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Die Karl-Lederer-Grundschule ist jetzt Inklusionsschule.

Drei Schulen im Landkreis tragen den Titel

Inklusionsschule: Das verspricht sich die Karl-Lederer-Grundschule davon

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Die Karl-Lederer-Grundschule ist jetzt Inklusionsschule. Sie hat aber trotzdem noch viel zu tun.

Mit Brief und Siegel: Die Karl-Lederer-Grundschule ist jetzt offiziell „Inklusionsschule“, Rektorin Brigitte Leick hatte auf den Titel hingea rbeitet. 

Geretsried – „Bei uns haben Sie den Käfer, da den Porsche.“ Das sagt Brigitte Leick gerne, wenn Eltern von Kindern mit Förderbedarf bei ihr im Beratungsgespräch sitzen. Mit „Porsche“ meint die Rektorin der Karl-Lederer-Grundschule das Sonderpädagogische Förderzentrum (Franz-Marc-Schule) ein paar Meter weiter, mit „Käfer“ ihre eigene Schule. Seit diesem Schuljahr ist die Karl-Lederer-Grundschule offiziell Inklusionsschule; die entsprechende Urkunde wurde kürzlich im Kultusministerium überreicht. An Brigitte Leicks Metapher ändert das aber nichts.

Neben der Münsinger Grundschule und der Geretsrieder Mittelschule ist die Karl-Lederer-Grundschule die dritte Bildungseinrichtung im Landkreis, die sich Inklusionsschule nennen darf. Ihr stehen dadurch mehr Unterrichtsstunden zur Verfügung, um verhaltensauffällige Mädchen und Buben zu fördern. 13 Stunden unterstützt ein Förderschullehrer die Schule, die selbst zusätzlich zehn Stunden zugewiesen bekommen hat.

Im Alltag bedeutet das für die etwa 30 Kinder aus dem Sprengel, deren Eltern sich mit der Karl-Lederer-Grundschule für eine Regelschule und gegen ein Förderzentrum entschieden haben, dass sie während der Unterrichtszeit nach ihren Schwerpunkten in Kleingruppen unterstützt werden. Ob es dabei bleibt, ist offen. „Wir können das gestalten wie wir wollen“, erklärt Leick. Die Schule wolle herausfinden, was am besten für die Kinder ist.

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Die Schüler mit Förderbedarf in den Bereichen Lernen, geistiger oder emotionaler sozialer Entwicklung sind unterschiedlich über die 20 Klassen verteilt. „In manchen haben wir drei, vier, in anderen keine“, so die Rektorin. Bei der Aufteilung der Klassen wisse die Schule noch nicht, ob ein Förderbedarf besteht – und in welchem Bereich. Dazu kämen Kinder mit Sprachschwierigkeiten, sehr gute Schüler und ein großes Mittelfeld – solche heterogene Klassen sind eine Herausforderung für die Lehrer. „Der Job ist nicht leicht“, betont Leick. „Mein Traum wären zwei Erwachsene in jeder Klasse.“

Denn: Das Prädikat Inklusionsschule mit seinen zusätzlichen Ressourcen macht die Situation an der Karl-Lederer-Grundschule längst nicht perfekt. „Wir sind immer noch ein Käfer“, sagt die Rektorin. Das Problem sei, dass es die Eltern in der Hand hätten, ob ihr Kind mit diagnostiziertem Förderbedarf ein Förderzentrum oder eine Regelschule besuchen und ob es Noten bekommen soll. „Für uns wäre schön, wenn die Schule bei der Entscheidungsfindung mitreden und nicht nur beraten könnte.“

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Schwache Schüler bräuchten länger, um etwas zu lernen. „Für die Gefühlslage der Kinder ist es schwer, wenn sie immer ein anderes Arbeitsblatt und eine sechs nach der anderen bekommen.“ Wenn sie immer nur erfahren, „ich kann es nicht“, entmutige das und führe auch zu aggressivem Verhalten. In einer homogenen Gruppe hätten sie hingegen auch Erfolgserlebnisse. „Auch wenn wir es nicht betonen, unterschwellig ist immer da, dass es um Leistung geht.“ An der Karl-Lederer-Grundschule gab es bereits Extremfälle, die am Ende der vierten Klasse nicht lesen konnten. „Im Förderzentrum hätten sie es vielleicht gelernt.“

Die Urkunde zur Inklusionsschule ist das Ende einer Entwicklung, die vor acht Jahren angefangen hat. Damals führte die Karl-Lederer-Grundschule eine Kombiklasse ein. Bis zu fünf Kinder mit Förderbedarf sollten dort inkludiert werden, mit Hilfe der Unterstützung eines Förderschullehrers in fünf Stunden. In der Realität waren es laut Leick am Ende zehn Kinder und nur drei Stunden. „Das Modell war nach einem Jahr zu Ende, weil es kein Lehrer mehr machen wollte.“

Die danach in Kooperation mit dem Sonderpädagogischen Förderzentrum Geretsried eingeführte Partnerklasse funktioniere hingegen bis heute gut. Um dem Bedarf der Kinder, die die Regelklassen besuchen, gerecht zu werden, nutzte die Schule das Modell „Alternatives schulisches Angebot“. Dabei unterstützt ein Förderschullehrer Pädagogen der Regelschule in fünf Unterrichtsstunden. „Wir stellten aber immer wieder fest, dass wir den Kindern nicht gerecht werden.“ Deswegen arbeitete Leick auf die Inklusionsschule hin. Es sei gut, dass der Staat versuche, das Problem zu lösen und Ressourcen reinsteckt, so Rektorin Brigitte Leick. Eigentlich sollte aber jede Schule inkludieren – was schwer in einem leistungsorientierten System sei. „Inklusion ist ein gesellschaftliches Thema, das wir noch nicht angegangen haben.“

sw

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