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In Geretsried hat es am Montag bis Mittag 93 Liter geregnet. Das sind drei Viertel einer durchschnittlichen Monatsmenge.

Ein Gespräch mit dem Meteorologen Hartmut Mühlbauer

Wie kommt es zu diesen sintflutartigen Regenfällen ?

Geretsried – In Geretsried gab es erneut sintflutartige Regenfälle. Redakteurin Christiane Mühlbauer hat bei ihrem Mann Hartmut Mühlbauer nachgefragt. Er ist Meteorologe bei www.wetter.com.

In Geretsried hat es am Montag bis Mittag 93 Liter geregnet. Das sind drei Viertel einer durchschnittlichen Monatsmenge. In Bad Tölz waren es knapp 50 Liter. Am Wochenende gab es Überschwemmungen rund um Passau. Man könnte diese Liste in diesem Sommer fast unendlich fortführen. Was ist da eigentlich los?0

Hartmut Mühlbauerist Meteorologe bei www.wetter.com. Foto: red

Hartmut Mühlbauer: Wir beobachten in den vergangenen Jahren immer öfter, dass bestimmte Wetterlagen eine lange Erhaltungsneigung haben. Das heißt: Sie sind dann quasi wie eingefroren. Das mag jetzt angesichts der schwülwarmen Luft komisch klingen, aber es besteht eben der Trend, dass Wetterlagen länger als früher anhalten. In diesem Sommer haben wir leider immer wieder eine schwülwarme Luftmasse, die über uns liegt. Das äußert sich zum einen in kurzen heißen Phasen und dann wieder in heftigstem Starkregen.

Wie kann es eigentlich in so kurzer Zeit so viel regnen? Da muss doch oben in der Wolke irgendwann nichts mehr drin sein?

Mühlbauer: Man muss sich das so vorstellen: Durch die hohen Temperaturen und die sehr feuchte Luft besteht ein sehr hohes Maß an Labilität in der Atmosphäre. Das bedeutet: Die Luft ist sowieso schon sehr feucht, sie wird durch Sonneneinstrahlung ausgedehnt und beginnt zu steigen. Dabei sammelt sie mehr und mehr Feuchtigkeit. Mit zunehmender Höhe wird es immer kälter, irgendwann stößt unsere inzwischen riesige Wolke gegen die Atmosphärengrenze in gut 10 000 Metern Höhe. Oberhalb dieser Höhe fliegen auch Verkehrsflugzeuge. Hier herrschen Temperaturen unter minus 40 Grad. Dann besteht zum Boden ein Temperaturunterschied von etwa 70 Grad. Dabei geht es rund. Wie in einer riesigen Waschmaschine wird die nasse Luft herumgeschleudert. Irgendwann wird der Wolke das Wasserpaket zu schwer, und es fällt einfach heraus. Dann regnet es extrem stark oder es hagelt, wenn der gefrorene Regen bis zum Boden nicht mehr auftauen kann. Je größer die Wolke, desto mehr Wasser kann herausfallen.

Aber das war doch früher nicht so heftig?

In der Tat spielt hier der Klimawandel eine wichtige Rolle. Durch die steigenden Temperaturen auf der Erde steht mehr Wasser zur Verfügung, und das wird dann eben wieder abgeladen. Es wird leider nicht gerecht verteilt, sondern einer bekommt fast alles ab, viele andere fast nichts. Das ist wie im richtigen Leben. Man kann also schon sagen, dass so allmählich die Folgen des Klimawandels auch bei uns spürbar werden. In anderen Regionen der Erde ist das schon längst der Fall.

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