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Das kenn’ ich doch: Der Blick von Astrid Pilz (li.) fiel sogleich auf die Produkte der Firma Houdek, die unter anderem in Starnberg Fleisch- und Wurstwaren produziert. Ursprung der Firma war ein kleiner Metzgerladen in Böhmen. 

Vom Budweiser Pils bis zur Pommerngans

„Kann Spuren von Heimat enthalten“: Sonderausstellung in Geretsried

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Karlsbader Oblaten, Budweiser Pils, Breslauer Gurkenhappen, Rügenwalder Wurst: Vieles von dem, was in den Supermarktregalen liegt, „kann Spuren von Heimat enthalten“. So heißt die Sonderausstellung im Museum der Stadt Geretsried.

Geretsried – Am Freitag wurde die Ausstellung eröffnet. Sie zeigt, wie sehr Essen und Trinken Ausdruck von Identität sind. Geretsried ist die erste Station der Wanderausstellung, die das Haus des Deutschen Ostens (HdO) in München zur Verfügung gestellt hat. Kuratiert hat sie die Vize-Direktorin des HdO, Brigitte Steinert. „Essen und Trinken gehören mit Atmung, Wärme und Schlaf zu den existenziellen physiologischen Bedürfnissen, ohne die ein Mensch nicht lebensfähig wäre“, sagte Steinert in ihrem Einführungsvortrag im Ratsstubensaal. Sich in bedrohlichen Lebenssituationen nicht mit ausreichend Nahrung versorgen zu können, sei für Menschen eine traumatische Erfahrung. Millionen Vertriebenen und Flüchtlingen sei es so ergangen – und vielen Menschen auf der Flucht ergehe es heutzutage genau so.

Essen und Trinken für Identität und Integration

Als sich die Lebensverhältnisse nach überstandener Flucht und Vertreibung langsam stabilisierten, „wurden Essen und Trinken zu zentralen Faktoren des Identitätserhalts und der Integration“. Dadurch konnte man zeigen, dass man seine einstmals gepflegte Kultur nach den entbehrungsreichen Jahren nicht verloren hatte. Man lud Gäste zu sich ein und bewirtete sie mit typischen Speisen. Gastgeber und Gast begegneten sich auf Augenhöhe.

Auch die Stadt ließ die Besucher der Ausstellung bewirten: Die Ratsstubenwirte tischten Rote-Beete-Suppe, Pustza-Schnitzel mit Spätzle, Marillen- und Zwetschgenknödel auf. Anschließend ging es ins Museum. Dort ist aus Platzgründen eine etwas verkleinerte Version der Ausstellung aufgebaut. Zu sehen sind etwa 50 Produktverpackungen, Kurzbiografien der Hersteller sowie Tafeln mit Herkunftsregionen und landestypischen Eigenheiten. Es geht um Rittergüter und Reste-Essen der Deutschbalten, um Pommerngans und Weizacker, um Siebenbürgen – Land des Segens – und um das schlesische Himmelreich.

Der Ursprung von Unilever liegt in Böhmen

Einige Lebensmittelbetriebe existieren nicht mehr – wie der von Ernst Müller. Die Firma produzierte Backzutaten und Gewürze. 2004 stellte das ehemalige Karlsbader Unternehmen den Betrieb ein. Die Marke Müller gibt es hingegen noch. Zu einem internationalen Konzern hat sich eine Seifensiederei aus Böhmen entwickelt: Die Rede ist von Unilever, einem der größten Hersteller von Verbrauchsgütern.

Übrigens: Original Karlsbader Oblaten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Geretsried hergestellt. Barbara Bayer hatte 1867 in Karlsbad die erste Oblatenbäckerei eröffnet. Ihre Nachfahren Herbert und Wilma Bayer fanden nach der Vertreibung in Geretsried eine neue Heimat.

Öffnungszeiten

Die Sonderausstellung „Kann Spuren von Heimat enthalten“ ist bis 30. September im Stadtmuseum an der Graslitzer Straße zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von jeweils 14 bis 16 Uhr sowie Donnerstag von 17 bis 19 Uhr.

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