In eigener Sache

Interview mit Geretsrieder Bürgermeister: Schnitzer auf beiden Seiten

Nach dem Interview mit Bürgermeister Michael Müller gibt es Klärungsbedarf: Er hatte auf seiner Facebookseite behauptet, ein entsprechendes Gespräch habe nicht stattgefunden.

Geretsried – Das Interview mit Geretsrieds Rathauschef Michael Müller („Workshops haben keinen Öffentlichkeitscharakter“) hat für Irritationen gesorgt. Müller hatte am Donnerstag auf seiner privaten Facebookseite gepostet, dass ein entsprechendes Gespräch nicht stattgefunden habe und warf unserer Zeitung „Boulevard-Charakter“ vor.

Das entsprechende „Gespräch“ wurde tatsächlich schriftlich geführt – wie es bei kürzeren Interviews häufig die Regel ist. Entscheidend: Solche Interviews sind autorisiert, das heißt, das Gegenüber hat den Frage-Antwort-Artikel gelesen und einer Veröffentlichung in dieser Form nicht widersprochen.

Die Recherche in dem von Müller beanstandeten Fall verlief wie folgt: Unsere Zeitung wollte über das Ergebnis des nicht-öffentlichen Workshops berichten, zu dem sich Stadträte am 10. November getroffen hatten, und stellte eine entsprechende Anfrage an Pressereferent Thomas Loibl. Nachdem sich das Rathaus nicht dazu äußern wollte, kündigte unsere Zeitung ihm tags darauf an, allgemeine Fragen zum Thema Workshops an den Bürgermeister richten zu wollen. Per E-Mail stellte unsere Zeitung am Mittwoch, 15. November, um 16.53 Uhr „vier Interview-Fragen an den Ersten Bürgermeister Michael Müller mit der Bitte um Beantwortung bis Montag, 20. November“. Entsprechend der geläufigen Vorgehensweise mit der Stadt Geretsried sendete unsere Zeitung die Anfrage direkt an Pressereferent Loibl.

Rathauschef Müller: „Jetzt darf jeder an sich arbeiten“

Nachdem die gesetzte Frist verstrichen war, fragte unsere Redaktion am Dienstagvormittag telefonisch im Rathaus nach. Das Ergebnis: Loibl sei im Urlaub, die Geschäftsführende Beamtin Ute Raach sei für Presseanfragen zuständig – derzeit aber in einer Besprechung. Nachdem Raach bei ihrem Rückruf wiederum die zuständige Redakteurin nicht erreichte, schrieb sie um 13.10 Uhr eine E-Mail: „Ich kann Ihnen frühestens morgen eine Antwort liefern. Ich bitte noch um etwas Geduld. Vielen Dank!“

Bei Nichtbeantwortung der Fragen hätte unsere Redaktion die Konsequenz ziehen müssen, den Lesern zu erklären, dass der Stadtrat immer wieder in Workshops zusammenkommt, der Bürgermeister sich aber dazu nicht äußern möchte. Wir baten daher erneut um die Antworten auf unsere Interview-Fragen bis 11 Uhr am nächsten Tag.

Daraufhin sendete Geschäftsleiterin Raach „die Antworten des Bürgermeisters“ am Mittwoch um 10.45 Uhr. Unsere Redaktion übernahm den Wortlaut für das Interview. Der Fehler: Die Überschrift in Zitatform unterstellt dem Bürgermeister eine Aussage, die er so nicht im Interview trifft. Aber auch Rathauschef Müller, der seinen Facebook-Post inzwischen gelöscht hat, räumte am Donnerstag in einem Gespräch mit unserer Zeitung ein: „Man sollte nicht immer gleich posten. Jetzt darf jeder an sich arbeiten.“ sw/cce

Rubriklistenbild: © Hermsdorf/fkn

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