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Die "identitäre Bewegung" schart sich hinter dem Symbol des griechischen Buchstabens "Lambda" in Gelb auf schwarzem Grund. Die Gruppierung unterstützte die AfD am Samstag in Geretsried.

Unter den Augen des Verfassungsschutzes

Völkische Bewegung agiert im Landkreis

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Geretsried - Unter den Sympathisanten der AfD am vergangenen Samstag sah man auch Vertreter der "Identitären", einer völkischen Bewegung. Auch in Dietramszell haben sie schon ihr Unwesen getrieben, unter der - inzwischen verschwundenen -  Hindenburgbüste an der Klostermauer. 

Die so genannte „Identitäre Bewegung“ trat bei der AfD-Kundgebung in Geretsried am Samstag nicht zum ersten Mal im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Erscheinung. Im Zuge der kontroversen Diskussion über die Hindenburg-Büste an der Klostermauer in Dietramszell im Sommer 2014 bezog die Gruppierung im buchstäblichen Sinne Stellung: Nachdem das Denkmal von einem „Künstler geschändet wurde“, hinterließen die „Identitären“ vor Ort ein Abbild des ehemaligen Reichspräsidenten sowie eine Hinweistafel: „Jedes Land hat die Denkmäler, die an die Helden ihrer Nation erinnern sollen. Diese zu zerstören oder zu verunglimpfen, werden wir nicht dulden.“ Damit spielten sie auf die Tatsache an, dass der Münchner Aktionskünstler Wolfram Kastner die von den Nazis im Jahr 1939 errichtete Hindenburg-Büste entfernt hatte.

Die identitäre Bewegung steht für eine "Festung Europa"

Doch damit nicht genug: Ende vergangenen Jahres tauchten in Bad Tölz, Geretsried und Wolfratshausen Plakate auf, die Asylbewerber in verschiedenen Sprachen dazu aufforderten, Deutschland zu verlassen. Urheber auch dieser Aktion: die "identitäre Bewegung“. Diese macht keinen Hehl aus der Tatsache, für ein Ende des „Multi-Kulti-Wahns“ und für eine „Festung Europa“ einzutreten. Diesem Zweck dient auch „die körperliche Ertüchtigung und die Freude am persönlichen Austausch mit Gleichgesinnten“. Beidem frönt die Bewegung bei Sportveranstaltungen und Sommerlagern.

Der Verfassungsschutz beobachtet die Bewegung ganz genau

Auf eine umfangreiche schriftliche Anfrage zweier SPD-Landtagsabgeordneten an die Staatsregierung antwortete ein Sprecher des Bayerischen Innenministeriums im Dezember 2014: „Auffallend ist der Versuch der ,Identitären Bewegung‘  (...), sich von Rechtsextremismus und Rassismus abzugrenzen und sich bewusst lediglich als patriotisch zu definieren. Allerdings ergeben sich durchaus Hinweise, die auf rechtsextreme Ideologiefragmente schließen lassen.“ Mittlerweile ist das Landesamt für Verfassungsschutz tätig geworden: „Die ,Identitäre Bewegung Bayern‘ ist seit Anfang dieses Jahres Beobachtungsobjekt des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz“, berichtet Pressesprecher Markus Schäfert auf Nachfrage unserer Zeitung.  In der Ideologie der ,Identitären Bewegung Bayern‘ werde die Bedeutung von ,Abstammung‘ und ,Identität‘ betont, was eine starke Nähe zum biologistischen Denken und der völkischen Ideologie von Rechtsextremisten erkennen lässt.“

Der AfD-Kreisvorsitzende distanziert sich keineswegs

Der AfD-Kreisvorsitzende Buchner sieht dagegen keine rechtsextremen Tendenzen bei der „Identitären Bewegung“. Im Gegenteil: Der Königsdorfer heißt die Vertreter der „patriotischen Avantgarde“ (so die Bewegung über sich selbst) in den Reihen der Alternative für Deutschland „herzlich willkommen“. Aus Polizeikreisen in Oberbayern heißt es dazu: Eine Abgrenzung der AfD vom rechtsextremen Spektrum sei nicht mehr erkennbar. „Das ist denen schon längst komplett aus dem Ruder gelaufen.“ 

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