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Will Danke sagen: Nachdem Ana Freitags (li.) Handtasche gestohlen wurde, standen ihr Tochter Annemarie und mehrere Nachbarn zur Seite. 

„Ich zittere immer noch“

Jugendliche entrissen Geretsriederin die Handtasche - Schock hält an

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Ana Freitag steht auch Tage danach noch unter Schock: Jugendliche haben ihr die Handtasche entrissen, als sie ihre Haustür aufsperren wollte. Doch in der Not haben ihr viele Nachbarn geholfen – dafür will sie Danke sagen.

Geretsried – Eine Leinentasche ist alles, was Ana Freitag (66) aus Geretsried in der Hand hält, als sie mit ihrer Tochter Annemarie (44) die Redaktion unserer Zeitung besucht. Von Handtaschen hat sie erst einmal genug. Sie wurde vor ihrem Haus überfallen. Ihre weiße Kunstledertasche samt Bargeld, Papieren und Handy ist weg. Was bleibt ist ein großer Schreck – und viel Dankbarkeit. „Es ist heute ja nicht mehr gang und gäbe, dass man beherzigt, wenn jemand Hilfe braucht“, sagt Tochter Annemarie. Doch das taten die Nachbarn ihrer Mutter am Samstag.

Zwei Jugendliche starren Ana Freitag unentwegt an

Den Abend verbringt die 66-Jährige bei ihrer Familie in Farchet. Um 22.20 Uhr steigt sie dort in den Bus, um nach Hause in ihre Wohnung an der Sudetenstraße in Geretsried zu fahren. Der Bus ist gut gefüllt, viele Jugendliche sind unterwegs. Zwei von ihnen starren Ana Freitag unentwegt an. Sie beunruhigt das nicht weiter. „Ich dachte, es sind vielleicht Handballer, die mein Mann einmal trainiert hat. Aber eigentlich waren sie zu jung für die Generation“, sagt die Geretsriederin im Nachhinein.

Ana Freitag hat die Haltestelle erreicht. Sie verlässt den Bus in ihrem weißen Mantel. Am linken Arm trägt sie ihre Handtasche. In der Hand hält sie ihren Hausschlüssel griffbereit. An der Tür des Mehrfamilienhauses steckt sie ihn ins Schloss. Gleichzeitig dreht sie sich um, weil sie denkt, hinter ihr ist ein Nachbarsjunge. Doch der ist es nicht. Die Jugendlichen sind ebenfalls aus dem Bus gestiegen und ihr gefolgt. Dann geht es ganz schnell: Einer schnappt sich die Handtasche. Dann rennen beide in verschiedene Richtungen davon. Die Rentnerin schreit so laut sie kann und läuft einige Meter hinterher. Doch die Jugendlichen sind entwischt.

Ältere Menschen sollten wachsam sein

Als sie zurückkommt, wartet schon der Nachbar vom Haus gegenüber auf sie. Bei ihm kann sie ihre Tochter anrufen. Die Polizei ist schon unterwegs, sie wurde von anderen Nachbarn alarmiert. Sie hatten die Schreie gehört. „Ich bin sehr dankbar, dass sie so hilfsbereit waren“, sagt Ana Freitag zwei Tage später beim Besuch in unserer Redaktion. Der Diebstahl hängt ihr nach. „Ich zittere immer noch“, sagt sie. Es sei wie im Film gewesen. Aus dem Augenwinkel habe sie nur die abgetretenen Schuhe des einen Jugendlichen gesehen. „Dem hätte ich meine 30 Euro auch so gegeben.“ Ana Freitag ärgert sich, dass sie so arglos war. Besonders ältere Menschen sollten wachsam sein, rät die 66-Jährige. „Es war schon komisch, wie die mich im Bus angestarrt haben.“

Tochter Annemarie macht sich Vorwürfe, dass sie ihre Mutter nicht nach Hause gefahren hat. „Ich wollte ein Taxi rufen“, sagt die 44-Jährige. Aber ihre Mutter wollte nicht, schließlich geht sie auch nach dem Fitnessstudio abends alleine nach Hause. Deswegen ist Ana Freitag auf ihre Tochter auch nicht böse. Im Gegenteil: „Sie hat sofort alle Karten gesperrt und macht auch sonst alles für mich“, sagt sie dankbar.

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