Inhaber Frederik Holthaus allein in seinem Isar-Kaufhaus.
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Fast allein im Isar-Kaufhaus: Inhaber Frederik Holthaus schickte seine Belegschaft in Kurzarbeit.

„Entscheidung ärgert mich persönlich sehr“

Isar-Kaufhausinhaber Frederik Holthaus über den Corona-Lockdown

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Auch wenn Frederik Holthaus (57) nicht weiß, wann er sein Isar-Kaufhaus in Geretsried wieder öffnen darf – die bestellte Frühjahrsware ist da und wird in die Regale geräumt.

Geretsried – Für sie ist der Lockdown vorbei: Friseure, Kosmetikstudios, Baumärkte und Gärtnereien dürfen ab 1. März wieder öffnen. Einzelhändler haben weiter das Nachsehen. Sie müssen sich in Geduld üben. Auch wenn Frederik Holthaus (57) nicht weiß, wann er sein Isar-Kaufhaus wieder öffnen darf – die bestellte Frühjahrsware ist da und wird in die Regale geräumt.

Herr Holthaus, wann haben Sie die Ladentür zum letzten Mal verschlossen?

Frederik Holthaus: Das war an unserem letzten Verkaufstag im vergangenen Jahr, am 15. Dezember. An diesem Tag hatten wir ein bisschen länger auf, weil viele Kunden noch Weihnachtsgeschenke kaufen wollten.

Kein Stress vor Weihnachten: Das war bestimmt eine neue Erfahrung für Sie und Ihre Belegschaft.

Frederik Holthaus: Für uns alle war das ein neues Weihnachtsgefühl, weil wir ja sonst immer bis zum 24. Dezember arbeiten. Meine zwei ältesten Töchter hatten auch keine Schule mehr. So war die komplette Familie ab 16. Dezember in den Weihnachtsferien. Meinen Mitarbeitern habe ich bewusst frei gegeben, damit sie in den Genuss kamen, Weihnachten ganz in Ruhe vorzubereiten und feiern zu können. Insofern waren das mal ruhige, besinnliche Feiertage.

Also ist seit Mitte Dezember niemand mehr im Kaufhaus gewesen?

Frederik Holthaus: Zwischen den Jahren sind noch ein paar Abschlussarbeiten erledigt worden. Aber im Januar und Februar waren fast alle meiner 23 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Besetzt waren lediglich das Büro und die Warenannahme. Es sind ja ständig Zahlungen zu leisten, das Telefon klingelt gelegentlich, und auch Ware wird angeliefert.

Der Betrieb läuft auf Sparflamme.

Frederik Holthaus: So ist es. Das Licht ist aus, und wir heizen nur die Büros.

Haben Sie Kontakt zu Ihren Mitarbeitern?

Frederik Holthaus: Ja, wir kommunizieren über WhatsApp. Einmal die Woche schicke ich ein Update mit Neuigkeiten raus. Und wenn ein Mitarbeiter etwas braucht, ist das kein Problem. Dann kann er kommen und sich das abholen.

„Click & Collect“ ist aber keine Alternative für Sie?

Frederik Holthaus: Wir haben das während des ersten Lockdowns probiert. Aber dafür sind mindestens zwei Mitarbeiter notwendig, und das ganze Haus muss beleuchtet und beheizt sein. Das hat sich finanziell einfach nicht gelohnt. Deshalb habe ich dieses Mal ganz darauf verzichtet, was sehr schade ist, weil mir das für die Kunden leidtut.

Trotzdem werden sich Kunden bei Ihnen gemeldet haben.

Frederik Holthaus: Ja, gelegentlich. Wir empfehlen ihnen dann das Kaufhaus RID, das von einem befreundeten Kollegen geführt wird. Der hat einen tollen Online-Shop mit 20 000 Artikeln, die er auch versendet. Außerdem bietet er „Click & Collect“ an. Das Kaufhaus hat ein ähnliches Sortiment wie wir.

Hängt im Isar-Kaufhaus eigentlich noch die Weihnachtsdeko?

Frederik Holthaus: Weihnachten haben wir zwischen den Jahren abgebaut, solange die Mitarbeiter noch nicht in Kurzarbeit waren. Auch die Winterware hatten wir weggeräumt und in unserem großen Keller eingelagert. Allerdings nur zum Teil, weil wir da noch die Hoffnung hatten, dass wir vielleicht Mitte Januar wieder öffnen können. Dem war ja leider nicht so. Ab nächster Woche werden wir die gesamte Winterware wegräumen und die neue Ware aufbauen. Egal, wann wir aufmachen, die Kunden wollen Frühjahrsartikel jetzt kaufen.

Was machen Sie mit der Winterware im Keller?

Frederik Holthaus: Wir hoffen wir, dass wir in der nächsten Wintersaison wieder normal öffnen dürfen. Dann wird die Ware mit Preisabschlägen verkauft. Sie ist ja nicht schlecht.

Haben Sie aufgrund von Corona weniger bestellt?

Frederik Holthaus: Aufgrund der Baustelle vor unserer Haustür hatten wir schon für 2020 weniger bestellt. Das war unser großes Glück, denn in der Mode muss man ein halbes Jahr vorher bestellen. Aber es reicht immer noch, dass die Regale und Ständer gut gefüllt sein werden. Wenn wir das Haus irgendwann wieder öffnen dürfen, werden wir sicherlich eine richtig schöne Auswahl an Frühjahrs- und Sommermode zeigen können.

Wie sehr belastet Sie die Baustelle?

Frederik Holthaus: Sie kostet uns natürlich Umsatz, das spüren wir schon. Ich schätze, dass es zehn Prozent vom Umsatz extra sind, die uns fehlen.

Und Corona müssen Sie auch noch finanziell stemmen. Ein Kraftakt?

Frederik Holthaus: Im vergangenen Jahr haben wir Soforthilfe beantragt und schnell ausbezahlt bekommen. Auch ein Akut-Kredit der LfA über unsere Hausbank ging relativ zügig. Jetzt hoffen wir, dass wir Überbrückungshilfe bekommen. Aber das ist schon sehr kompliziert und bürokratisch.

Ab 1. März dürfen Friseure, Kosmetikstudios, Baumärkte und Gärtnereien wieder öffnen. Der Einzelhandel nicht. Was sagen Sie dazu?

Frederik Holthaus: Wir hatten wochenlang Inzidenzen zwischen 160 und 210, ab Mitte November bis eigentlich zu unserem letzten Öffnungstag. Alle Geschäfte hatten unter Corona-Bedingungen auf. Wir hatten viele Kunden im Haus, und es ist nichts passiert. Jetzt haben wir im Landkreis Inzidenzen um die 45, und wir dürfen nicht öffnen. Wir freuen uns für alle Kollegen, die wieder arbeiten dürfen. Aber wir Händler empfinden das schon als eine gewisse Ungerechtigkeit. Es ärgert mich persönlich sehr, weil ich wirtschaftlich darunter leide. Auf der anderen Seite verstehe ich natürlich die Bedenken und die Angst unserer Politiker vor den Virusmutationen, die viel ansteckender sind. Klar, dass die Politiker da extrem vorsichtig sind.

Ob ich ein Bügelbrett im Baumarkt oder im Isar-Kaufhaus erstehe, ist doch eigentlich egal, oder?

Frederik Holthaus: Sicher. Deshalb ist diese Entscheidung für mich ja nicht nachvollziehbar. Das kann man nicht mehr mit einem Versorgungsauftrag wie bei Apotheken, Drogerien und Supermärkten begründen. Aber Baumärkte haben scheinbar eine gute Lobby, dass sie eine Öffnung erreicht haben.

Das Isar-Kaufhaus öffnet wieder am ...

Frederik Holthaus: 8. März. Zumindest hoffe ich das stark. Wir werden auf jeden Fall alles dafür vorbereiten. Der Druck auf die Politik ist schon extrem groß. Die Bedenken auf der anderen Seite auch. Aber es wird immer schwerer zu begründen, warum ein Baumarkt öffnen darf und ein Kaufhaus nicht.

Wie geht’s Ihnen persönlich, Herr Holthaus?

Frederik Holthaus: Ich darf mich nicht zu lange im Kaufhaus aufhalten, weil ich sonst schon Frust und Ärger bekomme. Deshalb bin ich mehr zu Hause und unternehme etwas mit meinen drei Töchtern. Ich verbringe die Zeit verstärkt mit der Familie. Man darf das Ganze nicht persönlich nehmen, sich nicht zu sehr hineinsteigern und muss die Situation mit einem gewissen Abstand sehen. Sonst macht man sich verrückt.

nej

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