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Das Isarau-Stadion ist ein beliebter Treffpunkt für viele Sportler unterschiedlicher Disziplinen.

„Ein richtiges TuS-Feeling“

Interview: Darum hört Stephan Heinle als TuS-Chef auf

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Geretsried – Seit zehn Jahren steht Stephan Heinle (50) an der Spitze des größten Sportvereins des Landkreises, dem TuS Geretsried. Jetzt gibt er sein Amt ab.

Seit zehn Jahren steht Stephan Heinle (50) an der Spitze des größten Sportvereins des Landkreises, dem TuS Geretsried. In der Delegiertenversammlung am 3. Juni wird Heinle den Stab an seinen Vorstandskollegen und langjährigen Leiter der Leichtathletiksparte, Mirko Naumann, weiterreichen. Das hat der Vereinsvorstand so schon beschlossen. Im Interview mit unserer Zeitung spricht der gebürtige Garmisch-Partenkirchener über Erfolge und Niederlagen in seiner Amtszeit.

Herr Heinle, der TuS Geretsried steht finanziell gut da, ist durchorganisiert und hat sportliche Erfolge. Warum geben Sie das Amt ab?

Ich bin seit 15 Jahren im Vorstand und seit zehn Jahren Vorstandsvorsitzender. Nach so einer langen Zeit wird man irgendwann betriebsblind und verliert seine Erneuerungskraft. Ich habe nicht mehr die Energie, Neues anzustoßen. Da wird es Zeit, die eingetretenen Pfade zu verlassen und neue Leute ans Ruder zu lassen. Außerdem stehen bei mir eventuell berufliche Veränderungen an.

Sie haben Sozialpädagogik studiert, waren Stadtteilmanager im Münchner Hasenbergl und sind Unternehmensberater. Wo zieht es Sie beruflich hin?

„Ich bin sehr dankbar für diese Zeit“: Zehn Jahre war Stephan Heinle Vorstandsvorsitzender des TuS Geretsried. Jetzt gibt er den Stab an Mirko Naumann weiter.

Ich bin nach wie vor als Unternehmensberater selbstständig tätig und Vorstand der CooperativeChange Group eG. Ich bin ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht und engagiere mich zudem im Aufsichtsrat des Katholischen Männerfürsorgevereins München. Dieser karitative Verein kümmert sich um wohnungslose, arbeitslose, suchtkranke und straffällige Männer. Der Siedlungsdruck in München ist groß, und der Verein hat Ländereien am nördlichen Münchner Stadtrand. Dort könnte ein neues vorbildliches Viertel entwickelt werden. In diesen Prozess könnte ich mich mit meinen Erfahrungen einbringen.
 
Zurück zum TuS Geretsried. Worüber haben Sie sich in den vergangenen zehn Jahren am meisten gefreut?
 
Am Anfang meiner Amtszeit ist der Verein knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt. Jetzt steht der TuS auch dank unserer Finanzvorständin Roswitha Baki finanziell wieder auf sicheren Beinen. Das ist uns unter anderem gelungen, weil wir uns von der kostenintensiven Eissportsparte getrennt haben beziehungsweise die Eissportler ihren eigenen Verein gegründet haben. Nach anfänglichen Konfrontationen haben wir es geschafft, mit dem Eissportclub wieder ein gutes Miteinander zu finden und teilweise auch zu kooperieren. Über diesen Erfolg freue ich mich.

Und darüber hinaus?

Außerdem sind wir als TuS wieder zu einer sehr starken Gemeinschaft geworden. Viele haben die Entwicklung des gesamten Vereins im Blick. Diesen Gemeinschaftssinn spürt man zum Beispiel bei den Fußballspielen. Unter den Zuschauern sind Leute aus allen Sparten. Es ist ein richtiges TuS-Feeling entstanden. Das war vor zehn Jahren nicht so. Sehr dankbar bin ich auch, dass wir durch unseren Kampf und die Unterstützung von Michael Müller, der CSU und der SPD die Hallennutzungsgebühren wieder abschaffen konnten, denn dies hätte einzelne Abteilungen an den Rande der Existenz gebracht.

Mit seinen aktuell 2200 Mitgliedern ist der TuS Geretsried der größte Sportverein des Landkreises. Sind Sie zufrieden mit dieser Entwicklung?

Wir haben ein leichtes Wachstum in den letzten Jahren, aber immer schon eine relativ hohe Fluktuation. Übers Jahr gesehen kommen und gehen etwa 350 Mitglieder. Man kann sagen, dass mindestens jeder zweite Geretsrieder schon mal Mitglied beim TuS gewesen ist.

Damit ist Ihr Sportverein quasi in jeder Familie präsent.

Und genau das hat die Politik leider zu oft nicht auf dem Schirm. Welche Veranstaltung vor der Bürgermeisterwahl war am besten besucht? Die, in der es um die Zukunft des Sports in der Stadt ging die von der IGS (Interessengemeinschaft der Geretsrieder Sportvereine, Anm. d. Red.) organisiert war. Oftmals wird von der Politik nicht gesehen, welchen Einfluss und welche Wirkung der Sport und die Vereine in unserer Stadt haben.

Klingt da eine gewisse Verbitterung durch?

Oft wird die gesellschaftliche Funktion und die präventive Arbeit der Vereine übersehen. Wir haben zum Beispiel 200 Übungsleiter beim TuS. Hochgerechnet ergibt das zirka zehn Vollzeit-Sportlehrer, die den Kindern und Jugendlichen neben dem Sport Anstand und Teamfähigkeit beibringen. Die Unterstützung von Seiten des Sportamts sowie des Landkreises war in den vergangenen 15 Jahren nicht sehr groß. Es mangelte an Wertschätzung.

Das müssen Sie uns erklären.

Unsere Stadt hat so viel Potenzial, aber viele Ideen werden schnell abgebügelt. Da gibt es wenig Weiterentwicklung. Während meiner Amtszeit wurden im Sportbereich hauptsächlich Bestände verwaltet. Zu oft bin ich mir mit meinen Anliegen und Vorschlägen als Bittsteller vorgekommen. Es wurde wenig in die Zukunft investiert. Es gab keinen Zuwachs an Sportinfrastruktur außer der Kindertagesstätte Champini. Das sehe ich schon als eine Niederlage für mich an. Aber es gibt auch einen weiteren Punkt, worüber ich mich freue.

Der Trimm-dich-Pfad, der in diesem Jahr im Stadtwald installiert werden soll?

Richtig. Der Bewegungsparcours ist wegen der großen Mitarbeit des TuS Geretsried im Leitbild der Stadt und vor allem dank Heidrun Rösing entstanden. Sie hat das Projekt maßgeblich vorangetrieben.

Fußball, Handball, Badminton: Diese Sparten sind zurzeit sehr erfolgreich unterwegs.

Das stimmt. Die Fußballer sind in der vergangenen Saison in die Landesliga aufgestiegen. Die Jugendmannschaft der Handball-Spielgemeinschaft Isar-Loisach ist erst vor ein paar Wochen bayerischer Landesligameister geworden. Auch der Nachwuchs der Badmintonabteilung räumte ab. Die erste Mannschaft ist in die Regionalliga aufgestiegen und ist mit dem EC Bad Tölz und den Segelfliegern aus Königsdorf die am hochklassigsten angesiedelte Mannschaft, Mit Ann-Kathrin Spöri haben wir eine Spitzenathletin, die deutsche Meistertitel erreicht hat. Insgesamt kann man sagen, dass wir sehr gesunde und leistungsstarke Abteilungen haben. Das ist nur dank des Beitrags aller Ehrenamtlichen und der tollen Steuerung unserer Geschäftsführerin Karina Rebele möglich.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit dem TSV Wolfratshausen?

Seit 2009 arbeiten wir mit den Handballfreunden des TSV Wolfratshausen zusammen. Nur durch diese Kooperation sind im Handball so große sportliche Erfolge möglich. Das ist absolut top. Inzwischen schaut auch der Deutsche Handballbund auf unsere Talente. Übrigens gibt es auch eine Volleyballspielgemeinschaft Isar-Loisach. Hier arbeiten wir erfolgreich mit dem BCF Wolfratshausen und dem SV Münsing zusammen.

Stichwort Talentsuche: Die beginnt in der Sport- und Bewegungskindertagesstätte TuS-Champini schon bei den Kleinsten. Jedes Kind erhält dort gleich einen Mitgliedsantrag für den TuS.

Auf diese Kooperation bin ich stolz. Mir gefällt das Konzept, das hinter der Einrichtung steht. Außerdem nutzen wir die Turnhalle der Kita für unsere Sportangebote, und die Jugendlichen, die bei uns ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, sind in der Einrichtung aktiv. Außerdem haben wir durch diese Kooperation schon einige Talente in den Sport gebracht.

Was nehmen Sie aus den vergangenen zehn Jahren mit?

Ich bin sehr dankbar für diese Zeit. An vielen Dingen bin ich sehr gewachsen, und ich durfte viele Menschen kennen lernen. Aus einigen dieser Begegnungen sind Freundschaften entstanden. Ich bin – auch wenn ich aus der Umgebung komme – ja ein Zugereister und lebe seit 1995 in Geretsried. In dieser Zeit ist die Stadt meine neue Heimat geworden.

Gab es etwas, worüber Sie sich geärgert haben?

Sehr gewurmt hat mich die Diskussion und Achterbahnfahrt um eine neue Dreifachturnhalle am Schulzentrum. Da wurden vom Landkreis die Schülerzahlen für Geretsried schlecht gerechnet und am Bedarf vorbeigeplant. Vollkommen außer Acht gelassen wurden der Bevölkerungszuwachs, unter anderem durch die Bebauung des Lorenz-Areals, und das neunstufige Gymnasium. Geretsried wird auf 30 000 Einwohner anwachsen, und wir haben schon jetzt deutlich zu wenig Hallenkapazitäten. Unsere Badmintonmannschaft muss ihre Regionalligaheimspiele eventuell zukünftig in Grünwald austragen, weil hier keine geeignete Halle zur Verfügung steht. Da kann ich mir schon die Haare raufen. Jetzt bekommen wir eine DIN-Zweifachturnhalle, besser natürlich als gar nichts. Ich bin aber gespannt, ob es beim angekündigten Baubeginn im Herbst bleibt.

Sie waren von 2012 bis 2014 Mitglied bei den Grünen. Können Sie sich vorstellen, kommunalpolitisch wieder aktiv zu werden?

Das will ich nicht ausschließen. Ich werde mich keiner Partei mehr anschließen. Meine Erfahrungen, auch früher in der SPD, haben mir gezeigt: Wer Visionär ist und einen gewissen Führungsanspruch hat, wird rasiert. Man muss sich erst in das Parteigefüge einfädeln, um was zu werden. Es fehlt an Gestaltungsgeist und Dynamik. Ein zukünftiges parteifreies kommunalpolitisches Engagement in Geretsried will ich aber nicht ausschließen.

nej

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