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Stein um Stein: Auf dem Karl-Lederer-Platz laufen in diesen Tagen die Abbrucharbeiten.

Ein Bagger frisst sich durch

Karl-Lederer-Platz: Häuserzeile wird abgebrochen - so laufen die Arbeiten

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Das Dach in der Mitte ist schon weg, und der Bagger beißt sich immer weiter durch den 50er-Jahre-Bau am Karl-Lederer-Platz. Die Hausnummern 14 bis 20 sind bald Geschichte. Ein Besuch bei den Abbrucharbeiten.

Geretsried – Wer ein Legohaus abbauen will, schafft das mit wenigen Handgriffen. Die Steine nach Farbe und Größe zu sortieren, dauert hingegen viel länger. So ist das auch auf der Baustelle im Geretsrieder Stadtzentrum. Seit dem 24. April laufen die Abbrucharbeiten am Karl-Lederer-Platz 14 bis 18. Am Karl-Lederer-Platz 20 haben sie am 15. Mai begonnen. Davon war lange nichts zu sehen, doch nun hat sich der Abrissbagger zur Hausfassade durchgearbeitet. In der Mitte des Riegels klafft ein Loch.

Baumaschinenführer und Vorarbeiter Peter Sindlhauser (47) arbeitet sich vom Innenhof auf der Rückseite der Häuserzeile nach vorne. So konnte der Karl-Lederer-Platz möglichst lange von den Bürgern genutzt werden. Seit Anfang dieser Woche ist die Fläche, auf der bisher dienstags der Grüne Markt stattfand, von Bauzäunen umringt. Stein um Stein wird das Pflaster entfernt. „Wir bereiten parallel zu den Abbrucharbeiten schon alles für die Baugrube vor“, erklärt Projektleiter Dr. Christoph Gottanka (32).

An diesem Donnerstag sind die fünf Bauarbeiter der Firma Fiechtner aus Dürnhausen, die die Abbrucharbeiten für die Projekte „Puls G“ des Unternehmens Krämmel und „Centrum 20“ der Projekt KLP UG durchführen, hauptsächlich im Innenhof beschäftigt. Sindlhauser sitzt in seinem fast haushohen Bagger und packt mit seinem Greifer die Decke des obersten Stockwerks. Ein Knick nach oben und er kann die weiße Platte wie ein Stück von einer Tafel Schokolade auf den Schutt-Haufen am Boden ablegen.

Hausnummer 14 dienst als Schutzmauer zum Martin-Luther-Weg

Während der 47-Jährige Stück um Stück von dem ehemaligen Wohnhaus abbricht, steht Bauarbeiter Konrad Haberger (47) – gelber Helm, blaue Arbeitshose – am Fuße des Baggers und spritzt mit einem Feuerwehrschlauch Wasser auf den Baggergreifer. „Dadurch schützen wir die Arbeiter und die umliegenden Gebäude vor dem Staub“, erklärt Gottanka. Aus diesem Grund bleibt das Haus mit der Nummer 14 auch so lange wie möglich stehen – es dient quasi als Schutzmauer zum Martin-Luther-Weg. Die 20 wird als letztes in Angriff genommen. Wobei die Trennung nach Hausnummern nicht ganz richtig ist: „Wir tun so, als wäre es ein Gebäude“, erläutert der Projektleiter. Krämmel und KLP UG beschäftigen dasselbe Abbruchunternehmen, damit alles Hand in Hand geht.

Bisher wurde nur im rückwärtigen Teil gearbeitet, jetzt klafft auch in der Fassade das erste Loch. Von der Mitte ausgehend werden die Gebäude Stück für Stück dem Erdboden gleichgemacht.

„Die Bauarbeiter teilen sich die Aufgaben so auf, dass die Auslastung gleich bleibt“, sagt Gottanka. So werden nicht an einem Tag 20 Kräfte gebraucht und am nächsten nur zwei. Als es im April losging, war zunächst Entrümplung angesagt. „Die Häuser waren vermietet, und die Menschen sind gerade erst ausgezogen.“ Da bleibt manchmal auch ein Hamsterkäfig zurück.

„Gesamtbauzeit so kurz wie möglich halten“

Zeit brauchte auch die Entkernung – vor dem eigentlichen Abbruch müssen Heizkörper, Böden und anderes aus den Wohnungen raus. Alles wird feinsäuberlich getrennt. So ist das auch mit allen Baumaterialien, die Sindlhauser in seinen Greifer nimmt. Wenn Bauarbeiter Haberger kein Wasser spritzt, klaubt er Holz, Stahl, Dämmung und Bauschutt auseinander. Für größere Stücke gibt es noch einen zweiten Bagger. Die einzelnen Materialen werden recycelt.

Projektleiter ist Dr. Christoph Gottanka.

Um Platz für die getrennten Schutthaufen zu schaffen, haben die Männer parallel zur Entkernung die Garagen im Innenhof abgerissen. Die Häuser werden nicht auf einmal entkernt und abgebrochen. Begonnen wird in der Mitte. Währendessen reißen die Arbeiter rechts und links davon das Inventar heraus.

Für Sindlhauser ist all das keine Herausforderung. Er reißt schon seit 22 Jahren Häuser ab. Wobei: An seinen Bagger musste er sich erst gewöhnen. Der kam frisch aus dem Werk nach Geretsried – sein Vorgänger hatte schon 10.000 Arbeitsstunden drauf. „Vor Ort wurde per Laptop die Hydraulik extra für mich eingestellt“, sagt der 47-Jährige. Da habe jeder Baumaschinenführer seine Eigenheiten.

Aber dank personalisierter Hydraulik kann Sindlhauser Wand für Wand abgreifen. Der nächste Bagger steht bereit. Ende Juni sollen voraussichtlich die Arbeiten für die Baugrube beginnen. Gottanka: „Unser Anliegen ist, die Gesamtbauzeit so kurz wie möglich zu halten.“

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