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„Summ, summ, Bienchen summ herum“: Gespannt verfolgen die Kursteilnehmer das Gewusel am Bienenstock. 

Rekordteilnahme

„Bienenzucht liegt voll im Trend“

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Der Geretsrieder Imkerverein verzeichnet Rekordteilnahme bei seinem Einsteigerkurs. Der gute Honig ist nur ein Grund dafür.

Geretsried– Ein tiefes Brummen erfüllt die Luft. Immer mehr Bienen nutzen die wärmende Mittagssonne, um ihren Stock zu verlassen und sich auf Nahrungssuche zu begeben. Mit dicken, gelben und orangen Pollenpäckchen an den Beinen kehren sie zurück. Doch plötzlich, für ungeübte Ohren kaum wahrnehmbar, ändert sich die Tonlage ihres Summens. „Jetzt sollten wir hier verschwinden“, sagt Frank Meinert ebenso ruhig wie bestimmt.

Die rund 40 Teilnehmer des Wochenendkurses „Bienenzucht für Neueinsteiger“, die eben noch das turbulente Treiben an den Fluglöchern bestaunt und sich von den Bienen bekrabbeln haben lassen, reagieren schnell, aber ohne Hektik: Innerhalb weniger Sekunden ist der Platz um die beiden Lehrbienenstöcke wieder frei. „Bienen stechen nur, wenn sie schlecht gelaunt sind oder Hunger haben“, erklärt der Vorsitzende des Imkervereins Geretsried. Man müsse deshalb genau auf ihre Stimmung achten. Die sei gerade gekippt – vermutlich, weil sich das Volk durch die vielen neugierigen Menschen in ihrer Einflugschneise gestört fühlte.

Neu-Imker kommen aus München, Herrsching und Sauerlach

Wie man mit Bienen umgeht, wann man sie besser in Ruhe lässt und wann man einen Schutzanzug tragen sollte – all das gehört zum Kursprogramm der alljährlich stattfindenden Anfängerschulung am Lehrbienenstand in Gelting. Dass das Interesse dafür plötzlich so groß ist, überrascht die Kursorganisatoren. „Fast 60 Personen haben sich angemeldet“, sagt Schriftführer Günther Schwartz: „Leider konnten wir nur 44 Plätze anbieten.“

Bis aus München, Herrsching und Sauerlach sind die potenziellen Neu-Imker angereist. Vergangenes Jahr gab es nur gut halb so viele Anmeldungen; früher seien es manchmal bloß acht Teilnehmer gewesen. „Die Bienenzucht liegt voll im Trend“, freut sich der 81-jährige Schwartz. Das spürt nicht nur der Geretsrieder Imkerverein bei seinen Fortbildungen, die aus allen Nähten platzen, und an den steigenden Mitgliederzahlen. Deutschlandweit kletterte die Zahl der Bienenhalter nach Angaben des Deutschen Imkerbunds in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Drittel auf aktuell rund 120 000. Was Schwartz, der selbst schon seit 67 Jahren imkert, besonders toll findet: „Früher war das eine Männerdomäne. Jetzt sind mehr als die Hälfte der Kursteilnehmer Frauen. Und der Altersdurchschnitt sinkt massiv.“

Bessere Ernte dank Bienen

Mit elf Jahren ist Dominik Karner aus Gelting an diesem Wochenende der Jüngste. „Ich finde Insekten generell spannend. Ich hab’ daheim auch eine Ameisenfarm“, erzählt er. Seine Mutter Susanne ist ebenfalls beim Kurs dabei. Sie interessiert sich aus Naturschutzgründen für die Imkerei, sagt sie. Diesen Beweggrund teilt sie mit vielen anderen. Außerdem hofft Karner, durch eigene Bienenvölker den Obst- und Gemüseertrag in ihrem Garten zu verbessern. Ein ganz wesentlicher Aspekt, wie Meinert bestätigt: „Volkswirtschaftlich ist die Bestäubungsleistung 15- bis 20-mal wichtiger als die Erträge durch Honig.“ Das wisse mittlerweile auch die Landwirtschaft zu schätzen: Die meisten Bauern seien froh, wenn jemand auf ihrem Grund Bienenstöcke aufstellen möchte.

Dominik und seine Mutter freuen sich aber auch auf die Ernte: „Der eigene Honig schmeckt einfach besser“, da sind sie sich einig. Die rund zwei Gläser Honig, die der Durchschnittsdeutsche pro Jahr verzehrt, macht ihre fünfköpfige Familie in etwas mehr als einer Woche leer, schätzt Susanne Karner. Sie plant deshalb noch in diesem Frühjahr zwei Bienenvölker anzuschaffen: „Theoretisch bringt ein Stock pro Jahr 25 Kilo“, hat sie gelernt. Allerdings sei es gar nicht so einfach, an ein neues Volk heranzukommen. „Das geht fast nur über Beziehungen.“ Auch die hofft sie hier im Imkerverein zu knüpfen.

Varroa-Milbe großes Problem

Der Grund, weshalb vor allem jetzt im Frühling nur wenige Bienenvölker verkauft werden, ist das Bienensterben, erklärt Meinert. Die Varroa-Milbe schwächt die Tiere und überträgt Viruserkrankungen. „Dazu kommt die einseitige Ernährung, weil sie in unserer verarmten Agrarlandschaft nur noch Raps und Löwenzahn finden“, erläutert der Vereinsvorsitzende. Manchmal überlebt bis zur Hälfte der Völker den Winter nicht. Die zukünftigen Imker lernen im Kurs daher nicht nur, wie man die Bienen übers Jahr pflegt und vermehrt, sondern auch, wie man die Varroa-Milbe effektiv und bienenschonend bekämpft.

Nach den theoretischen Grundlagen geht es in die Praxis: „Bienenstock öffnen und am Volk arbeiten“ heißt der Programmpunkt, auf den sich Dominik und die anderen Kursteilnehmer am meisten freuen. Denn das macht den Reiz des Imkerns aus, weiß Meinert: die Bienen hautnah zu erleben, ihr geschäftiges Treiben zu beobachten und ihrem Summen zu lauschen. „Das tut einfach gut und ist der ideale Ausgleich zum stressigen Alltag.“

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