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Alles richtig gemacht: Die neunjährige Kimberley Brylka aus Geretsried reagierte professionell, nachdem ihre Mutter Stephanie zu Hause zusammengebrochen war.

Kleine Heldin Kimberley

Mutter bewusstlos: Tochter (9) setzt perfekten Notruf ab

Geretsried - Die Mama liegt regungslos auf dem Boden und atmet kaum noch. Da macht ihre neunjährige Tochter genau das Richtige.

An jenen Montagnachmittag erinnert sich Kimberley noch sehr genau. „Mama hat meine Schwester aus dem Bettchen geholt und wollte ihr etwas zu essen geben“, erzählt die Neunjährige. Plötzlich habe ihre Mutter sie gebeten, kurz auf die kleine Schwester aufzupassen. „Mir geht es nicht gut“, erklärte Stephanie Brylka der fragenden Tochter.

Brylka bekam schwer Luft, „konnte nicht mehr richtig atmen.“ Deshalb sei sie auf den Balkon gegangen. „Ich habe gehofft, dass es dort besser geht“, erinnert sich die Mama. Das Gegenteil jedoch war der Fall: Ihr ging es immer schlechter. Schließlich brach die Geretsriederin zusammen. Die erste, die sie fand, war Kimberley. Der Vater war nicht zu Hause, die Viertklässlerin also alleine mit der quengelnden, 14 Monate alten Amy Jolene – und auf dem Balkon lag ihre hilflose Mutter.

Neunjährige wählt die Notrufnummer

„Ich bin schnell zum Telefon gelaufen und habe die 112 gewählt“, berichtet die Neunjährige. „Dem Mann, der sich gemeldet hat, habe ich dann erzählt, was passiert ist.“ Es klingt, als sei dies für sie ein Kinderspiel gewesen, so locker, wie wie die Grundschülerin das sagt. Danach habe sie ihren Vater angerufen, der sich sofort auf den Weg nach Hause machte. Woher sie wusste, was in dieser Schocksituation zu tun ist? „Na, das habe ich in der Schule gelernt“, sagt Kimberley cool.

Die Rettungssanitäter waren schnell vor Ort – und überrascht, wie besonnen das Kind reagiert hatte. „Das ist absolut bemerkenswert“, sagt Christoph Fischer von der Integrierten Leitstelle in Weilheim auf Nachfrage unserer Zeitung. Dass sich das junge Mädchen in dieser emotionalen Extremsituation „so adäquat äußern konnte und so professionell damit umgegangen ist, verdient den höchsten Respekt“. Viele Erwachsene würden in solchen Anrufen weitaus hysterischer und weniger hilfreich reagieren als die kleine Kimberley aus Geretsried. Auch auf die weiteren Fragen aus der Leitstelle habe sie problemlos antworten können. Die Schülerin sieht das nicht so dramatisch: „Viel haben die mich eh nicht gefragt.“ Während die Sanitäter unterwegs zur Wohnung der Brylkas waren, beruhigte Kimberley ihre kleine Schwester. „Sie wollte zur Mama und hat natürlich nicht verstanden, warum das nicht geht.“

Sanitäter belohnen die Schülerin

Wenige Augenblicke später standen sieben Helfer auf dem Balkon um Stephanie Brylka herum. Glücklicherweise war sie da schon wieder einigermaßen stabil. „Aber ich musste für weitere Tests in die Wolfratshauser Kreisklinik.“ Ihre Tochter blieb daheim. Ein Freund der Familie passte auf Kimberley und Amy Jolene auf. Im Krankenhaus wurde nichts Gravierendes festgestellt. Die Nacht konnte die Mutter schon wieder im Kreise ihrer Lieben verbringen. Was genau zu ihrem Kreislaufzusammenbruch geführt hat, weiß sie allerdings noch nicht. Die Tests hätten bislang kein Ergebnis gebracht.

Kimberley war natürlich heilfroh, als die Mama wieder nach Hause gekommen ist. Für ihre Heldentat erhält die Schülerin nun noch eine Belohnung: „Die Sanitäter haben ihr angeboten, eine Rettungsstelle von innen zu zeigen“, berichtet Stephanie Brylka merklich stolz auf ihre kleine Heldin.

Dominik Stallein

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