Künstlerin Eva-Maria Wawatschek.
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Braucht die Ordnung im Kleinen: Eva-Maria Wawatschek.

Eva-Maria Wawatschek - Die ordentliche Künstlerin

In ihrem Atelier haben die kleinen Dinge große Bedeutung

  • Andrea Weber
    VonAndrea Weber
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Im Frühjahr hat Eva-Maria Wawatschek ihr neues Atelier im Geltinger Industriegebiet bezogen. Es ist quadratisch, praktisch, gut.

.Gelting – Eva-Maria Wawatschek ist ordentlich und aufgeräumt. Ihre kleinen Kunstwerke werden oft verpackt, etikettiert und beschriftet. Ihr seit Frühjahr neu bezogenes Atelier in einem Rückgebäude im Geltinger Industriegebiet ist auf ein paar wenige Meter quadratisch, praktisch, gut. Ein Tisch, ein Stuhl und überall kleine Schublädchen, in denen sie Material für ihre collagenartigen Arbeiten aufbewahrt.

„Ich brauche die Ordnung im Kleinen“, sagt die akribisch arbeitende Kunsterzieherin. Eva-Maria Wawatschek produziert Arbeiten, die Titel tragen wie „Kunstautomaten“, „Hungerkalender“, „Speise-Insekten mit Beipackzetteln“ und „gefaltete Zebras in Leporelloformate“. So ungewöhnlich und augenscheinlich niedlich diese künstlerischen Kleinode sind, haben sie doch stets tiefgründige Aussagen. Sie vereinen Humor mit Konfrontation. In den Fokus stellt Wawatschek Themen wie Veränderung, Perfektion, den Mensch, die Tiere und die Umwelt.

Es war ein glücklicher Zufall, dass die gebürtige Rosenheimerin nach ihrem Studium – Freie Bildhauerei und Lehramt Kunsterziehung an der Nürnberger Kunstakademie – ein Angebot des Schulzentrums St. Matthias in Waldram bekam. Sie arbeitet als Kunstlehrerin in Teilzeit. Seit 2016 lebt die heute 34-Jährige in Wolfratshausen und beschäftigt sich neben der Schultätigkeit mit Museumspädagogik und ihrer freien künstlerischen Arbeit.

Eva-Maria Wawatscheks minimalistische Bleistiftgrafiken, Radierungen, Tuschemalereien und „Nähbilder“ – das sind Zeichnungen mit kolorierten Details und von Hand genähten Linien aus Fäden – haben eine klare Botschaft in illustrativer und plakativer Darstellung. So interpretiert sie das Arbeits- und Kontaktverbot von Künstlern in einer Corona-Edition. Dazu gehört zum Beispiel ein Notgeldschein für Künstler. Mona Lisas Antlitz ist hinter einer Maske versteckt. „Schließlich hatte auch sie Kontaktverbot im geschlossenen Louvre“, interpretiert die Künstlerin.

Das Schlaflied der Oberammergauer Musikgruppe Kofelgschroa inspirierte Wawatschek zu ihrer „Schlafedition“. Es ist ein kleines Büchlein mit illustrierten Schlafpositionen im Bett, im Büro, auf Blumen und im Sarg („Wem die Lebzeiten für den Schlaf zu kurz sind, der holt ihn nach im Grab“). Und mit dem „Hungerkalender“ hat sich Eva-Maria Wawatschek wortspielerisch und bildsprachlich mit dem menschlichen Bedürfnis auseinandergesetzt, „das den einen regelmäßig plagt und den anderen oftmals vergeht“. So zart in Farbe und Ausdruck die Künstlerin auch sein mag – in ihrem Atelier in Gelting haben die kleinen Dinge große Bedeutung.

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