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Offene Türen: Die Regierung von Oberbayern ließ Schüler, Lehrer und Elternvertreter der Geretsrieder Realschule und des Gymnasiums am Montag einen ausgiebigen Blick in die Gemeinschaftsunterkunft an der Jahnstraße werfen. 

Schulen besichtigen Asylbewerberunterkunft 

„Keine Spur von Luxus“

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Geretsried - Schüler und Lehrer des Geretsrieder Gymnasiums und der Realschule sowie Elternvertreter hatten am Montag die Gelegenheit, die Gemeinschaftsunterkunft an der Jahnstraße zu besichtigen. Dort sollen bis zu 250 Asylbewerber eine Bleibe finden.

Aktuell leben in der Gemeinschaftsunterkunft am Schulzentrum 26 Personen: fünf Familien sowie alleinstehende Männer aus Afghanistan, Pakistan, dem Irak, Syrien und Nigeria. Sukzessive wird die Zahl erhöht – sobald die Regierung von Oberbayern, die die Einrichtung betreibt, ein Sicherheitsunternehmen beauftragt hat. Die Ausschreibung ist erfolgt, laut Regierungsdirektor Ulrich Stemmler haben sich drei Dienstleister beworben. Die Entscheidung fällt im April. Vor diesem Hintergrund hatte Stemmler bei einem Infoabend in Geretsried wie berichtet vorgeschlagen, einen „Tag der offenen Tür“ zu organisieren, bevor die Anlage weiter belegt wird.

In den zwei Neubauten riecht’s nach frischer Farbe, die Küchenherde und -spülen glänzen, die weißen Waschmaschinen stehen akkurat in Reih und Glied. Um die Flüchtlinge kümmern sich zahlreiche helfende Hände. Abdul Waheed Yarzada und Aleksandra Davidovic vom Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“ beispielsweise sind erfahrene Asylsozialberater. „Wir erklären den Ankommenden, wie die Dinge in Deutschland geregelt sind“, erklärt Davidovic den Schülern. Das Motto lautet: „Hilfe zur Selbsthilfe.“ Das unterstreicht die Asylkoordinatorin der Stadt Geretsried, Suzan Jarrar. Für die Gemeinschaftsunterkunft sei an zwei Asylbewerberhelferkreise gedacht: einmal besetzt aus Schülern und Lehrern, der zweite aus Vertretern der Stadt und Schülereltern.

„Die Menschen machen hier keinen Urlaub, hinter jedem liegt ein Schicksal“, sagt Rainer Gramann, Verwaltungsleiter der Unterkunft. 75 Zwei-Bett-Zimmer gibt es, 20 Fünf-Bett-Zimmer, auf jeder Etage getrennte Sanitärräume für Frauen und Männer sowie eine Küche mit 32 Kochstellen. Auch Gramann legt Wert darauf, die Asylbewerber zur Selbstständigkeit anzuleiten. „Wenn’s nicht funktioniert, erstellen wir zum Beispiel Putzpläne.“

„Ich bin beeindruckt. Das ist eine schöne Einrichtung“, stellt Annette Ehrhard, Mitglied des Elternbeirats der Realschule beim Rundgang fest. Sie schränkt jedoch ein: „Von Luxus kann überhaupt keine Rede sein.“ Das sieht Realschulleiter Christian Zingler genauso: „Schon deshalb ist es gut, dass wir das hier einmal live sehen konnten.“

Die beiden Achtklässlerinnen Nele und Dina haben keinen Raum ausgelassen. „Das ist sehr nüchtern hier“, sagt Dina in einem Zwei-Bett-Zimmer. „Keine Spur von Luxus“ hat die 15-Jährige entdeckt. „Aber ich wäre zufrieden, wenn ich vor Krieg oder Terror hierhin geflüchtet wäre“, ergänzt Nele (15). Ihnen sei es wichtig gewesen, sich persönlich ein Bild von der neuen Gemeinschaftsunterkunft machen zu können. „Natürlich wird auf dem Schulhof viel geredet“, sagt Nele. „Aber wir haben das hier jetzt gesehen und können so manches Vorurteil ausräumen.“

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