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Schwerer Stand: Geretsrieds Rathauschef Michael Müller (li.) stellte sich am Samstag den Kritikern der geplanten Neugestaltung des Stadtzentrums.

Bürgermeister in Bedrängnis

Karl-Lederer-Platz: Viel Kritik an Zentrumsgestaltung

Geretsried – Bürgerbeteiligung ist nicht immer bequem. Das musste Bürgermeister Michael Müller (CSU) am Samstag erfahren. Dutzende von Geretsriedern machten ihrem Ärger über die geplante Zentrumsneugestaltung bei einer Infoveranstaltung der Stadt Luft.

Die Stadt hatte einen Heizlüfter im Zelt auf dem Karl-Lederer-Platz aufgebaut, um es den Bürgern bei dem nasskalten Novemberwetter ein wenig gemütlich zu machen. Doch die Stimmung war aufgeheizt genug, das Gedränge groß, sodass niemand schnell wieder ging, weil er fröstelte. Zu viele Fragen und Sorgen brannten den Anwohnern, Geschäftsleuten und interessierten Geretsriedern auch unter den Nägeln.

Bürgermeister Müller, der stellvertretende Bauamtsleiter Andreas Porer, Wirtschaftsförderin Annette Hilpert, Architekt Klaus Kehrbaum und Pressereferent Thomas Loibl standen an Stehtischen und vor den aufgehängten Plänen Rede und Antwort. Rund ein Dutzend direkter Anwohner des Karl-Lederer-Platzes haben sich wie berichtet einen gemeinsamen Anwalt genommen, um gegen die Neugestaltung vorzugehen. Eva Eberhardt und Doris Semmler setzten dem Rathauschef am Samstag zu. Semmler bezeichnete den geplanten, siebenstöckigen Krämmel-Bau als „Klein-Perlach“. Die „Schachteln“ und „Kästen“ würden das Zentrum Geretsrieds verschandeln und das Rathaus überdecken, sagte sie mit Blick auf das Baugenossenschafts-Gebäude. Eberhardt regte unter den umstehenden Projektgegnern gar einen Bürgerentscheid an.

Im Wesentlichen richtete sich die Kritik der Veranstaltungsbesucher gegen die Höhe des Krämmel-Neubaus und die damit einhergehende Verkleinerung und Verschattung des Karl-Lederer-Platzes. Müller wiederholte das Argument von Architekt und Stadtratsmehrheit (CSU-Fraktionssprecher Volker Reeh ist der einzige Kritiker), dass Geretsried als Mittelstadt eine „städtebauliche Markante“ brauche. Die Betreiberinnen des Fast Food-Restaurants „Subway“, Stephanie Wagner, und des Teeladens, Renate Siebert, sorgen sich vor allem wegen der bis zu fünf Jahre dauernden Großbaustelle. Siebert befürchtet den „Untergang für die noch bestehenden Läden“. Müllers Versprechen eines professionellen „Baustellenmanagements“ beruhigte die Geschäftsfrauen nicht.

Dankbar war der buchstäblich in die Ecke gedrängte Rathauschef über den wenigen Zuspruch, den er erhielt. Michael Kling, der im Blumenviertel wohnt, lobte die Stadt für ihren Mut, ein Projekt anzugehen, „das über die bisherige Klein-Klein-Bauerei hinausgeht“. „Ja, wir sind nicht mehr in den 1950er-Jahren“, sagte Rathauschef Müller. Eine Sorge will er den Bürgern diese Woche nehmen: Der Wochenmarkt soll probehalber auf dem geplanten verkleinerten Platz aufgebaut werden. Nach Meinung der Stadt werden dort künftig leicht alle Händler unterkommen.

Die bereits im Sommer eingegangenen und im Oktober vom Stadtrat behandelten, schriftlichen Bedenken und Anregungen werden zur Zeit in den Bebauungsplan eingearbeitet. In einer zweiten Auslegung werden die Geretsrieder erneut Gelegenheit haben, sich zu äußern. Sie werden die Möglichkeit der Beteiligung voraussichtlich wieder rege nutzen.

von Tanja Lühr

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