Blick auf die Isar bei Geretsried
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Ausblicke wie diesen auf die Isar kann man während der Tour genießen.

OBERLANDTOUREN

Mit dem Radl von Wolfratshausen zum Bibisee: Familienausflug mit Almfeeling

  • vonRudi Stallein
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Im Oberland gibt es unzählige Möglichkeiten, einen Ausflug zu machen. Eine davon ist eine Radtour von Wolfratshausen an den Bibisee. Der perfekte Familienausflug mit Almfeeling.

Wolfratshausen – Ebene Wege durch schattige Wälder, eine Alm im flachen Land und ein kuscheliger Badesee mit Wasserrutsche, Planschbecken und Grillstation machen diese 35-Kilometer-Runde von Wolfratshausen zum Bibisee und zurück zum Erlebnis für die ganze Familie. Wir haben als Start- und Zielpunkt den S-Bahnhof in Wolfratshausen gewählt. Von dort nehmen wir den Fuß- und Radweg, der parallel der Gleise stadtauswärts Richtung Geretsried führt. An der Brücke, die den Loisach-Isar-Kanal überquert, müssen die Radler sich entscheiden: Eilige, die es nicht erwarten können, ihre Badetücher am See auszubreiten, treten geradeaus in die Pedale. Der Weg führt dann (fast) geradewegs zu dem aus einem Kiesabbau entstandenen Badesee im Königsdorfer Ortsteil Wiesen. Naturliebhaber biegen nach der Brücke links ab und folgen den Schildern zum „Isar-Radweg“. Der ist drei Brücken weiter erreicht.

Ein Kreuz mit Geschichte

Dort, wo das Wasser des Kanals in die Isar rauscht, zweigen wir rechts ab. Die nächsten sieben, acht Kilometer radelt es sich genüsslich durch herrlichen Mischwald, den Wolfratshauser Forst. Falls nötig, bieten sich unterwegs etliche Holzbänke zum Verschnaufen ein. Bald zieht am Wegrand ein großes Kreuz die Blicke auf sich. Nichts weist darauf hin, welch tragische Liebesgeschichte hinter dem sogenannten „Roten Kreuz“ steckt. Vor vielen 100 Jahren soll sich eine – selbstredend schöne – Wolfratshauerin namens Philomena in einen Flößer verliebt haben. Nun galten Angehörige dieses Berufsstandes zu jener Zeit als Hallodris, weshalb der Vater seiner Tochter die Beziehung verbot. Stattdessen schickte er sie als Dienstmagd auf eine nahe Burg. Die Legende will es, dass sich der Flößer davon nicht abwimmeln ließ, seine Geliebte aufstöberte und mit ihr floh. An der Isar, wo sie auf ein Floß warteten, holten Häscher die Liebenden jedoch ein. Mädchenraub wurde seinerzeit hart bestraft. Dessen bewusst, entschied sich der Lover dafür, lieber aus dem Leben zu scheiden, statt in der Folter zu leiden. Er rammte sich ein Messer in die Brust. An der Stelle der Bluttat soll Philomena bald darauf ein Kreuz errichtet haben. Mehrmals wurde es im Laufe der Jahrhunderte erneuert, zuletzt im Jahr 1987.

Radeln durch herrlichen Mischwald: Viele Wege liegen im Schatten.

Auf der Weiterfahrt blitzt links gelegentlich die Isar durch die Bäume. An vielen Stellen führen ausgetretene Pfade durch den Wald hinab an den Fluss. Am Radweg abgestellte Bikes sind meist ein Indiz dafür, dass sich in nicht allzu weiter Ferne ein Platz befindet, wo man sich im Wasser erfrischen oder ein kurzes Sonnenbad genießen kann. Aber Achtung: Wir befinden uns im Naturschutzgebiet Isarauen. Darauf weisen etliche Schilder hin, inklusive Verhaltensregeln, die jeder Wanderer und Radfahrer tunlichst befolgen sollte. Das gilt besonders für das Betretungsverbot der speziell gekennzeichneten Vogelschutzbereiche.

Schöne Blick auf die Isar

Der Isar-Radweg stößt nach ein paar Kilometern an eine größere Gabelung. Eine überdachte Tisch-Bank-Garnitur lädt hier dazu ein, den Picknickkorb auszupacken. Eine große Tafel mit vielen bunten Bildern informiert über die Vögel im Schutzgebiet. Hier biegen wir links ab, folgen dem Wegweiser Geretsried-Zentrum und haben nach wenigen 100 Metern zum ersten Mal freien Blick auf die Isar, die sich von Süden kommend in einem Knick gen Wolfratshausen windet. Kurz darauf mündet der Waldweg in die Straße Isardamm. In diese biegen wir nach links und folgen ihr rund drei Kilometer. Am Geretsrieder Eisstadion tauchen wir wieder in den Wald ein. Dem schattigen Weg folgen wir, bis zwei unübersehbare Stopp-Schilder den Übergang an der viel befahrenen Tattenkofener Straße markieren. Kurz vorher zweigt unser Weg rechts ab Richtung „Geretsried-Zentrum“ bis zur Kreuzung am Friedhof.

Ab hier braucht es ein bisschen Orientierungssinn, wenn man den Geretsrieder Süden auf dem Radweg umfahren will: An der Ampel überqueren wir die Adalbert-Stifter-Straße, halten uns rechts an der Bushaltestelle, fahren dort auf den Radweg Richtung Wolfratshausen, an der ersten Wegkreuzung links bis zur Gabelung, ab dort geben die Radwege-Schilder Richtung Königsdorf wieder Orientierung. Ein kurzes Stück geht es über öffentliche Straßen, vorbei am Verkehrsübungsplatz am Robert-Schumann-Weg. An dessen Ende haben wir wieder gepflegten Radweg unter den Reifen.

Das Schild mit der stilisierten Jakobsmuschel weist darauf hin: Nun befinden wir uns auf einem Teilstück des Jakobswegs. Bald steht zum ersten Mal „Bibisee“ als Ziel auf den Wegweisern. Linker Hand kündigt bald eine bucklige, mit Kiefern bestandene Weide den nächsten Zwischenstopp an: Die Königsdorfer Alm lockt mit Steckerlfisch und Bier vom Fass zur Einkehr.

Spaß und Speis‘ am Bibisee

Wer mit Kindern unterwegs ist, kommt an dem gemütlichen Biergarten sowieso nicht vorbei, wenn die Sprösslinge erst den am Radweg liegenden Spielplatz mit Kletterturm und die herumtollenden Goaßn entdeckt haben. Die Alm hat eine lange Geschichte. Sie wurde am 29. September 1907 gegründet. 68 Grundbesitzer und Bauern schlossen sich damals auf Betreiben des Königsdorfer Bürgermeisters Johann Geiger zu einer Weidegenossenschaft zusammen. Die Weide hatte eine Fläche von 178 Hektar, der Holzstangenzaun, der sie begrenzte, maß sieben Kilometer. Die Hirten, die den Sommer über auf der Alm lebten, stellten Butter und Käse her und bewirteten sonntags Gäste, beispielsweise die Almbauern mit ihren Familien, die nach ihrem Vieh schauten. Traditionell öffnet die Alm auch heuer nur an Wochenenden, von Mai bis Ende September jeweils Samstag und Sonntag ab zehn Uhr.

Das lohnende Ziel: Am Ende der Tour wartet ein erfrischendes Bad im Bibisee.

Nach zwei weiteren Kilometern ist das Ziel erreicht: der Bibisee. Seit 1963 wurde hier Kies abgebaut, schon ab 1969 entwickelte sich der Baggersee nach und nach in ein kleines, feines Erholungsgebiet, das vor allem Familien in Scharen anlockt. Die 50-Meter-Wasserrutsche ist eine riesen Gaudi für Kinder, ein Planschbecken erfreut die ganz Kleinen. Zwei Liegewiesen laden zum Sonnenbaden ein. Aufkommender Hunger ist am Kiosk mit großer überdachter Terrasse schnell gestillt – mit Cevapcici, Bratwurst oder Schnitzel samt Pommes, alles zu familienfreundlichen Preisen zwischen 4,50 und sechs Euro. Und wer mag, kann seine mitgebrachten Nackensteaks, Würstl und Wammerl auf vier großen Backsteingrills selber brutzeln. Zurück zum Ausgangspunkt der Tour geht es am schnellsten auf dem Radweg entlang der B11.

rst

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