Das historische Gebäude
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Wurde im Jahr 2000 abgerissen: Der ehemalige Bunker, der das Gasthaus „Zum Toni“ beherbergte.

Historische Wirtshäuser

In einem alten Bunker öffnete ein Traditionsgasthaus - es hatte einen gruseligen Beinamen

  • Doris Schmid
    VonDoris Schmid
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Vor über 20 Jahren gingen in dem Wirtshaus die Lichter aus. Davor war „Zum Toni“ eine beliebte Anlaufstelle. Die Geretsrieder hatten aber einen anderen Namen für das Lokal.

Geretsried – Er stammte aus Graslitz im Egerland und eröffnete 1952 an der Böhmerwaldstraße in Geretsried ein Lokal: Metzgermeister Anton Gössl. Und weil an die Wirtschaft eine Metzgerei angegliedert war, bekam das Gasthaus im Volksmund bald darauf einen ziemlich schaurigen Beinamen.

Eigentlich hieß das Lokal „Zur neuen Heimat“. Eigentlich...

Gössl kam im Jahr 1947 nach Geretsried. Sein Lokal nannte er passenderweise „Zur neuen Heimat“, und für viele Vertriebene und zahlreiche Vereine wurde es tatsächlich zu einem beliebten Treffpunkt. Einige Male tagten dort sogar die Gemeinderäte. Kurz nach der Eröffnung wurde die Wirtschaft auf den Namen „Zum Toni“ umgetauft. Und wegen der angeschlossenen Metzgerei nannten die Geretsrieder die Gaststätte bald auch „Zur blutigen Hack“.

Das Lokal war bis weit in die 1970er eine beliebte Anlaufstelle

Bis in die 1970er-Jahre war das Lokal eine Anlaufstelle der Egerländer, und es war – nachdem die Gartenberger Gasthäuser Böhm und Korb geschlossen hatten – auch immer gut besucht. Nach der Aufstockung des Bunkers im Jahr 1970 nutzte vor allem der Geretsrieder Fanclub des Fußballvereins TSV 1860 München die Wirtschaft für seine Zusammenkünfte. Die Geretsrieder Eishockeymannschaft kehrte dort öfters auf einen Sauerbraten ein.

Die Metzgerei brachte dem Lokal einen schaurigen Spitznamen ein

1978 gab Gössl – nachdem er das Lokal bereits einmal verpachtet hatte – erst die Metzgerei, später auch die Gastwirtschaft auf. Daraufhin wechselten die Pächter, bis zuletzt Leo Gyepes das Lokal übernahm. 1999 gingen in dem Wirtshaus endgültig die Lichter aus.

Die Nichte Gössls, seine Erbin, verkaufte das Grundstück. Im August des Jahres 2000 wurde die ehemalige Gaststätte abgerissen. An ihrer Stelle stehen heute acht Reihenhäuser.

In unserer Serie „Historische Wirtshäuser“ stellen wir in loser Reihenfolge ehemalige Gaststätten in Geretsried vor.

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