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Ein feierlicher Augenblick: Pater Georgios Siomos schneidet die Vasilopita an. Am dritten Tisch von links stehen Bürgermeister Michael Müller, dessen Vorgängerin Cornelia Irmer und ihr Mann Klemens sowie dahinter der scheidende Erzpriester Apostolos Malamoussis.

Neujahrsfest in den Ratsstuben

Griechen wünschen „Kali Chronia“

Geretsried - Ihr Neujahrsfest feierten die Griechen am Samstag in den Ratsstuben. Dabei wurden zwei Persönlichkeiten besonders geehrt.

In jedem Land werden Silvester und Neujahr anders gefeiert. Während wir in Deutschland Blei gießen, Raclette oder Fondue essen, backen die griechischen Frauen meist schon am 31. Dezember die Vasilopita, einen lockeren Hefeteigkuchen, der oft mit Mandeln verziert wird. In den Kuchen backen sie eine Münze ein. Am Neujahrstag wird die Vasilopita von der Familie gemeinsam verspeist. Wer in seinem Stück die Münze findet, soll dem Brauch zufolge das ganze Jahr über Glück haben.

In vielen Vereinen wird das Neujahrsfest auf diese Weise begangen, oft noch Tage und Wochen nach dem 1. Januar. In Geretsried gehört es zur Tradition, dass die Griechische Gemeinde dazu Mitglieder und Freunde in die Ratsstuben einlädt. Im Rahmen des Fests, bei dem, wie in der Heimat üblich, auch immer die Kinder mit Kleinigkeiten beschenkt werden, wurden heuer zwei Persönlichkeiten geehrt.

Zum einen bedankte sich der Vorsitzende der Gemeinde, Evangelos Karassakalidis, bei dem viele Jahre für Geretsried zuständigen Erzpriester Apostolos Malamoussis aus München. Er geht in den verdienten Ruhestand. Zum anderen dankte er Altbürgermeisterin Cornelia Irmer für die gute Zusammenarbeit in der Vergangenheit. Irmers Nachfolger Michael Müller lobte die Griechen wiederum für deren gelungene Integration in der Stadt. Den Brauch des Neujahrskuchens bezeichnete er als schöne Idee. „Erfolg braucht auch Glück“, meinte er im Hinblick auf die zahlreichen Herausforderungen, die Geretsried in der Zukunft zu meistern habe.

Auf Erzpriester Apostolos Malamoussis folgt Pater Georgios Siomos. Er segnete am Samstag die von den Frauen der Gemeinde zubereiteten Vasilopitas. „Ja, es ist schon so: Die Kirche segnet viel – letzte Woche die Gewässer, heute die Kuchen. Mancher mag sich nach dem Sinn fragen“, sagte der Priester. Dieser ergebe sich, wenn man das Gesegnete in Beziehung setze zu Gott. Das erste Stück Hefegebäck werde deshalb immer Christus gewidmet. Pater Georgios widmete es symbolisch dem Fremden oder Armen, der vielleicht unerwartet ins Haus kommen könnte. Denn: „Wir sollten Christus in jedem von uns entdecken.“ Altbürgermeisterin Irmer hatte zuvor Griechenland höchsten Respekt dafür gezollt, dass das Land „so unglaublich viele Flüchtlinge“ aufnehme. Dies sei keineswegs selbstverständlich.

Das zweite Kuchenstück ging an Bürgermeister Michael Müller, das dritte an Cornelia Irmer und das vierte an die griechische Fußballmannschaft Olympic Geretsried – „auf dass sie nächstes Jahr in der Bundesliga spielen“, wie Georgios scherzhaft meinte. Die beiden Glücksmünzen fanden Maria Achontaki und Irmers Mann, Diakon Klemens Irmer. Archontakis Ein-Cent-Stück wurde gegen eine kleine Ikone eingetauscht, Irmers Zwei-Cent-Stück gegen eine Goldmünze. Ein Kinderchor wünschte zum Schluss allen Besuchern mit einem Lied „Kali Chronia“, ein gutes neues Jahr.

von Tanja Lühr

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