(v. li.) Felix Leipold (Stadtrat der Freien Wähler), Jakob Arendt (Jugendrat), Sarah Wiegel (Jugendrätin) und Peter Curtius (Fraktionsvorsitzender der Grünen)
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Geretsried ist bunt: Aus Anlass der Pride Week haben (v. li.) Felix Leipold (Stadtrat der Freien Wähler), Jakob Arendt (Jugendrat), Sarah Wiegel (Jugendrätin) und Peter Curtius (Fraktionsvorsitzender der Grünen) Gehwege im Stadtgebiet mit den Regenbogenfarben verziert – hier vor dem Schulzentrum.

Aktion junger Stadträte

Im Zeichen des Regenbogens: Anlässlich der Pride Week werden in Geretsried Gehwege bunt bemalt

In Geretsried schillern die Gehwege anlässlich der Pride Week in Regenbogenfarben. Zwei junge Stadträte hatten den Antrag gestellt.

Geretsried – Die Stadt Geretsried ist bunt: Das haben die Bürger mit Aktionen gegen Ausländerhass bereits mehrfach bewiesen. Jetzt setzt die größte Stadt im Landkreis ein Zeichen gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung von Homosexuellen. Auf Antrag der beiden jungen Stadträte Felix Leipold (Freie Wähler) und Peter Curtius (Grüne) beteiligt sich Geretsried heuer erstmals aktiv an der sogenannten Pride Week vom 3. bis 11. Juli. Diese Woche steht weltweit für Toleranz gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen. Sie findet rund um den Christopher Street Day am 28. Juni statt – in coronafreien Zeiten mit Straßenumzügen in den Großstädten.

Im Vorfeld gab es im Stadtrat Dissonanzen wegen der geplanten Aktionen (wir berichteten). Einige Stadträte entzogen sich einer Abstimmung durch Verlassen des Sitzungssaals, andere bekannten sich offen gegen den Antrag, unter ihnen Dr. Detlev Ringer von den Grünen. „Der Streit ist in der Fraktion und im Ortsverband abgehakt. Wir wollen da nicht mehr nachtarocken“, sagte Fraktionssprecher Peter Curtius am Sonntagvormittag, als er mit Felix Leipold, den Jugendräten Isabella Schrills und Jakob Arendt sowie Sarah Wiegel mit Sprühkreide loszog, um Regenbogen als Symbole sexueller Vielfalt auf ausgewählte Gehwege zu malen. Die Stadt hat die Farben gesponsert, die Polizei ihr Okay gegeben. Nur auf dem Karl-Lederer-Platz mit seinem neuen Straßenbelag wollte man laut Leipold das abwaschbare Kreidespray nicht so gern haben. Im Zentrum weist dafür eine Regenbogenfahne am Rathaus auf die Pride Week hin. Auch Wolfratshausen hat eine Fahne am Rathaus gehisst.

Die Malaktion ging relativ geräuschlos über die Bühne. Nur am Schulzentrum, wo die Jugendlichen Streifen in Rot, Gelb, Blau, Grün und Lila auf beiden Seiten der Fußgängerampel anbrachten, fragte eine ältere Passantin, wer denn am Abend spiele. Peter Curtius klärte die Dame auf, dass die Farben nicht für eine Fußballmannschaft stünden. Die Karl-Lederer-Grundschule und die Mittelschule haben die Initiatoren deshalb ausgewählt, weil die Schulleiter ihnen zugesagt haben, dass das Thema Homosexualität diese Woche im Unterricht aufgegriffen werde. Unter der Überschrift „Verschiedene Familienarten“ will man an der Grundschule schon die Jüngsten dafür sensibilisieren. Auch der Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit mit dem Jugendzentrum Saftladen gegenüber dem Schulzentrum macht auf die Pride Week aufmerksam. In den sozialen Netzwerken sollen Kinder und Jugendliche ihre auf öffentliche Wege und Privatgrundstücke gemalten Regenbögen unter #Saftladen posten.

Für Felix Leipold ist die diesjährige Aktion ein kleiner Beitrag – und nach seinem Wunsch ein Anfang für weitere größere. „Ich habe im Münchner Glockenbachviertel gearbeitet. Da gibt es zig Communitys für Schwule und Lesben, eigene Bars und Kneipen für die Szene. Davon sind wir hier noch weit entfernt“, erzählt der 22-jährige Jugendreferent des Geretsrieder Stadtrats.

Peter Curtius sagt, er kenne einige gleichgeschlechtliche Paare in München. „Dort geht man viel lockerer mit der Thematik um als auf dem Land. Aber für uns Jüngere ist Homosexualität eigentlich eine Selbstverständlichkeit – auch in Geretsried.“ Die beiden Stadträte haben in den sozialen Medien (so auf den Facebook-Seiten „Du bist aus Geretsried, wenn...“ sowie der Seite der Stadt) viel positive Resonanz auf ihre Aktion erfahren.

Die meisten Kommentatoren zollen den jungen Frauen und Männern Respekt für ihr Engagement und ermuntern sie, so wie bisher weiterzumachen.

tal

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