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Indira Haunschild ist die neue Leiterin des Jugendtreffs Einstein

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„Die Kids testen natürlich erst mal aus, wie ich so drauf bin. Aber inzwischen fühle ich mich angenommen“: Indira Haunschild, neue Leiterin des Jugendtreffs Ein-Stein mit Rudi Mühlhans, Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit Geretsried. Vor Corona waren es täglich bis zu 60 Besucher Team versucht die Jugendlichen aufzufangen
„Die Kids testen natürlich erst mal aus, wie ich so drauf bin. Aber inzwischen fühle ich mich angenommen“: Indira Haunschild, neue Leiterin des Jugendtreffs Ein-Stein mit Rudi Mühlhans, Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit Geretsried. Vor Corona waren es täglich bis zu 60 Besucher Team versucht die Jugendlichen aufzufangen © Sabine Hermsdorf-Hiss

In Zeiten einer Pandemie einen Jugendtreff als Leiterin zu übernehmen, ist keine leichte Aufgabe. Indira Haunschild nimmt die Herausforderung an.

Geretsried – Rudi Mühlhans hat mit einiger Beharrlichkeit um sie werben müssen. Der Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit (TVJA) lernte Indira Haunschild in deren beider Heimatgemeinde Benediktbeuern kennen, wo die Studentin der Sozialen Arbeit in einer Bäckerei jobbte. „Dort kamen wir ins Gespräch. Indiras offene und engagierte Art gefiel mir sofort“, erinnert er sich. Eigentlich strebte die 26-Jährige direkt nach dem Studium an der Fachhochschule nicht gleich eine Führungsposition an. Doch nach einem gemeinsamen Spaziergang und weiteren Gesprächen nahm sie das Angebot an, den offenen Jugendtreff Ein-Stein zu leiten.

Seit Oktober ist Indira Haunschild Nachfolgerin von Lilly Schöffmann, die zur gemeinnützigen GmbH „Dorfleben Walchensee“ gewechselt hat. Gleich zu Beginn wurde die 26-Jährige „ins kalte Wasser geworfen“, so Mühlhans. Sie hatte mit ihrem Team das Stadtteilfest zu organisieren, das am nachgeholten Tag der Städtebauförderung gefeiert wurde.

Haunschild, gebürtige Murnauerin und seit Kurzem verheiratet, hat während des Studiums bereits praktische Erfahrungen in der Sozialarbeit mit Jugendlichen in einem Heim in Bad Tölz gesammelt. Dort betreute sie Mädchen und Buben aus schwierigen familiären Verhältnissen, die stationär untergebracht waren. Im Ein-Stein ist sie zusammen mit drei weiteren Mitarbeitenden für die Besucher zwischen acht und 27 Jahren verantwortlich.

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Aktuell liege der Fokus auf den Zehn- bis Fünfzehnjährigen, sagt Haunschild. Die Themen in dieser Gruppe reichten von der Frage, auf welche weiterführende Schule es nach der Grundschule gehen soll, über Pubertät und erste Liebe bis zur Berufswahl. Familie und Freunde spielten ebenso eine große Rolle.

Seit knapp zwei Jahren wird das alles freilich überschattet von Corona. Kamen vor Ausbruch der Pandemie zwischen 50 und 60 Besucher täglich ins Ein-Stein, so sind es jetzt laut Mühlhans nur noch etwa 20. Wer nicht geimpft oder genesen ist, darf sich nur im Freien aufhalten, selbst mit negativem Corona-Test. Das Ein-Stein-Team ist darauf eingerichtet. Jeweils ein Mitarbeiter bietet draußen ein Programm an, ein anderer drinnen. „Wir haben eine Feuerschale aufgestellt, an der man sich wärmen oder auch mal Stockbrot braten kann“, berichtet Haunschild. Die Jugendlichen müssten zum Beheizen selber Holz hacken. Die Axt hätten sie zuvor in Eigenregie repariert. Das habe den positiven Effekt, dass sie ihr Tun unmittelbar als sinnvoll erlebten. Die Gemeinschaft und das Empfinden von Selbstwirksamkeit würden dadurch gefördert.

In den Ein-Stein-Räumen wird gekocht, gebacken, getanzt, gebastelt, gechillt. Durch das Zusatzangebot im Freien solle den Jugendlichen das Gefühl vermittelt werden: „Ich darf so kommen, wie ich bin“, erklärt Haunschild – ob geimpft oder nicht geimpft. Die ganze Diskussion und die ständig wechselnden Vorschriften verunsicherten die jungen Menschen zutiefst, ergänzt Mühlhans. Einige steckten sich bewusst mit Corona an, um als Genesene mehr Zutritte zu erlangen. Andere, unter 18-Jährige, ließen sich heimlich immunisieren und hätten dann Probleme zuhause, wo die Eltern dagegen seien. Manche Muslime zum Beispiel stünden der Impfung aufgrund religiöser Aspekte kritisch gegenüber. Mühlhans spricht von einem sehr schwierigen Spannungsfeld. Denn gerade junge Menschen müssten sich von zuhause abnabeln, ihren eigenen Weg finden. Die Pandemie erschwere diesen Prozess. Die Folgen werde man in der Jugendarbeit noch lange spüren.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den beiden Jugendzentren Saftladen und Ein-Stein sowie in der mobilen Jugendarbeit versuchten dennoch, die jungen Menschen in Geretsried so gut wie möglich aufzufangen. Haunschild will den Jahreswechsel nutzen, um gemeinsam mit den Ein-Stein-Besuchern „positiv nach vorne zu blicken“, wie sie sagt. Das Motto 2022 laute „Stadt der Zukunft – Ich bewege was“. Ihr persönlich seien Erlebnisse in der Natur wichtig. So seien Ausflüge in die nähere Umgebung oder auch einmal an den Kochelsee oder Sylvensteinsee geplant.

Das Kochen und Backen mit den Besuchern, das in der Vergangenheit gut ankam, will die neue Leiterin beibehalten. In dem Zusammenhang habe sie eine ihrer ersten, positiven Überraschungen erlebt, erinnert sie sich: „Zwei etwa 14-Jährige saßen auf der Couch und waren in ihre Handys vertieft. Eher spaßeshalber fragte ich, ob sie Lust hätten, mit mir Plätzchen zu backen. Und siehe da: Sie machten begeistert mit und erzählten mir nebenbei total viele persönliche Dinge.“

Durch Zuhören, gemeinsame Aktionen und Spiele möchte die neue Leiterin nach und nach das Vertrauen der Jugendtreff-Besucher gewinnen. In den vergangenen drei Monaten ist ihr das schon recht gut gelungen: „Die Kids testen natürlich erst mal aus, wie ich so drauf bin. Aber inzwischen fühle ich mich angenommen.“ Sie sei authentisch und mit Herzblut bei der Sache, sagt die Sozialarbeiterin über sich. Das merkten die Mädchen und Buben. Im Ein-Stein gab es bisher übrigens schon sieben Leiterinnen und Leiter, die frisch von der Hochschule kamen. „Sie alle meisterten ihre Aufgabe hervorragend“, sagt Mühlhans im Rückblick.

tal

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