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Ein kleines Wäldchen trennte bislang die Aral-Tankstelle vom Nachbarhaus an der Elbestraße. Nun ließ der Tankstellen-Pächter etwa 20 Bäume fällen, darunter auch Bäume, die im Bebauungsplan als erhaltenswert eingezeichnet waren.

Gartenbaufirma verteidigt die Maßnahme

Kahlschlag: „Es kommen einem die Tränen“

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Ein Kahlschlag an der Elbestraße erzürnt die Anwohner. Auf dem Gelände der Aral-Tankstelle wurden zirka 20 Laubbäume abgesägt. Eine Nachfrage unserer Zeitung ergab: Ein Teil der Bäume hätte gar nicht gefällt werden dürfen.

Geretsried– Seit etwa einem Jahr besitzt Monika Westphal eine kleine Eigentumswohnung an der Elbestraße 25a und bisher war sie damit „sehr zufrieden“. Zwar befindet sich gleich nebenan die Aral-Tankstelle. Die aber war durch ein kleines Wäldchen vom Nachbargrundstück getrennt. Die Anwohner schauten also ins Grüne, „die Tankstelle störte überhaupt nicht“. Bis Freitag vergangener Woche. Da setzte nebenan das große Kettensägenrasseln ein.

Anwohner reagieren mit Unverständnis

Aus „unerfindlichen Gründen“, so schreibt Monika Westphal in einem Brief an unsere Zeitung, habe der neue Pächter der Aral-Tankstelle auf dem Gelände „einen kompletten Kahlschlag veranstaltet“. Übrig geblieben seien nur drei ältere Bäume, die noch dazu so „verstümmelt“ wurden, dass sie wohl nicht überleben werden. Der Anwohnerin ist es unverständlich, wie es erlaubt sein kann, völlig gesunde und zum Teil 30 bis 40 Jahre alte Laubbäume ohne jeden Grund abzusägen. „Es kommen einem als Bewohner einfach die Tränen, wenn man hilflos mit ansehen muss, wie ein Baum nach dem anderen vor dem Fenster ohne Grund gefällt wird, und man kann nichts dagegen tun“, so Westphal.

Nur noch die Stümpfe blieben übrig.

Ähnlich geht es ihrer Nachbarin Beate Paulerberg. Die Stadträtin der Grünen wohnt ebenfalls in dem Haus und hat sich deshalb an das Umweltamt gewandt. Laut Paulerberg waren in dem kleinen Wäldchen Verkehrssicherheitsmaßnahmen erforderlich. Darüber habe die Hausverwaltung auch mit dem Tankstellen-Pächter gesprochen. Unter anderem sollten tote Äste an den Bäumen entfernt werden. Doch was jetzt passiert sei, gehe zu weit. „Totholz gerne, Verkehrssicherung gerne, aber kein Kahlschlag“, sagt Paulerberg. Sie hätte sich hier mehr Sensibilität und eine bessere Kommunikation gewünscht.

Gesprächsbedarf besteht nun auch zwischen der Stadt und dem Tankstellen-Pächter. Wie der Pressereferent der Stadt, Thomas Loibl, auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt, hätte ein Teil der Bäume gar nicht gefällt werden dürfen. „Sie waren im Bebauungsplan als erhaltenswert eingezeichnet.“ Um wie viele Bäume es sich tatsächlich handelt, kann Loibl nicht sagen. Die Stadt werde nun das Gespräch mit dem Grundstücksbesitzer suchen. „Wir wollen Nachpflanzungen erreichen“, sagt Loibl. „Vielleicht klappt dieser erste Schritt.“0

Gartenbaufirma verteidigt die Maßnahme

Der Pächter selbst war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dafür meldete sich der Inhaber der von ihm beauftragten Gartenbaufirma bei unserer Zeitung. Er will aber nicht namentlich genannt werden. Der Unternehmer schickt voraus, dass seine Firma im Auftrag handle. Und natürlich gehe er davon aus, dass der Auftraggeber die erforderlichen Genehmigungen eingeholt hat. Ob dies im konkreten Fall so war, könne er nicht sagen.

Was der Fachmann aber sagen kann: „80 Prozent der Bäume waren total kaputt. Zum Teil hatten sie eine Schräge von 50 Prozent.“ Beim nächsten Sturm hätten diese Bäume jederzeit umstürzen können. Seine Firma, so sagt der Gartenbauer, habe bereits den Vorpächter der Tankstelle darauf hingewiesen, dass hier ein Sicherheitsrisiko besteht. Schließlich befindet sich nebenan auch ein Spielplatz. Aber erst dessen Nachfolger habe die Sache in die Hand genommen. „Dass man den Mann jetzt so angreift, finde ich unfair“, sagt der Gartenbauer. Er will nicht ausschließen, dass unter den 20 gefällten Bäumen auch der eine oder andere als erhaltenswert gekennzeichnete Baum war. „Aber da gibt es im Stadtgebiet viel schlimmere Beispiele“, sagt er, ohne ins Detail zu gehen. Die verbliebenen Bäume und Sträucher seien jedenfalls so zugeschnitten worden, dass sie wieder nachwachsen werden.

Den Anwohner dürfte dies nur ein schwacher Trost sein. „Die Wohnqualität hat enorm gelitten“, sagt Monika Westphal. „Ich mag überhaupt nicht mehr aus dem Fenster schauen.“

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