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Jetzt urteilte das Schöffengericht

In Asylunterkunft: Afghane (28) missbrauchte Kinder

Geretsried – Schuldig des sexuellen Missbrauchs von Kindern: So lautete das Urteil gegen einen Afghanen (28). Die Beschreibung der Tathergänge ist erschütternd.

Als der zweite Verhandlungstag beginnen sollte, blieb auf der Anklagebank der Platz neben der Verteidigerin leer. Der Angeklagte war nicht erschienen. Erst eine Stunde später, nachdem das Gericht längst eine Streife losgeschickt hatte, um den Mann von der Arbeitsstelle oder seiner Unterkunft herzuschaffen, stand er plötzlich in der Tür zum Gerichtssaal 1 – er zitterte, zog die Luft in kräftigen Zügen ein und trug beim Ausatmen eine Alkoholfahne vor sich her.

Angeklagter: "Sie glauben den Kindern, aber nicht mir"

„Mir geht es nicht so gut“, stammelte der 28-Jährige. Die Nacht habe er in München bei Bekannten verbracht und getrunken. Dann legte er dem Gericht eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor, die ein Wolfratshauser Psychiater vor drei Tagen ausgestellt hatte. Schwer atmend erklärte der Asylbewerber seine extreme Angespanntheit: „Sie glauben den Kindern, aber nicht mir.“

Womöglich hätte das Gericht die ihm zur Last gelegten Taten in einem etwas anderen Licht betrachten können, wenn der Angeklagte sich zu den Vorwürfen geäußert hätte. Aber das tat er mit keiner Silbe. Weder am ersten Verhandlungstag (wir berichteten), noch am Dienstag, nachdem die medizinisch-psychologische Gutachterin ihn untersucht und einen „guten Allgemeinzustand“ und somit Verhandlungsfähigkeit attestiert hatte.

Ein Bub berichtet über die Vorkommnisse in der Asylunterkunft

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstags wurde ein weiterer Junge gehört, der bei den Vorkommnissen, die sich zwischen dem 1. November 2014 und Anfang März 2015 im Zimmer des Angeklagten in einer Geretsrieder Flüchtlingsunterkunft ereignet haben sollen, zugegen war. Bei der Anhörung des Jungen waren die Öffentlichkeit sowie der Angeklagte ausgeschlossen. Während der Zeuge im Sitzungssaal die Vorwürfe gegen den Beschuldigen bestätigte, ging dieser schnaubend und sichtlich angespannt auf dem Gerichtsflur im Kreis.

Der Asylbewerber, der inzwischen einer regelmäßigen Arbeit nachgeht, war und ist offenbar in einer sehr schlechten psychischen Verfassung und deshalb seit zwei Jahren in psychiatrischer Behandlung, wie seine Verteidigerin mit einigen Attesten belegte. Nach einem Selbstmordversuch war er 2014 zwei Wochen in einer Fachklinik behandelt worden. Als Grund für seine Suizidgedanken gab er neben „allgemeinen Angstzuständen, abgeschoben zu werden“ an, sich von Kindern extrem gestört gefühlt zu haben. Weiter ins Detail ging er nicht.

Das Urteil des Schöffengerichts

Im Namen des Volkes: Ein 28-jähriger Afghane ist am Dienstag vom Jugendschöffengericht in Wolfratshausen zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Das Schöffengericht sah es durch die Zeugenaussagen der im Tatzeitraum überwiegend 13 Jahre alten Schülerinnen und Schüler als erwiesen an, dass der Angeklagte sich des sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen schuldig gemacht hatte. „Was sie getan haben, ist die Vorstufe zum Analverkehr“, hielt der Vorsitzende Richter Urs Wäckerlin dem Angeklagten vor, dem unter anderem zu Last gelegt worden war, sich mit erigiertem Glied von hinten an zwei Junge geschmiegt zu haben. „Sie hatten zwar keinen Kontakt mit der Haut, aber das ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.“
 
Die Staatsanwältin hatte drei Jahre Gefängnis beantragt, die Verteidigung auf eine Bewährungsstrafe plädiert. „Das Gericht möchte klar stellen, dass es auch bei einer niedrigeren Strafe keine Bewährung ausgesprochen hätte“, betonte Wäckerlin. Dafür fehlten die erforderlichen „besonderen Umstände“, beispielsweise ein Geständnis des Angeklagten.

von Rudi Stallein

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