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Der Meister und sein jüngstes Werk: Erst vor kurzem hat Leonard Lorenz eine Holzskulptur namens „Aufbruch“ fertiggestellt. Diese und weitere Arbeiten werden in einer Ausstellung in seinem „Artforum“ 2016 gezeigt. 

Das innere Brennen

Neufahrn/Geretsried - Der Bildhauer Leonard Lorenz hat eine Bronzeskulptur für die Waldorfschule Isartal in Geretsried geschaffen. Vorerst ist es eine Leihgabe.

Gegensätze, die Spannungen erzeugen, sich aber dennoch ergänzen und zusammenhängen – so beschreibt der Künstler Leonard Lorenz aus Neufahrn seine Arbeiten. Eine seiner schönsten Bronzeskulpturen, die „Entelechie“ („Ziel in sich selbst haben“), hat er der Freien Waldorfschule Isartal in Geretsried für ihren Eingangsbereich als Leihgabe überlassen.

Entstanden ist das gut drei Meter hohe Werk im Jahr 2011. „Es ist einer Flammenform nachempfunden, die aber auf einer stabilen Basis steht“, so der 67-jährige Bildhauer und Maler. „Assoziation dazu ist die Frage, die sich eigentlich jeder stellen sollte. Nämlich: „Wofür brenne ich?“ Viele Menschen würden sich aus Unsicherheit nicht trauen, alte Muster zu verlassen um ihr inneres Ziel zu verfolgen: „Wie soll man seine eigene Kerze anzünden, wenn man Angst hat, zu verbrennen?“

Und genau dieser Gedanke des Sich-etwas-trauen, seine eigene Persönlichkeit entwickeln zu dürfen, faszinierte das Team der Waldorfschule an Lorenz‘ Skulptur. „Sie korrespondiert einfach mit unserer Pädagogik“, zeigt sich Schulleiterin Claudia Batke begeistert. Der Kontakt zu Lorenz war übrigens mehr als leicht herzustellen: Felix, der zehnjährige Sohn des Künstlers, besucht die Waldorfschule in Geretsried.

„Den eigenen Wunsch, das innere Brennen zu verfolgen“, diese Erfahrung hat Lorenz schon in jungen Jahren gemacht. 1948 in Tristach (Tirol) geboren, sollte er nach dem Wunsch der Eltern Bauer werden, so wie sein Vater und Großvater. „Beide haben tagein tagaus geschuftet. Nie war Geld da. Eigentlich war der Hof nicht existenzfähig“, erzählt Lorenz. Zudem entdeckte er schon früh mit Hilfe eines Schnitzmessers, dass er sich von seinem Geld fürs Schafe hüten kaufen konnte, sein gestalterisches Talent. Man fand einen Kompromiss: Er durfte die Bildhauerschule in Elbigenalp besuchen, aber nur in den Wintermonaten bis zum Frühjahr. Die restliche Zeit musste er in der Landwirtschaft helfen: „Für mich war das ein unglaublicher Spagat zwischen dem eigenen Wunsch und den Erwartungen der Eltern.“ Zudem musste er als junger Künstler die Kosten für seine Ausbildung selbst übernehmen.

Doch der Erfolg gab ihm Recht. 1970 bestand der damals 22-Jährige die Aufnahmeprüfung an der Akademie der Bildenden Künste in München, wurde Meisterschüler bei Professor Hans Ladner. Durch einen Besuch der Galerie Welz in Salzburg kam Lorenz in Kontakt mit dem Werkstoff Bronze – und sah dies als „spannende Herausforderung“. Zahlreiche Ausstellungen – von Paris über Berlin bis New York – folgten; ebenso wie bedeutende Kunstpreise.

Privat lebt und arbeitet Leonard Lorenz mit seiner Frau Andrea, einer Berufsmusikerin, und Sohn Felix seit 1983 in Neufahrn. Hier hat er sich auch mit seinem „Artforum“ an der Starnberger Straße einen großen Wunsch erfüllt. Apropos Wunsch: „Schön wäre es, wenn sich ein Mitsponsor für meine ,Entelechie‘ finden würde, damit sie dauerhaft an der Schule bleiben kann.“ Dabei müsste ein etwaiger Geldgeber nicht für den Gesamtpreis aufkommen: „Ein Drittel würde ich selbst stiften“, verspricht der Künstler.

Sabine Hermsdorf

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