Dieter Czora (64) und Edmund Schmitz (60) sitzen am Wasserlauf auf dem Karl-Lederer-Platz
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Sitzen gerne in der „Neuen Mitte“: Dieter Czora (64) und Edmund Schmitz (60).

Karl-Lederer-Platz fast fertig

In der „Neuen Mitte“ kehrt Leben ein: Was Geretsrieder von ihrem neuen Zentrum halten

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Das Wasser fließt, Menschen gehen und radeln umher: Am Karl-Lederer-Platz ist wieder Leben eingekehrt. Nach über drei Jahren Bauzeit ist er (fast) fertig. Mittagspause in der „Neuen Mitte“.

  • Über drei Jahre lang wurde am Karl-Lederer-Platz gebaut
  • Bis auf letzte Details ist er fertig
  • Brunnen und Sitzgelegenheiten werden bereits gut angenommen

Geretsried – Eigentlich sollte sich der Karl-Lederer-Platz Ende vergangenen Jahres zum Christkindlmarkt von seiner besten Seite zeigen. Doch die Bauarbeiter mussten noch bleiben. Mit einem Fest zum Doppeljubiläum, 70 Jahre Gemeinde und 50 Jahre Stadt, im Sommer konnte das modernisierte Zentrum wieder nicht eröffnet werden – Corona. Es bleibt mehr Zeit für die letzten Handgriffe.

An diesem Tag im Herbst ist nun beinahe alles an Ort und Stelle. Die drei Wasserträgerinnen von Bildhauer Prof. Wilhelm Srb-Schloßbauer wachen über jeden, der durch die Rathaustür geht. Vor den Läden färben die Bäume ihre Blätter gelb und rot. Unter ihnen hat der Zufall Stühle kreuz und quer hingewürfelt.

Entspannt sitzen am Wasserfilm

Auf zwei von ihnen unterhalten sich Dieter Czora (64) und Edmund Schmitz (60). Nach der Physiotherapie haben sie wie jede Woche einen Kaffee getrunken. „Dann machen wir dort Platz und sitzen hier“, sagt Czora und lehnt sich zurück. Anfangs hätten ihnen Bänke gefehlt, aber mit den Stühlen sei es auch gut. „Der neue Karl-Lederer-Platz ist in Ordnung, nur eine Uhr wäre gut“, meint der 64-Jährige mit Blick auf den Aufzug zur Tiefgarage, für dessen Verkleidung Architekt Klaus Kehrbaum eine Mediensäule vorgeschlagen, der Stadtrat diese aber aus Kostengründen knapp abgelehnt hatte. „Es muss nichts Teures sein, einfach eine ganz normale Uhr“, ergänzt Schmitz.

Am anderen Ende des Wasserfilms, wo einmal die Skulptur „Dialog“ von Ernst Grünwald stehen soll, genießt Nafsika Mouratidou, ebenfalls auf einem der verrückbaren Stühle, ein Stück Kuchen und die Sonne. Ihre Füße liegen auf dem Wackelstein, der dafür sorgt, dass vor ihr hin und wieder ein Wasserstrahl pfeilgerade emporschießt. „Ich kann rausgehen und abschalten“, sagt die 68-jährige Anwohnerin und wirkt tiefenentspannt. Ihr Glück wäre perfekt, wenn das Wasser über Steine plätschern und es ein paar Blumen geben würde. „Sonst ist es ein schöner Platz.“

Mit dem Floß nichts los: Zum Spielen ist Benjamin (5) der Brunnen nicht tief genug.

Für den fünfjährigen Benjamin könnt’s ebenfalls ein bisschen mehr Wasser sein. Er versucht sein selbstgebautes Floß darauf treiben zu lassen, doch es bleibt am Boden liegen. „Schade“, sagt seine Oma Monika Fehr (70), die ansonsten aber zufrieden mit dem Ergebnis der Umgestaltung ist. „Der Platz ist so offen und frei.“

Nicht allen gefällt der umgestaltete Karl-Lederer-Platz

Ob die gute Stube gefällt oder nicht, ist Geschmackssache – und das Gesprächsthema auf dem Karl-Lederer-Platz. So auch bei Gertrud Fuchs (79) und Franz Staschat (72), die vom dezent angedeuteten Fahrbahnrand auf die PulsG- und Centrum 20-Gebäude schauen. Davor beginnen die Fontänen gerade mit ihrer Choreografie. Eine Schülerin radelt einen Schlenker über den Brunnen und ruft in Richtung ihrer Freundinnen: „Wetten, wenn ich durchfahre, kommt was raus?“ Das Mädchen hat Glück. Es bleibt trocken.

Schön oder nicht? Gertrud Fuchs (79) und Franz Staschat (72) sind sich nicht einig.

Das Geretsrieder Paar ist sich in puncto Platzgestaltung nicht einig. „Das ist ein Witz. Den Springbrunnen sieht man gar nicht“, kritisiert Staschat. Das Rathaus passe auch nicht dazu. Seine Lebensgefährtin findet es gut, dass die Stadt mit der Zeit geht. „Ich bin hier aufgewachsen und liebe Geretsried“, sagt die 79-Jährige. An der Sudetenstraße fehle so ein Platz.

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An den Fontänen können Kinder spielen

Wasser jagen: Ein großer Spaß für Antonia (3).

Während Fuchs und Staschat weiter zum Hörgeräteakustiker schlendern, wartet Susanne Ott mit ihrer dreieinhalbjährigen Enkelin Antonia vor der Bäckerei. Zu ihren Füßen sind dunkle Fahrer, die Autos auf dem hellgrauen Bitumen-Bodenbelag hinterlassen haben müssen. „Das ist nicht schön“, sagt die 57-Jährige. Sie habe den Platz mit seinem Bachlauf vorher schöner gefunden. „Es ist so wenig Grün, und das Rathaus geht total unter.“ Während Ott ihre Meinung etwas zerknirscht äußert, springt Enkelin Antonia in Gummistiefeln durch die vor sich hin spritzenden Fontänen. „Das Wasser ist natürlich toll“, fügt ihre Oma an.

In puncto Barrierefreiheit hat Milovan Blazevic (40) nichts zu beanstanden.

Die Düsen sind ebenerdig eingelassen – wie alles am Karl-Lederer-Platz. Milovan Blazevic (40), mit dem Rollstuhl auf dem Weg zum Supermarkt, hat in puncto Barrierefreiheit nichts zu meckern. Rebecca Kunze (30) aus Deining, die ihren Kinderwagen aus dem Aufzug bequem zu ihrem Termin schieben kann, sagt: „Sehr praktisch.“ Und Lilian (2) kann ihre Mamam Sophia Eigwulu (30) gut gelaunt auf dem Tretroller begleiten.

Zum südlichen Flair fehlen Waldmanns Café-Lounge nur ein paar Palmen.

Für die Geschäftsleute am Karl-Lederer-Platz war die Bauzeit, die vor dreieinhalb Jahren mit dem Abriss der südlichen Häuserzeile begann, nicht leicht. Sie sind nun aus dem Gröbsten raus, die Zentrumsgestaltung geht mit dem Neubau von Baugenossenschaft und Sparkasse an der Egerlandstraße weiter. Die Café-Lounge von Jutta Waldmann hatte wegen der Arbeiten und Corona zwischenzeitig geschlossen. Nun gibt es wieder Cappuccino und Weißbier, beides schlürfen die Gäste draußen zwischen Lokal und Bachlauf wie auf einer Piazza unter weißen Schirmen. Waldmann gefällt es tagsüber wie abends super. „Wir vermissen nur, dass wir keine Grünpflanzen rausstellen dürfen, das wurde uns nicht genehmigt“, sagt die Café-Betreiberin. Das sei auch der einzige Punkt, den ihre Gäste ansprechen. „Dass sie sich wohlfühlen, ist ja am wichtigsten“, betont Waldmann. Und bis auf ein paar offene Wünsche scheint dies auf dem neuen Karl-Lederer-Platz der Fall zu sein.

sw

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