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Franco-bavaroise: Am Samstag feierten Gäste und Gastgeber einen bayerisch-französischen Freundschaftsabend.

Städtepartnerschaft

Geretsried und Chamalières feiern ihre Freundschaft

Geretsried - Überschattet vom Amoklauf in München wurde der Freundschaftsabend der Partnerstädte Geretsried und Chamalières am Samstag. Doch insgesamt blickten die Gäste aus der Auvergne auf vier schöne Tage in Bayern zurück.

Es ist nicht anzunehmen, dass Michael Müller angesichts seines vollen Terminkalenders viel zum Französischlernen kommt. Nach seiner Wahl zum Bürgermeister hatte er sich für einen VHS-Sprachkurs angemeldet, um künftig mit den Freunden aus der Partnerstadt Chamalières besser kommunizieren zu können. Beim Freundschaftsabend zu Ehren der Gäste aus der Auvergne am Samstagabend in den Ratsstuben überraschte Müller die rund 200 Besucher, indem er seine Begrüßungsrede auf Deutsch und Französisch hielt.

Letztere las der 47-Jährige zwar vom Blatt ab – er hatte den Text auch nicht selbst übersetzt –, trotzdem gehört Mut dazu, sich den vielen Aussprache-Fallen zu stellen (und in einige hineinzutappen). Die Gäste am Tisch gleich unterhalb der Bühne flüsterten immer wieder das richtige Wort ein, sodass der Gastgeber am Ende lang anhaltenden Applaus erhielt.

"Jeder weiß, was er am anderen hat"

Tanzeinlage vor den Ratsstuben: „La Bourée des Volcans“ aus der Partnerstadt Chamalières.

Müller hatte unter anderem gesagt, mit einer Städtepartnerschaft verhalte es sich wie mit einer guten Ehe: Sie habe sich mit den Jahren – im Fall Geretsried-Chamalières sind es 33 – eingespielt. „Jeder weiß, was er am anderen hat.“

Müllers Amtskollege Louis Giscard d’Estaing (57) war heuer zum ersten Mal mit seiner Frau Claire, mit der er seit Januar verheiratet ist, nach Geretsried gekommen. Claire habe die Gelegenheit genutzt, sich ein Dirndl zu kaufen, erzählte der frischgebackene Ehemann. Es stand ihr ausgezeichnet. Auch der Rathauschef von Chamalières hielt seine Rede teilweise auf Deutsch mit charmantem Akzent, teilweise übersetzte Yvette Sauer vom Partnerschaftsverein.

Giscard d’Estaing dankte vor allem dem Partnerschaftsvereins-Vorsitzenden Gerhard Meinl für den „immer warmherzigen Empfang“, für Meinls Liebenswürdigkeit und „joie de vivre“. Die Lebensfreude machte sich bemerkbar beim Programm des Freundschaftsabends franco-bavaroise. Die französische Band „Les Informels“ aus Clermont-Ferrand spielte gepflegten Jazz und Chansons. Nach der Aufführung vor dem Sommerfest gab es einen weiteren Auftritt der französischen Volkstanzgruppe „La Bourrée des Volcans“. Die Ratsstuben servierten Grießnockerlsuppe, Schweinekrustenbraten, Rinderbraten oder vegetarische Crespelle als Hauptgang sowie zum Nachtisch mit Marillen gefüllte Pfannkuchen.

Besichtigungsprogramm hinterlässt Eindruck

Obwohl der Amoklauf von München das Fest überschattete, kehrten die 60 Gäste aus der Auvergne am Sonntagmittag nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Petruskirche mit vielen schönen Erinnerungen zurück in die Heimat. Karin Schlich, die Geschäftsführerin des Partnerschaftsvereins und Organisatorin des viertägigen Programms, freut, dass die Besichtigung des Jugentreffs Ein-Stein und der Asylbewerberunterkunft am Robert-Schumann-Weg offenbar großen Eindruck hinterlassen haben. „Die Franzosen dachten, Sprache sei alles, was bei der Integration von Ausländern zähle“, berichtet Schlich. In den beiden besuchten Einrichtungen hätten sie aber erlebt, dass gemeinsames Kochen, Musizieren, Gärtnern und Sporttreiben ebenso verbinden könnten.

Die Geretsrieder schauen nun voller Vorfreude den Pfingstfeiertagen 2017 entgegen. Dann werden sie wie traditionell alle zwei Jahre wieder nach Chamalières reisen. Bis dahin bleibt Michael Müller noch etwas Zeit, sein Französisch zu perfektionieren.

von Tanja Lühr

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