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Isardamm-Grundschule in Geretsried: Schülerin kehrt als Rektorin zurück

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Martina Bäumle an ihrer neuen, alten Schule: Seit September ist sie Rektorin an der Isardamm-Grundschule.
Martina Bäumle an ihrer neuen, alten Schule: Seit September ist sie Rektorin an der Isardamm-Grundschule. © sh

Für Martina Bäumle schließt sich ein Kreis. Die gebürtige Geretsriederin war vor 45 Jahren selber Schülerin an der Isardamm-Grundschule. Jetzt ist sie dort Rektorin.

Geretsried – Nach dem Lehramtsstudium war Bäumle an Grund-, Mittel- und Montessorischulen tätig. Sie war Konrektorin und Rektorin und zwischendurch ans Kultusministerium abgeordnet. 2018 ging sie für drei Jahre an die Deutsche Schule in Budapest. Jetzt ist die 51-Jährige in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Seit Anfang des Schuljahres leitet sie die Isardamm-Grundschule. Unsere Mitarbeiterin Tanja Lühr sprach mit ihr über die Zeit im Ausland, den Alltag hier mit Corona-Pooltests und über die gleichzeitige, allmähliche Rückkehr zur Normalität.

Frau Bäumle, nachdem Sie zuletzt fünf Jahre lang Rektorin an der Grund- und Mittelschule in Königsdorf waren, zog es sie 2018 für drei Jahre als Auslandsdienstlehrkraft (ADLK) nach Budapest. Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Martina Bäumle: Die Deutsche Schule Budapest ist eine sogenannte Begegnungsschule, die sowohl von ungarischen als auch von deutschsprachigen Kindern besucht wird. In den ersten beiden Jahren hatte ich als Klassenleiterin eine erste und zweite deutsche Klasse. Das habe ich wieder sehr genossen, denn als Schulleiterin ist man doch vorwiegend mit administrativen Aufgaben beschäftigt. Im dritten Jahr unterrichtete ich als Fachlehrerin Musik, Englisch und Deutsch als Fremdsprache für die ungarischen Schüler. Den raschen Lernfortschritt der Kinder beim Deutschlernen mitzuerleben, war für mich eine große Freude. Ich habe sehr gerne dort unterrichtet und umgekehrt aber auch von den Kindern gelernt. Bei jedem neuen Wort Ungarisch gab es Applaus von ihnen (lacht).
Eineinhalb Jahre lief alles normal, dann kam auch in Ungarn der Lockdown. Das bedeutete natürlich auch dort viele Wochen Fern- und Hybridunterricht, Videokonferenzen und Notbetreuung.

Dann konnten Sie Land und Leute aufgrund der Pandemie gar nicht richtig kennenlernen?

Martina Bäumle: Doch, ich habe in den ersten eineinhalb Jahren viel gesehen und erlebt in Budapest. Aber auch während des Lockdowns hatte die Stadt ihren Reiz, weil sie nicht so überlaufen war wie sonst. Während der gesamten drei Jahre habe ich unglaublich herzliche, nette Menschen kennengelernt. Ungarn ist ein fantastisches Land und ich freue mich, als Urlauberin dorthin zurückzukehren.

Aber länger wollten sie nicht bleiben?

Martina Bäumle: Theoretisch besteht die Möglichkeit, den Auslandsschuldienst auf sechs Jahre auszuweiten. Aber für mich war es nach drei Jahren gut – im besten Wortsinn. Ich hatte zwar Tränen in den Augen, als ich mich von den Kollegen und Freunden verabschiedete und mich mit meinem vollgepackten Auto Richtung Heimat aufmachte, freute mich aber auch auf zuhause. Den Kontakt zu all den lieben Menschen in Budapest werde ich auf jeden Fall halten. Rückblickend kann ich sagen: Es ist immer wertvoll, über den Tellerrand hinauszublicken und mal seine Komfortzone zu verlassen. Ich schätze das, was für mich zuhause selbstverständlich war, nun wieder viel mehr. Und wer hätte gedacht, dass an der Isardamm-Grundschule auch ungarisch-sprachige Kinder sind. Jetzt kann ich zumindest ein ganz klein wenig mit ihnen auf Ungarisch plaudern.

Dass nach Monika Bauers Ausscheiden die Schulleiterstelle an der Isardamm-Grundschule frei wurde, war ein Glücksfall für Sie?

Martina Bäumle: Ja, ich habe das Stellenangebot im Januar gelesen und mich sofort beworben. Für mich macht das meine Laufbahn rund.

Wie waren die ersten Tage und Wochen an Ihrer neuen Wirkungsstätte?

Martina Bäumle: Ich wurde sehr freundlich von allen aufgenommen. Besonders schön fand ich meine Vorstellungsbesuche in den einzelnen Klassen. Wir haben sehr herzliche, pfiffige und aufgeschlossene Kinder an der Isardammschule, toll. Auch die ersten Kontakte mit einzelnen Eltern waren sehr positiv. Und dann kam auch gleich schon die Einrichtung der neuen Pooltests. Das hat am Anfang sehr viel Zeit gebunden. Alle 413 Schüler mussten von der Schule schnellstens ins eigens dafür eingerichtete System eingepflegt werden. Barcodes mussten durch die Lehrkräfte erfasst und das Testmaterial vorbereitet werden. Das war nur im Team zu bewältigen und hat sich gleich schon am Anfang erfreulich bewährt. Inzwischen haben sowohl die Kinder als auch wir Lehrer Routine im Umgang mit den sogenannten Lolli-Tests.

Gab es schon positive Fälle?

Martina Bäumle: Vereinzelt, ja. Aber bisher musste noch keine Klasse längerfristig in Quarantäne.

Ist normaler Unterricht weitgehend möglich?

Martina Bäumle: Wir alle, Kinder und Lehrkräfte, freuen uns, dass wieder Präsenzunterricht stattfinden kann. Die Kinder brauchen einander, wollen miteinander lernen, arbeiten und spielen. Der direkte Kontakt, die Möglichkeiten der verschiedenen Sozial- und Arbeitsformen und Methoden im Unterricht sind in Präsenz einfach von großem Wert. Die Schule ist dank modernster technischer Ausstattung durch die Stadt und dem Engagement der Lehrkräfte zwar ganz gut durch die Homeschooling-Phasen gekommen, lieber integrieren wir jetzt aber digitales Lernen in unseren Unterricht und sind zusammen im Schulhaus.
Was noch ein wenig fehlt, ist die frühere Unbeschwertheit. Ich freue mich darauf, wenn wieder alle Kinder zusammen auf dem Pausenhof spielen können und nicht mehr nach Klassen getrennt sein müssen. Wir können aber nicht auf ein Ende der Pandemie warten, sondern versuchen alles uns Mögliche, den Kindern jetzt schon ein abwechslungsreiches und schönes Schulleben zu bieten. „Schule ist mehr“ heißt es so richtig in einem Kinderlied.

Was planen Sie?

Martina Bäumle: Die zweiten Klassen haben bereits einen Ausflug mit dem Isar-Ranger unternommen. Andere Klassen haben pädagogische Angebote zur Teambildung genutzt. Im November steht jetzt dann der Vorlesetag an. Und vielleicht können wir auch den allseits beliebten Adventsbasar in diesem Jahr veranstalten. Wir hoffen darauf, mithilfe unserer Freiwilliges-Soziales-Jahr (FSJ)-Leistenden Luci auch noch eine Tanz-AG anbieten zu können. Unsere Schach-AG gibt es seit diesem Schuljahr bereits, die Plätze waren heiß begehrt. Wir wollen aber auf alle Aspekte schauen, und es gibt im Unterricht schon auch noch die einen oder anderen Lücken zu schließen, die bei den Kindern durch den Lockdown entstanden sind. Zum Glück haben wir seit dem 8. November eine Diplompädagogin, die uns im Rahmen der Initiative „Brücken bauen“ dabei unterstützt, sowie unsere Luci, die schon seit Schuljahresanfang mit in den Klassen ist.

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Was ist Ihnen als Rektorin und als Pädagogin wichtig?

Martina Bäumle: Als Rektorin wünsche ich mir vor allem, dass wir uns als Schulgemeinschaft verstehen, die das Leben und Lernen an unserer Schule gemeinsam wohlwollend im Fokus hat. Ich finde hier an der Isardammschule beste Voraussetzungen dafür und sehe unseren weiteren Projekten und Vorhaben mit Freude und Optimismus entgegen. Als Lehrerin – ich unterrichte in diesem Schuljahr hauptsächlich Musik, Englisch und Deutsch – ist mir der Umgang mit den Kindern auf Augenhöhe wichtig. Mir liegt daran, dass Schule mit schönen Erlebnissen verbunden ist.
Wir Lehrkräfte haben einen ganz wunderbaren Beruf, und diese Freude überträgt sich doch auch auf die Kinder. Ich bin ja über Umwege und den zweiten Bildungsweg zu meinem Traumberuf gekommen, habe nach der Mittelschule und anschließendem Realschulabschluss zunächst fünf Jahre als Industriekauffrau gearbeitet. Auch das möchte ich besonders den Viertklässlern mitgeben: Es ist kein Beinbruch, wenn es erstmal nicht für das Gymnasium oder die Realschule reicht. Es stehen jedem unzählig viele Wege offen. Da bin ich mit meinem Lebensweg kein Einzelfall. Seinen Platz im Leben zu finden, das ist doch das Wichtigste.

tal

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