschlag von Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch und erteilte dem Ickinger einen „Denkzettel“ in Form von vier Wochen Dauerarrest. „Das war völlig, völlig, völlig überflüssig“, drückte die Vorsitzende Richterin Friederike Kirschstein-Freund ebenfalls ihr absolutes Unverständnis für die Aktion aus. Das Gericht habe sich nur aus einem Grund dagegen entschieden, das frühere Urteil einzubeziehen: „Weil wir die Schule und ihre Ausbildung nicht gefährden wollen“, erklärte die Richterin und betonte: „Der Arrest ist ihre allerletzte Chance. Ein Fehltritt noch – und das war’s.“ rst

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