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36 Jahre alt ist dieses Plakat: Damals begann Ingeborg Heinrichsen (re.) Choreografien zu entwerfen. Ihr „Tanzschatz“ wird nun von Carmen E. Kühnl veröffentlicht.

„Traurig stimmt mich, dass es an Nachwuchs mangelt“

Ingeborg Heinrichsen sucht auf Youtube tanzenden Nachwuchs

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Volkstänze sind kein Phänomen der Moderne. Die Geretsriederin Ingeborg Heinrichsen setzt sich aber dafür ein, dass sie auch heute noch aktiv getanzt werden. Jetzt hat sie eine neue  Art der Verbreitung für ihren „Tanzschatz“ ausgemacht.

Geretsried/München – Es war der 7. November 1982. Ein Tag, der das Leben von Ingeborg Heinrichsen entscheidend beeinflussen sollte. „Dirndl, tanz’ mit mir“ lautete der Titel einer Veranstaltung mit Musik aus der Biedermeierzeit im Festsaal des Klosters Benediktbeuern. Heinrichsen hatte den Auftrag, zur Musik des Ensembles „Musica Classica Popularis“ aus Tegernsee mit ihrem Tanzkreis passende Tanzformen zu präsentieren. „Das war für mich der Auslöser für eigene Choreografien“, sagt die Geretsriederin heute.

36 Jahre sind seitdem vergangen. Das Veranstaltungsplakat, das Heinrichsen all die Jahre aufgehoben hat, ist längst vergilbt. Inzwischen hat sie 43 Choreografien entworfen, die sie in einer eigenen Symbolsprache zu Tanzfolge, Schritten und Drehungen beschreibt. Der Münchner Verein für Volkslied und Volksmusik, dem Heinrichsen seit vielen Jahren angehört, wird diese nun in einem trimedialen Werk aus Text, Ton und Film herausgeben.

Ingeborg Heinrichsen ist in Guben in der Niederlausitz geboren. Ihre Mutter stammte aus Nizza und war eine Violinistin. Ihr Vater war ein gebürtiger Berliner. Zuhause sprach man Französisch. Nach Flucht und Vertreibung kam Ingeborg Heinrichsen im Sommer 1945 als Neunjährige nach Münsing. Nach dem Abitur ließ sie sich an der Lehrerbildungsanstalt in Pasing als Volksschullehrerin ausbilden. Ein Studienfreund nahm sie mit auf die Wastl-Fanderl-Singwoche ins Sarntal. Dort lernte sie den Tanzmeister Georg von Kaufmann kennen. Durch ihn kam die Leidenschaft für den Volkstanz. Die Lehrerin brachte zunächst ihren Schülern Volkstänze bei. 1970 übernahm sie den „Münchner Tanzkreis Thomas Morus“, den sie bis heute leitet. Heinrichsen lebt heute in Geretsried. Zuhause beschäftigt sie sich mit alten und neuen Tänzen. Sie forscht, recherchiert und dokumentiert. Eine riesige Sammlung ist entstanden, darunter ihre 43 eigenen Choreografien unter anderem auf Melodien von Herzog Max von Bayern und Franz Graf von Pocci. Und das Dirndl tanzt immer noch – unermüdlich leitet Heinrichsen bis heute Volkstänzer in ihren Tanzkreisen an. „Traurig stimmt mich, dass es an Nachwuchs mangelt“, sagt sie. Heinrichsen hat zahlreiche Preise erhalten, unter anderem 2004 die Isar-Loisach-Medaille des Landkreises und 2015 den Kulturpreis der Stadt Geretsried.

Info

In Geretsried findet alljährlich im Frühjahr und im Herbst unter Regie von Ingeborg Heinrichsen ein Volkstanzseminar statt. Nächster Termin ist Samstag, 17. März, von 14 bis 21.30 Uhr in den Ratsstuben. Ganzjährige Volkstanzabende gibt es immer dienstags und donnerstags ab 20 Uhr. Infos per E-Mail an ingeborg.heinrichsen@gmx.de.

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