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Hopp oder top: Bis Ende Juni soll die Entscheidung fallen, ob das interkommunale Hallenbad gebaut wird oder nicht. 

Interkommunales Hallenbad

Die Entscheidung rückt näher

Geretsried/Bad Tölz-Wolfratshausen - Spätestens bis Ende Juni wird entschieden, ob das interkommunale Hallenbad gebaut wird oder nicht. Auf diesen Zeitplan haben sich die Bürgermeister des Nordlandkreises am Donnerstag verständigt. 

In einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch informierten Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) und Bürgermeister Michael Müller (CSU) am Freitag über das Ergebnis der Besprechung. Die Diskussion sei „sehr harmonisch“ verlaufen, sagte Niedermaier. Allen sei jedoch klar gewesen, dass es in den nächsten Monaten viele Fragen und auch „Animositäten“ geben wird. Schon über die Verteilung der Investitionskosten von 13 Millionen Euro war über Monate hart verhandelt worden. Die Frage der Betriebskosten wurde mehr oder weniger ausgeklammert. Zu dieser Zeit, so erinnerte sich der Landrat, lautete die Botschaft aus Geretsried: „Das machen wir."

Das Defizit soll für Geretsried erträglich sein

Müller  Bürgermeister Müller, damals noch nicht im Amt, wollte dies nicht kommentieren. Er hat wie vom Stadtrat beauftragt eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellen lassen. Demnach müsste Geretsried als Bauherr und Betreiber jedes Jahr über eine Million Euro zuschießen, um das interkommunale Hallenbad am Laufen zu halten. „Das können wir uns nicht leisten“, stellt Müller kategorisch fest. Er hat inzwischen Berechnungsmodelle erstellen lassen, inwieweit sich die Nachbarkommunen an den Betriebskosten beteiligten müssten, damit das Defizit auf ein „erträgliches Maß“ sinkt. 500 000 Euro wäre Geretsried bereit zu übernehmen, erklärte Müller. So viel schießt die Stadt derzeit auch beim alten Hallenbad zu. Eine halbe Million Euro müsste von den anderen Kommunen finanziert werden. Gedacht ist an eine Verteilung nach dem Königsberger Schlüssel. Das würde bedeuten, dass Wolfratshausen nach Geretsried die Hauptlast tragen müsste. Im Raum steht ein Betrag von 100 000 Euro im Jahr. Der Anteil von Eurasburg, Egling, Königsdorf, Dietramszell, Münsing und Icking würde sich im fünfstelligen Bereich bewegen. 

Konkrete Zahlen wurden nicht genannt

Niedermaier und Müller nannten gestern keine konkreten Zahlen. Das sei Gegenstand der anstehenden Diskussionen. Der Landrat erklärte nur, warum es überhaupt zu einem Defizit kommt. Um das Risiko für Geretsried zu mindern, hat sich der Landkreis verpflichtet, für seine Schulen dauerhaft 650 Schwimmstunden im Jahr zu buchen – unabhängig von der tatsächlichen Nutzung. Die Kommunen zahlen für jede Stunde, die ihre Schulen das Bad belegen, einen festen Kostensatz. „Das Defizit ergibt sich aus der übrigen Nutzung“, erklärte der Landrat, also dem allgemeinen Badebetrieb. Um hier kostendeckend arbeiten zu können, müsste man 15 oder 16 Euro Eintritt verlangen. Laut Müller kalkuliert Geretsried derzeit mit 4,50 Euro – „ein politischer Preis“. Der Durchschnittpreis für solche Bäder liege bei 3,50 Euro.

Ein Schwimmbad ist immer und überall defizitär

Nach den Worten des Landrats geht es jetzt um die Frage, ob sich die Kommunen eine solch defizitäre Infrastrukturmaßnahme für ihre Bürger leisten wollen. In der Runde am Donnerstag sei man sich einig gewesen, dass das interkommunale Hallenbad hier noch die günstigste Lösung wäre. Andernfalls würde Geretsried ein kleineres Bad nach seinen Bedürfnissen bauen. „Das wäre zwar auch relativ teuer“, erklärte Müller. In absoluten Zahlen bewege man sich aber im Rahmen des Erträglichen. Das Problem: Die Kapazitäten in Geretsried wären begrenzt, auswärtige Schulen und Vereine müssten sich hinten anstellen. Spätestens wenn das Ascholdinger Hallenbad geschlossen würde, „müsste irgendjemand ein zweites kleines Bad im Nordlandkreis bauen“, so Niedermaier.

Jetzt wird ein Argumentationspapier erarbeitet

Dies alles wird die Stadt Geretsried nun in einem „Argumentationspapier“ aufbereiten. Es soll als Grundlage für die Diskussionen in den einzelnen Ratsgremien dienen. „Wir haben ein Modell, das funktioniert, das aber laufend Geld kostet“, sagte der Landrat. Ob dies alle Kommunen mittragen, „muss sich im zweiten Quartal dieses Jahres entscheiden“. Der Wille seitens der Stadt Geretsried ist da. Sie hat die Investitionskosten von 13 Millionen in ihrem Haushalt voll eingeplant, erklärte Müller: „Wir könnten loslegen.“ Sabine Schörner

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