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Königsdorf: Rathauschef Rainer Kopnicky über Corona, Projekte und luftige Momente

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Von: Peter Borchers

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Bürgermeister Rainer Kopnicky vor dem Baufeld an der Mooseuracher Straße/Ecke Sedelmeierstraße, auf dem die neue Turnhalle mit Räumen für die Mittagsbetreuung entstehen soll.
Bürgermeister Rainer Kopnicky vor dem Baufeld an der Mooseuracher Straße/Ecke Sedelmeierstraße, auf dem die neue Turnhalle mit Räumen für die Mittagsbetreuung entstehen soll. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Die Corona-Krise und ihre Begleiterscheinungen bremsten Rainer Kopnicky auch in seinem zweiten Jahr als Königsdorfer Bürgermeister aus. Trotzdem ist der 53-Jährige nicht unzufrieden mit dem, was Gemeinderat und Verwaltung heuer unter seiner Führung erreicht haben.

Königsdorf – Die Corona-Krise und ihre Begleiterscheinungen bremsten Rainer Kopnicky auch in seinem zweiten Jahr als Königsdorfer Bürgermeister aus. Vieles von dem, was das Amt eines Rathauschefs ausmacht – Besuche bei Vereinen, Festen und Veranstaltungen beispielsweise, – war ihm wegen der Pandemie immer noch nicht so möglich wie zu normalen Zeiten. Trotzdem ist der 53-Jährige nicht unzufrieden mit dem, was Gemeinderat und Verwaltung heuer unter seiner Führung erreicht haben.

Herr Kopnicky, die Pandemie bestimmt nach wie vor unseren Alltag. Inwiefern beeinflusst sie Ihre Arbeit?

Kopnicky: Corona begleitet uns ständig. Täglich erhalten wir neue Mitteilungen, ob nun aus dem Ministerium oder aus dem Landratsamt. Wie man sich beispielsweise im Kindergarten zu verhalten hat? Was die Kolleginnen und Kollegen dort zu beachten haben. Was bei einer Trauung im Standesamt erlaubt ist und was nicht. Von außen betrachtet mag das keinem auffallen, aber intern bindet das doch sehr viel Zeit.

Hat sich nach fast zwei Jahren Pandemie in diesem Punkt nicht eine gewisse Routine eingestellt?

Kopnicky: Ja und nein. Auf der einen Seite automatisieren sich Abläufe natürlich. Andererseits ändern sich die Infektionszahlen ja ständig, woraus sich immer wieder neue Vorschriften ergeben, die wir innerhalb von ein, zwei Tagen, manchmal auch übers Wochenende, umsetzen müssen. Wir sind mittlerweile bei der 15. Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung.

Sie sagen: Corona bindet sehr viel Kraft und Zeit. Bleiben aus diesem Grund andere Dinge liegen?

Kopnicky: Die Arbeit im Gemeinderat als Exekutivorgan ist verpflichtend. Insofern läuft die also normal. Aber alles außer der Reihe – Sondersitzungen, Tagungen und Klausuren beispielsweise – fallen weg. Und das bedauere ich. Denn gerade was die bauliche Entwicklung in unserer Gemeinde anbelangt, auch die Entwicklung des Verkehrs oder die Jugendarbeit, hier speziell die vom Gesetzgeber geforderte Einführung der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen ab 20026/27, für das alles besteht viel Gesprächsbedarf. Insofern behindert uns die Pandemie, es geht ja um wegweisende Entscheidungen.

Sie haben gerade die bauliche Entwicklung erwähnt, worunter einerseits die Schaffung von neuem Wohnraum für die Dorfbewohner, aber auch Projekte wie die neue Turnhalle samt Kinderbetreuung sowie die Erweiterung des Bauhofs zu fassen sind. Sind Sie – trotz aller aktuellen Hindernisse – mit dem Status quo zufrieden?

Kopnicky: Bei den beiden angesprochenen Bauprojekten sind wir mittendrin in den Auftragsvergaben. Und toi, toi, toi: Für die Maßnahme Bauhof haben wir bislang relativ gute Preise bekommen. Das ist in dieser, von Lieferkettenproblemen und Materialengpässen gekennzeichneten Zeit kein Selbstläufer. Das wünsche ich mir natürlich jetzt auch für die Turnhalle samt Mittagsbetreuung, dieses Projekt ist ja noch einmal eine Hausnummer größer. Beides bindet natürlich Kapazitäten – im technischen Bauamt wie auch bei mir. Gerade sind wir dabei, die Baumeisterarbeiten über den Winter auszuschreiben. Dann hoffen wir auf gute Angebote. Schlimm wäre es, wenn die Preise nun so steigen, dass uns das Projekt finanziell überlasten würde.

Das Budget für Turnhalle samt den Räumen für die Mittagsbetreuung liegt bei ...?

Kopnicky: ... 5,4 Millionen Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Freiräumung des Baufelds. Damit liegen wir zwischen 6,2 und 6,4 Millionen Euro. Die Baufeldfreimachung leisten wir aus dem Vermögenshaushalt. Auch für die Erweiterung und im Nachgang die Sanierung des Bauhofs werden wir keine Kredite aufnehmen. Den Bau der Turnhalle mit Räumlichkeiten für die Mittagsbetreuung wollen wir allerdings komplett fremdfinanzieren, um finanziell handlungsfähig zu bleiben. Klar ist deshalb: Der Haushalt 2022 wird nach längerer Zeit mal wieder genehmigungspflichtig sein.

Sie setzen also auf eine ordentliche Reserve im Vermögenshaushalt. Fürchten Sie sinkende Steuereinnahmen durch die Pandemie?

Kopnicky: Wir haben sehr viel Handwerk im Ort, deshalb sehe ich bei der Gewerbesteuer weniger Probleme. Es zeichnet sich allerdings ab, dass die Einkommensteuer-Beteiligung, unsere zweite Haupteinnahmequelle, leicht rückläufig ist. Deshalb müssen wir vorsichtig agieren und unsere Reserven im Auge behalten.

Zumal sich in diesem und vergangenem Jahr relativ unvorhergesehen ein Problem aufgetan hat, dessen Lösung nicht billig werden dürfte: die Sturzfluten nach den zunehmenden Starkregenereignissen.

Kopnicky: Stimmt. In diesem Fall reden wir über Planungskosten und tatsächliche Baukosten über mehrere Jahre verteilt. Innerhalb eines Haushaltsjahrs lässt sich das weder technisch noch finanziell bewältigen. Von den Fachämtern haben wir jetzt immerhin das Signal bekommen, dass Planungskosten eventuell förderfähig sind. Ob’s für die technische Umsetzung dann auch Zuschüsse gibt, darüber wissen wir aber noch gar nichts.

Wie ist der aktuelle Stand in Sachen künftiges Sturzfluten- beziehungsweise Hochwassermanagement?

Kopnicky: Wie eben angedeutet hatten wir Mitte Dezember ein erstes Gespräch mit dem Wasserwirtschaftsamt in Weilheim bezüglich möglicher Förderungen von Planungskosten. Ob wir die tatsächlich in Anspruch nehmen, muss der Gemeinderat entscheiden. Denn solch ein Prozedere kostet natürlich wieder mehr Zeit. Wir arbeiten zwar bereits mit einem Fachbüro zusammen, ich denke aber, dass dann auf Anraten der Behörde weitere spezialisiertere Experten benötigt werden. Die Planungskosten dürften in diesem Fall höher sein, als wenn wir Aufträge freihändig vergeben und punktuell, wie durch unser hinzugezogenes Planungsbüro geschehen, zunächst den Brennpunkt Osterhofen/Niederham betrachten. Aber wie gesagt: Darüber muss der Gemeinderat befinden.

Die Gemeinde wird das Hochwasserproblem aber nicht alleine lösen können.

Kopnicky: Nein. Es geht nur miteinander. Wir als Gemeinde müssen versuchen, unser Straßenentwässerungssystem zu verbessern. Es liegt aber auch an den Grundeigentümern, ihr Hab und Gut selbst so gut wie möglich abzusichern. Und wir müssen herausfinden, wo diese Wässer herkommen und welche Schutzmaßnahmen dagegen Sinn machen. Auch das müssen wir im Gespräch mit den Grundeigentümern herausfinden. Wir sind auf ihre Mitarbeit angewiesen, beispielsweise wenn Rückhalteeinrichtungen beziehungsweise anderweitige bauliche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Die ersten Untersuchungsergebnisse unseres Fachbüros wollen wir den Grundeigentümern in Niederham und Osterhofen im Januar vorstellen – nachdem wir im Rat über die Fördermöglichkeiten gesprochen haben. Gegebenenfalls ist noch eine Information diesbezüglich im Gemeindeblatt geplant.

Haben Sie sich einen Zeitrahmen gesetzt, innerhalb dem Sie das Sturzfluten- und Hochwassermanagement umgesetzt haben wollen?

Kopnicky: Generell bin ich schon jemand, der ein Problem so schnell wie möglich lösen möchte. In diesem Fall aber ist die Problematik sehr komplex. Ich stelle mich auf einen mehrjährigen Prozess ein. Das zeigen Beispiele in anderen Kommunen. Und über allem steht die Frage, ob und wie wir es finanziell stemmen können. Immerhin ist die Sturzfluten-Thematik auch wegen der Ereignisse heuer im Ahrtal stärker in den staatlichen Fokus gerückt.

Pandemie, Lockdowns, zerstörerische Sturzfluten – das sind keine schönen Dinge, mit denen sich ein Bürgermeister befassen muss. Deshalb unsere letzte Frage an Sie: Gab es etwas, ein Ereignis in diesem Jahr, das alle Probleme mal für ein paar Stunden in den Hintergrund gedrängt hat?

Kopnicky: Da fallen mir zwei Dinge ein. Ich habe im Sommer ein junges Paar getraut, das ich auch persönlich kenne. Die beiden hatten im Vorfeld starke Bedenken, dass Corona ihren großen Tag beeinträchtigen könnte, sie ihn schlimmstenfalls sogar absagen müssen. Aber alles hat wunderbar geklappt. Sie waren so glücklich und haben mir im Nachgang tolle Fotos geschickt. Das war eine schöne Geschichte, die mich sehr gefreut hat. Und dann bin ich von der Haltergemeinschaft des Segelflugplatzes in Wiesen zu einem Rundflug eingeladen worden. Das erste Mal seit über 20 Jahren saß ich wieder in einem Segelflugzeug – allerdings nicht sehr lange, weil die Thermik an diesem Tag nicht die beste war. Deshalb ging’s anschließend mit der Mü30, dem Schleppflugzeug der Studentengruppe Akaflieg der Münchner Hochschulen, nochmals in die Luft. Der Rundflug über unser Voralpenland bei schönstem Sonnenschein war wunderbar. Von oben wirken halt alle Probleme längst nicht mehr so groß.

peb

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