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Mit Warnweste und Trittleiter: Robert Lug hatte die Gegendemo am Samstag maßgeblich organisiert. 

Im Gespräch mit Robert Lug

„Das war ein wichtiges Signal“

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Geretsried - Gut 1100 Menschen demonstrierten am Samstag am Neuen Platz gegen die Alternative für Deutschland (AfD). Diese hatte nach Angaben der Polizei nur 150 Anhänger mobilisiert. Angemeldet und organisiert hatte die Gegendemo Robert Lug (51). Zeit für ein Gespräch. 

Herr Lug, sind Sie mit dem Verlauf der Gegendemonstration am Samstag zufrieden?

Ich bin außerordentlich zufrieden, vor allem, weil bei der AfD so wenige und bei uns so viele Menschen waren.

Hatten Sie mit so vielen Teilnehmern gerechnet?

Ich hatte unsere Veranstaltung für 200 bis 300 Leute angemeldet. Zuletzt hatte ich mit 500 gerechnet. Dass es dann mehr als doppelt so viele waren, finde ich fantastisch. Die Menschen kamen nicht nur aus Geretsried, sondern auch von außerhalb. Es waren alle Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten vertreten.

Wie viele Helfer hatten Sie im Einsatz?

Wir hatten 25 Ordner und bestimmt noch einmal 20 bis 30 Leute, die sich um die Verpflegung, die Technik und anderes gekümmert haben. In der Vorbereitung hat sich eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt. Viele sind selbst aktiv geworden, zum Beispiel Andreas Wagner von der Friedensinitiative mit seiner Aktion „Geretsried ist bunt“.

Für Sie, Herr Lug, war es die erste Demo, die Sie organisiert haben. Hatten Sie Bammel davor?

Ja, aber nicht wegen der AfD. Mir ging es vor allem darum, dass alles friedlich abläuft. Es gab ja sehr viele Vorgaben zu erfüllen. Da darf man sich keinen Fehler erlauben.

Die AfD wirft Ihnen vor, dass unter den Gegendemonstranten auch linksextreme Gruppen waren – von der „roten Sturmabteilung“ ist die Rede – und dass Sie Störungen nicht verhindert haben.

Unter den rund 1100 Demonstranten waren etwa 20 schwarz gekleidete Männer aus der linken Szene. Nachdem mich die Polizei darauf hingewiesen hat, bin ich zu der Gruppe hingegangen und habe ihnen klar gesagt: Wenn sie friedlich bleiben, ist alles Ordnung. Andernfalls schmeiße ich sie raus. Außer dass ein Banner tiefer gehängt werden musste, ist dann auch nichts passiert. Von Störungen zu reden, ist völlig abwegig. Natürlich gab es Leute, die hatten Trillerpfeifen dabei. Aber die AfD hatte eine Lautsprecheranlage. Wo ist das Problem? Ich habe mich auf unserer Seite jedenfalls pudelwohl gefühlt. Wohler jedenfalls als auf der Seite der AfD, wo der Bund deutscher Patrioten stramm steht und die Hacken zusammenschlägt.

Planen Sie jetzt weitere Aktionen oder war die Demo gegen die AfD eine einmalige Sache?

Die Gegendemonstration war ein wichtiges Signal. Und wenn die AfD wiederkommt, werden wir da sein. Aber die politische Arbeit ist damit nicht getan. Die Wahlergebnisse am Sonntag haben gezeigt, dass die AfD eine Vielzahl von Nichtwählern rekrutiert. Wie in der Weimarer Republik wenden sich die Frustrierten den extremen Gruppen zu. Diesen Menschen müssen wir klar sagen: Ja, die Welt ist kompliziert geworden – das frustriert uns in der Politik manchmal noch viel mehr. Aber gegen diese Probleme helfen keine scheinbar einfachen Lösungen, wie sie die AfD anbietet. Außerdem müssen wir raus aus diesem Krisenmodus. Im ersten Halbjahr die Griechenland-Krise, im zweiten Halbjahr die Flüchtlingskrise. Das verunsichert die Menschen nur noch mehr. 

Das sagt die AfD

Der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Oberbayern Süd, Mario Buchner, ist rückblickend mit der Kundgebung seiner Partei auf dem Neuen Platz „zufrieden“. Nicht zuletzt, weil der Zuspruch in seinen Augen größer war, als behauptet. Buchner widerspricht der Schätzung der Polizei, die rund 150 AfD-Anhänger gezählt hatte. Mindestens 180 Sympathisanten hat Buchner auf dem Neuen Platz ausgemacht. Und: Viele Interessierte seien vor der Polizeiabsperrung stehen geblieben. Sie hätten sich nicht einer Leibesvisitation unterziehen wollen. Nach einer eigenen Auswertung von Luftbildern stellt der AfD-Kreisvorsitzende fest: Gegendemonstranten habe es „maximal 500“ gegeben. Laut Polizeiangaben waren es gut 1100. Dass sich die AfD-Redner in Geretsried von Mitgliedern der so genannten „Identitären Bewegung“ und des „Bündnis deutscher Patrioten“ bejubeln ließen, ist für Buchner kein Problem. Die „Identitäre Bewegung“ sei „nicht rechtsextrem“, so der Königsdorfer im Gespräch mit unserer Zeitung. Wer zu Straftaten aufrufe, den millionenfachen Judenmord in der Nazi-Diktatur leugne oder einem Personenkult fröne: „Solche Leute würde ich sofort rausschmeißen.“ Wer dagegen „ein deutscher Patriot“ und „stolz auf dieses Land“ sei, der sei in den Reihen der AfD „herzlich willkommen“.

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