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Erinnerungen an die Hochzeit: Als erstes gleichgeschlechtliches Paar haben Franziska (li.) und Sandy Miethig vergangenes Jahr auf dem Geretsrieder Standesamt geheiratet. 

Erste gleichgeschlechtliche Ehe im Geretsrieder Standesamt

“Ihr seht gar nicht aus wie Lesben“

Eine Ehe ohne jegliche Klischees. Sandy und Franziska Miethig heirateten als erstes gleichgeschlechtliches Paar im Geretsrieder Standesamt. Einen Satz hören sie immer wieder.

Geretsried – Es gibt einen Satz, den Sandy und Franziska Miethig in den vergangenen Jahren schon oft gehört haben: „Ihr seht gar nicht aus wie Lesben.“ Doch das sind sie und dazu stehen sie auch: Die Arzthelferin Sandy und die Heilpädagogin Franziska haben als erstes homosexuelles Ehepaar in Geretsried standesamtlich geheiratet.

Möglich machte die Heirat das Ja des Deutschen Bundestags zur Ehe für alle. Viel verändert hat sich für das junge Paar dadurch nicht. „Ich habe sie davor als meine Frau vorgestellt, und das tue ich immer noch“, sagt Sandy Miethig. Der 32-Jährigen wäre nie in den Sinn gekommen, ihre Franziska als „eingetragene Lebenspartnerin“ zu bezeichnen.

„Ich war davor immer mit Männern zusammen.“

Seit über drei Jahren sind die beiden Geretsriederinnen ein Paar. Für Franziska (31) ist es die erste Beziehung zu einer Frau. „Ich war davor immer mit Männern zusammen.“ Hätte ihr jemand vorausgesagt, dass sie einmal eine Frau heiraten würde, „hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht“. Als sie sich in Sandy verliebt hat, sei es aber „nicht um das Geschlecht, sondern um die Person“ gegangen.

Sandy hatte schon mit 14 Jahren ihre erste Freundin. Sie outete sich vor ihren Eltern und stand öffentlich zu ihrer Sexualität: „Ich wurde von fremden Menschen gefragt, ob ich ,die Lesbe‘ bin.“ Ein Geheimnis hat sie daraus nie gemacht. Wie sie es gemerkt hat? Das sei nicht an einem Ereignis festzumachen. „Ein erstes Signal war aber der Film ,Romeo und Julia‘ für mich“, erinnert sich die Arzthelferin. Mit zwölf Jahren sah sie die Shakespeare-Verfilmung von Hollywood-Regisseur Baz Luhrmann. Während ihre Freundinnen im Nachgang von Leonardo di Caprio, dem Romeo, schwärmten, „fand ich Claire Danes viel interessanter – in der Nachbetrachtung vielleicht ein erstes Anzeichen“.

Klassische Rollenverteilung gibt es im Hause Miethig nicht

Seit ihrem Outing haben Sandy und Franziska Miethig „nie etwas Negatives“ erlebt, wie sie sagen. „Nur meine Oma meinte, das wäre vielleicht nur eine Phase, die vorübergeht“, erinnert sich Sandy Miethig lächelnd. Inzwischen sei die sexuelle Orientierung der Enkelin auch für die ältere Generation Normalität. Ab und an müssen sie freilich mit Vorurteilen aufräumen. „Viele Menschen meinen, wir würden gar nicht so aussehen“, sagt Franziska. Das Klischee der homosexuellen Frau – maskulin gebaut, kurzer Haarschnitt, burschikose Kleidung – erfüllt keine von beiden. Auf die Frage, „wer der Mann in der Beziehung ist“, antworten beide: niemand. Man oder besser frau ergänzt sich im Hause Miethig. Die eine ist handwerklich begabter, die andere kümmert sich mehr um den Haushalt. „Es gibt keine klassische Rollenverteilung“, sagt Sandy.

Aber „es gibt natürlich auch Menschen, die diese Klischees bedienen“, ergänzt Franziska. Die Geretsriederinnen selbst haben mit der „Szene“, wie sie es nennen, kaum etwas zu tun. Auch politisch sind beide nicht engagiert. Aber natürlich sei das wichtig für sie. „Ohne Menschen, die sich öffentlich für homosexuelle Rechte einsetzen, wären wir jetzt nicht verheiratet“, sagt Franziska und blickt ihrer Sandy tief in die Augen. Mit den zuweilen schrillen Paaren aus der Szene haben die beiden wenig gemeinsam. „Wir sind fast schon spießig“, erzählt Franziska lachend. „Wir haben viele Paare im Freundeskreis. Ich glaube, wir führen eine der normalsten Ehen.“

Patenkind fndet es selbstverständlich

Wer die Wohnung des Paares betritt, den fällt eine große Fotocollage mit Erinnerungen aus der gemeinsamen Zeit ins Auge. Im Wohnzimmer steht ein Regal, dass mit Bilderalben von der Hochzeit gefüllt ist, dazu ein große Foto der beiden Frauen – ganz in Weiß, Stirn an Stirn. Auf der Couch liegen zwei Kissen auf denen „Mrs“ steht. Es ist eine liebevolle Beziehung, beide ergänzen sich – so weit, so normal. Wäre da nicht das gängige Bild der männlich-weiblichen Partnerschaft.

Weil das Paar mit seinem Zusammenleben sehr offen umgeht, ist es für Bekannte völlige Normalität, dass die beiden jetzt auch verheiratet sind. „Mein Patenkind hat mich einmal gefragt, ob ich Sandy genauso lieb habe, wie meinen Ex-Freund“, sagt Franziska. Ein einfaches „Ja“ hat genügt, dass die Kleine die Beziehung als selbstverständlich betrachtet. „Da gibt es keine Vorbehalte oder Vorurteile“, freut sich das junge Paar. Sein Credo: „Wenn wir normal damit umgehen, tun das andere auch.“ Wichtig sei nur eins: „Man muss sich lieben und miteinander glücklich sein.“

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Dominik Stallein

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