“Das wäre gigantisch“

Große Vision: Geretsried soll bis 2020 Wolfratshausen schlucken

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„Große Kreisstadt Geretsried-Wolfratshausen“: Von dieser Vision ist Stadtrat Walter Büttner seit vielen Jahren beseelt. Jetzt spricht der städtische Gemeindetag.

Geretsried/Wolfratshausen – In der jüngsten Stadtratssitzung ritt Walter Büttner wie berichtet einmal mehr sein Steckenpferd. Angesichts der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung in der heute schon größten Stadt im Landkreis sei der Tag nicht mehr fern, den Status einer Großen Kreisstadt beantragen zu können. Büttner wörtlich: „Wenn ich 2020 noch hier sitze, dann sag’ ich mal, sollte Geretsried Wolfratshausen geschluckt haben.“ 

Das wäre eine zwingende Voraussetzung für die Erfüllung des Traums des SPD-Politikers, denn: Erst ab 30.000 Einwohnern besteht die Aussicht, dass das bayerische Innenministerium den Antrag, Große Kreisstadt werden zu wollen, befürwortet. „Da die Stadt Wolfratshausen als eigene Gebietskörperschaft aber völlig eigenständig agiert, müsste sie einer Eingemeindung durch Geretsried zustimmen“, betont der Pressesprecher des Bayerischen Gemeindetags, Wilfried Schober, im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass die Flößerstädter dies tun, hält Schober „für ein Hirngespinst“.

Kreisumlage würde nicht fallen

Auf dem langen Weg zur Großen Kreisstadt stehen weitere Hürden: Laut Schober prüft das Innenministerium sehr penibel „und viele Jahre rückwirkend“ die Leistungskraft der potenziellen Großen Kreisstadt. In Artikel 5a, Absatz 4 der bayerischen Gemeindeordnung ist festgeschrieben: „Gemeinden mit mehr als 30.000 Einwohnern können (...) zu Großen Kreisstädten erklärt werden, wenn ihre Leistungs- und Verwaltungskraft die Gewähr dafür bietet, dass sie die Aufgaben einer Großen Kreisstadt ordnungsgemäß erfüllen können.“ Schober bringt es auf den einfachen Nenner: „Es wird geprüft, wie die Gemeinde finanziell dasteht.“ Im Freistaat gibt’s derzeit 29 Große Kreisstädte, die jüngste ist Erding. Die Kommune bekam den Status am 1. Januar 2013.

Apropos Finanzen: Büttners Hoffnung, dass Geretsried und Wolfratshausen als vereinte Große Kreisstadt von der sogenannten Kreisumlage befreit wäre, ist ein Irrglaube. Schober: „Geretsried wäre nach wie vor eine Stadt im Landkreis und keine kreisfreie Stadt. Das heißt, sie müsste weiterhin Abgaben an die Kreisstadt Bad Tölz überweisen.“

Der Pressesprecher des Gemeindetags will nicht abstreiten, dass eine Große Kreisstadt in den Genuss einiger Vorteile kommt. Sie – und nicht mehr das Landratsamt – habe in puncto Baurecht das letzte Wort und bekomme mehr Befugnisse im Bereich Verkehr und Gaststättenrecht. Nicht zu vergessen: Aus dem Bürgermeister wird ein Oberbürgermeister, damit verbunden ist eine Anhebung seiner Bezüge. Der „ganz große Durchbruch“ ist das in Summe nach Meinung Schobers nicht. „Große Kreisstadt – das ist ein hübscher Titel, aber man spielt trotzdem weiterhin im Orchester der Landkreisgemeinden mit.“ Der Jurist bezweifelt zudem, dass das Thema für die Bürger ein Thema ist.

„Das wäre gigantisch.“

Die Kommune, die sich zu höherem berufen fühlt, dürfe nicht vergessen: Um die Aufgaben einer Großen Kreisstadt erfüllen zu können, „braucht man einen Haufen Personal, das wiederum bedingt ein entsprechend großes Rathaus“. Das bedeute hohe Personalkosten und eventuell kräftige Investitionen in bestehende Liegenschaften beziehungsweise ein Neubauprojekt. „Stimmt“, sekundiert Landrat Josef Niedermaier, 40 bis 50 zusätzliche Mitarbeiter müsse die Kommune einstellen.

Übrigens: 2008 verbannte der frisch gewählte Landrat Niedermaier Büttners Vorstoß nicht sofort ins Reich der Fantasie: Die Fusion von Geretsried und Wolfratshausen zu einer Großen Kreisstadt würde dazu beitragen, dass „die tiefen Gräben zwischen den beiden Städten“ zugeschüttet würden, sagte Niedermaier damals. Zehn Jahre später steht er zu seiner Aussage: Sollten die Nachbarstädte aus freiwilligen Stücken gemeinsame Sache machen wollen, würde er eine solche Kooperation „nach Kräften unterstützen“. Eine Große Kreisstadt Geretsried-Wolfratshausen „würde im Süden Münchens ein Zentrum in der Größe Rosenheims bilden“, stellt Niedermaier fest. „Das wäre gigantisch.“

Rubriklistenbild: © Montage: sh

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