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Wie geht es auf dem Hofgut Breitenbach weiter? Darüber wird in den nächsten Wochen viel diskutiert werden. 

Hofgut Breitenbach

Ist die missglückte Geothermiebohrung ein lokales Phänomen ?

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Es ist wie ein Déjà-vu: Unter dem Hofgut Breitenbach gibt es nicht ausreichend heißes Wasser. Damit ist der Traum von einem Geothermiekraftwerk, das Geretsried mit Strom versorgt, endgültig geplatzt. 

Gelting – Nach dem ersten Fehlschlag vor vier Jahren tat sich die Enex Power Germany schwer, einen neuen Investor mit ins Boot zu bekommen – heuer war es endlich soweit. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Auctus stieg als neuer Geldgeber ein. Im Jahr zuvor hatte das Bundeswirtschaftsministerium bereits zugesagt, das Geothermieprojekt zu fördern und wissenschaftlich zu begleiten. Außerdem kam ein neues Versicherungsmodell zum Tragen. Beste Voraussetzungen also.

Vielversprechendes Zwischenergebnis

Im Mai begann die zweite Bohrung, eine sogenannte Ablenkbohrung, bei der das bestehende Bohrloch bis zu einer Tiefe von 4000 Metern genutzt wurde. An dieser Stelle zweigte der neue Bohrpfad ab. Ziel waren dolomitische Kluftzonen. „Diese Brüche im Gestein haben wir auch getroffen“, bestätigt Enex-Geschäftsführer Dr. Robert Straubinger auf Nachfrage. Während der Bohrarbeiten traten mehrfach Spülungsverluste auf. „Das heißt, da, wo Wasser reingeht, kommt es auch wieder raus“, erklärt der Geschäftsführer. Ein vielversprechendes Zwischenergebnis für Enex. Mit den geringen Mengen Wasser, die anschließend bei den Pumptests gefördert wurden, habe allerdings niemand gerechnet. „Das hat uns alle total überrascht“, räumt der Projektmanager ein.

Bei der kleinen Feier im Mai, als der Startschuss für die zweite Bohrung fiel, hatte man auf mehr als 60 Liter pro Sekunde gehofft. Kalkuliert hatte Enex mit 50, herausgekommen sind zwischen 20 und 30, aber das nur zeitweise. Der Wasserspiegel sei während der Tests immer wieder abgesunken. „Es gab keine konstante Förderung“, berichtet Straubinger.

Andere Projekte schielten nach Gelting

Schon der erste Versuch von Enex hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Die 6036 Meter lange Bohrung war damals die längste ihrer Art – und auch die gemessene Temperatur war rekordverdächtig. 169 Grad wurden nachgewiesen. Aber vermutlich war die Bohrung auch die trockenste: Statt der erwarteten 100 Liter wurden deutlich unter zehn Liter pro Sekunde aus dem Bohrloch gefördert. 35 Millionen Euro hatte das Projekt verschlungen, und das niederschmetternde Ergebnis hatte Auswirkungen auf die ganze Branche. Investoren hielten sich zurück, und kaum ein Versicherer war mehr bereit, das Risiko der Fündigkeit abzusichern. Man schielte nach Gelting und wartete die Ergebnisse ab.

Die Gesteinsproben, die während der Bohrung (die Kosten lagen diesmal „deutlich unter zehn Millionen Euro“) gezogen wurden, unterscheiden sich deutlich von denen geglückter Geothermiebohrungen, berichtet Straubinger. „Sie sind glatt, schwarz-grau, haben Risse und sind zum Teil zerbrochen.“ Bohrkerne von erfolgreichen Projekten im süddeutschen Molassebecken dagegen seien körniger und würden gelbem Sandstein ähneln. Ob es sich dabei um ein lokales Phänomen handelt, muss nun untersucht werden.

Was bedeutet der Fehlschlag für den Investor? Das will Straubinger nicht groß kommentieren: „Wenn man einen möglichen Misserfolg nicht miteinkalkuliert, ist man ein schlechter Investor.“

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