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Gemeinsam lernen: (v. re.) Tai, Vanessa und Anastasia nehmen das kostenlose Angebot gerne an. Möglich machen das (v. li.) Wulf von Schimmelmann von der Stiftung „Startchance“ sowie die Lehrerinnen Anna-Maria Jelic und Gertraud Josifescu-Vogl. foto: sabine hermsdorf-hiss

Karl-Lederer-Schule

Weil jeder eine Chance verdient

Geretsried - Seit gut einem Jahr gibt es die Aktion „Startchance“ an der Karl-Lederer-Schule. Gymnasiasten und Lehrer helfen Grund- und Mittelschülern freitags bei den Hausaufgaben und spielen im Anschluss mit ihnen. Eine Stiftung finanziert die für die Eltern kostenlose Nachhilfe.

Freitagnachmittag um 14 Uhr hat eigentlich niemand mehr große Lust auf Schule. Doch die Mädchen und Buben, die in den Klassenzimmern der Grundschule von der Stiftung „Startchance“ betreut werden, sitzen konzentriert über ihren Aufgaben. Dut aus der 2b übt zusammen mit der 16-jährigen Gymnasiastin Leah Zanth Deutsch. Er soll falsche Wörter durchstreichen, die sich in eine Reihe richtiger Wörter geschummelt haben. Die Viertklässler Vanessa und Tai gehen an einem anderen Tisch mit der Grundschullehrerin Anna-Maria Jelic einen Text über das alte Ägypten durch.

Man sieht an den Vornamen der Schüler, dass viele einen Migrationshintergrund haben. Viele, aber nicht alle. Ihren Eltern fehlen einfach die Zeit, das Geld oder auch das Wissen, um sie optimal zu fördern. „Wir wollen sozial benachteiligten Kindern die Chance auf einen Schulabschluss geben, egal woher sie kommen“, erklärt Wulf von Schimmelmann, der Gründer der Stiftung „Startchance“. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler war acht Jahre lang Vorstandschef der Postbank und engagierte sich dort bereits für Kinder in Not. 2014 rief er die Stiftung mit Sitz in Leoni, Gemeinde Berg, ins Leben.

Das Prinzip seines Projekts ist einfach: Die Klassenlehrer nennen der Stiftung schwache Schüler. Diese werden einmal wöchentlich von Gymnasiasten und Pädagogen gecoacht. Dafür erhalten die Coaches einen Stundenlohn von der Stiftung. Die wiederum verfügt über ein Grundkapital und finanziert sich darüber hinaus durch Spenden örtlicher Unternehmen. Ein Steuerberater übernimmt die Buchhaltung ebenfalls als Spende. „Die Firmen geben gerne Geld, weil sie wissen, dass es hier in der Region bleibt. Sie unterstützen sozusagen die Förderung ihrer Mitarbeiter von morgen“, sagt von Schimmelmann. An Schulen in Starnberg, Schäftlarn, Geretsried und seit heuer Berg sind die Coaches im Einsatz.

An der Karl-Lederer-Schule kümmern sich sieben Gymnasiasten und vier Lehrer um aktuell 22 Kinder. Stiftungsmitglied Gertraud Josifescu-Vogl, selbst Lehrerin an der Dietramszeller Grundschule, wählt die Betreuer aus und teilt ihnen ihre Schützlinge zu. „Ich erkundige mich an den weiterführenden Schulen, wer Nachhilfe anbietet“, sagt sie. Ihren Kollegen, den Dietramszeller Mittelschullehrer Christian Hagel, brauchte sie nicht lange um Unterstützung zu bitten. „Ich bin einfach gerne Lehrer. Die Arbeit hier macht mir Spaß, weil das Konzept stimmt und die Kinder motiviert sind“, sagt Hagel. Er unterrichtet zurzeit eine fünfte Klasse. Deshalb hilft er auch in Geretsried Fünftklässlern. Das Übungsmaterial bringt er selber mit.

„In zwei bis drei Jahren, wenn unsere älteren Schüler ihren Abschluss machen, ernten wir hoffentlich die ersten Erfolge unserer Arbeit“, freut sich Wulf von Schimmelmann. Dem Stiftungsvorsitzenden geht es aber um mehr: Nicht nur die schulische Bildung soll gefördert werden, sondern auch die Persönlichkeitsbildung, erklärt der 69-Jährige. Deswegen stehen regelmäßig Ausflüge auf dem Programm. Die Geretsrieder waren zum Beispiel in den Garmischer Bergen, im Deutschen Museum oder mit dem Isarranger unterwegs in den Isarauen. „Für manche Kinder ist es das erste Mal, dass sie in den Circus Krone kommen, ins Museum oder in den Tierpark Hellabrunn“, sagt Gertraud Josifescu-Vogl. 70 Kinder betreut die Stiftung an den vier genannten Schulen. Von Schimmelmanns nächstes Ziel sind 100. Wer ihn und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter unterstützen möchte, erfährt Näheres im Internet unter www.startchance.org.

Tanja Lühr

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