Fan von Karl May: Der amtierende Rathauschef und CSU-Bürgermeisterkandidat Michael Müller ist eine echte Leseratte. Vor seiner ersten Amtszeit war Müller übrigens Staatsdiener. Der studierte Volkswirt organisierte den Spielbetrieb in allen neun bayerischen Casinos.
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Fan von Karl May: Der amtierende Rathauschef und CSU-Bürgermeisterkandidat Michael Müller ist eine echte Leseratte. Vor seiner ersten Amtszeit war Müller übrigens Staatsdiener. Der studierte Volkswirt organisierte den Spielbetrieb in allen neun bayerischen Casinos.

„Ich lebe gerne am Johannisplatz“

Kommunalwahl 2020: Zu Besuch bei Bürgermeisterkandidat Michael Müller

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Michael Müller will Bürgermeister von Geretsried bleiben. Er ist Kandidat der CSU. Wir haben ihn daheim besucht.

Geretsried – Eine große Leidenschaft von Michael Müller (50) nimmt eine ganze Wand in seinem Wohnzimmer in Beschlag: Bücher, Bücher und nochmals Bücher. Die Sammlung reicht von Karl Mays Abenteuerromanen bis hin zu Bildbänden über ferne Länder und Kulturen. Auf gut 600 Bücher bringt es der Geretsrieder Rathauschef und CSU-Bürgermeisterkandidat. „Allein deshalb ist das mit dem Zusammenziehen nicht so einfach“, sagt seine 46-jährige Ehefrau Daniela schmunzelnd beim Besuch der Redaktion.

Die beiden sind seit dem vergangenen Jahr verheiratet, haben aber getrennte Wohnungen. Der Rathauschef lebt am Johannisplatz, seine Gattin – sie ist Mutter eines elfjährigen Sohnes und Inhaberin des Alten Wirths –wohnt über der Wirtschaft in Gelting. „Wir sind jetzt eine Patchworkfamilie“, sagt Michael Müller, der zwei Kinder aus erster Ehe hat. Sein Sohn (17) und seine Tochter (13) leben bei seiner Ex-Frau.

Nach Geretsried kam der gebürtige Aalener, als er neun Jahre alt war, zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder. Die Familie fand eine Wohnung am Johannisplatz. Als sich ein paar Jahre später die Chance zum Kauf einer Wohnung bot, schlugen die Müllers zu. „Wir sind von der Hausnummer 2 auf die Hausnummer 4 gewandert“, berichtet der Rathauschef. 1999 zog er mit seiner damaligen Freundin in die eigenen vier Wände – zurück in die Nummer 2. Seither wohnt Müller in der dritten Etage des Mietshauses.

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„Ich lebe gerne hier am Johannisplatz“, sagt der 50-Jährige. Die Isarauen sind nicht weit, und der Blick vom sonnigen Südbalkon über die Dächer Gartenbergs bis in die Alpen hinein ist grandios. Die Wohnung des Bürgermeisters ist gemütlich eingerichtet. Im Wohnzimmer vor der Bücherwand mit Fernseher steht eine schwarze Ledercouch. Über dem Glastisch hängt eine Lampe mit einem weißen halbkugelförmigen Schirm. An den gelb gestrichenen Wänden hängen drei Bilder. Eines davon zeigt eine alte Ansicht von der Burg in Pressburg/Bratislava. „Das habe ich gekauft, als ich vor zwei Jahren dort war“, erzählt der Geretsrieder. In der heutigen Hauptstadt der Slowakei besaßen seine Großeltern ein Haus unterhalb der Burg. An Ostern 1945 musste die Familie vor der russischen Front fliehen. Zuflucht fand sie in Baden-Württemberg. „Mein Großvater hat mir zwei Bilder und diverse Dokumente vermacht“, berichtet Michael Müller, der sehr an Geschichte interessiert ist. „Fast hätte ich das studiert, dann habe ich mich nach der Banklehre aber doch für Volkswirtschaft entschieden.“

Zurzeit haben es dem Rathauschef Bücher über den Limes und die Römer in Bayern angetan. Müller stöbert gerne in Buchhandlungen. „Wenn wir im Urlaub sind, müssen wir in jede rein“, ergänzt seine Ehefrau mit einem verständnisvollen Lächeln. Sie selbst komme gar nicht zum Lesen, sagt die quirlige und gut gelaunte Gastronomin.

Manchmal trifft man das Ehepaar auch gemeinsam im Alten Wirth an. Wenn Not am Mann ist, springt der Bürgermeister schon mal ein. „Dann mache ich am liebsten den Barausschank“, verrät der Rathauschef, wie zuletzt am 31. Dezember. Nach dem Silvesterritt sei das Wirtshaus voll gewesen. „Ich lege großen Wert darauf, dass auf dem Bier eine gescheite Schaumkrone drauf ist. Da mach’ ich keine Kompromisse“, sagt der Aushilfsschankkellner.

Klare Vorstellungen hat der CSU-Bürgermeisterkandidat auch von einer möglichen zweiten Amtszeit. „Es wurden viele Dinge angestoßen, die ich gerne fertig bringen möchte.“ Ganz oben auf der Liste stehen für ihn die Themen Kinderbetreuung und Schulen, dicht gefolgt von Wohnen und Infrastruktur. „Auch wenn ich dafür von manchen belächelt werde: Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass die S-Bahn kommt“, ist er überzeugt.

Eine Kandidatin (Grüne) und zwei Kandidaten (SPD und FDP) wollen ebenfalls ins Geretsrieder Rathaus einziehen. „Das ist Demokratie, am Ende entscheidet der Wähler“, gibt sich Müller pragmatisch. „Aber ich hoffe, dass ich bei der Wahl keine Quittung für die vergangenen sechs Jahre bekomme, sondern einen Arbeitsauftrag für die Zukunft.“

Neben dem Sammeln von Büchern hat der Bürgermeister übrigens noch zwei große Leidenschaften: Er kocht gerne für seine Frau. Und er mixt Cocktails. Zurzeit steht der „Gin Basil Mule“ mit Gin, Basilikum und Limette hoch im Kurs.

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Fragen über Fragen

Lieblingsplatz in Geretsried? 

Am Johannisplatz – von dort aus gehe ich gerne an die Isar. 

Blasmusik oder Rock/Pop? 

Gerne Blasmusik, wenn man mitsingen darf.  Ich fange dann meistens da an, wo andere aufhören. 

Wann waren Sie zuletzt in Tracht unterwegs? 

An Silvester. 

Mögen Sie Haustiere? 

Na klar, ein Hund ist ein Herz auf vier Pfoten. 

Ordnungsfan oder locker drauf? 

Ordnung ist das halbe Leben. 

Bierfreund oder Weinliebhaber? 

Wein – und da lieber weiß als rot. 

Strandurlaub oder Städtetrip? 

Am liebsten in einer Stadt am Strand. 

Nachtragend oder verzeihend? 

Je nach Situation, aber man sollte am Ende nicht zu viel rumschleppen. 

Drei Dinge für die Insel? 

Meine Frau, einen Sonnenschirm und gute Cocktails. 

Schweinshaxn oder Gemüseauflauf? 

Ist mir wurst. 

Als Chef oder Vater streng oder gutmütig? 

Gutmütig mit klaren Ansagen. 

Haben Sie ein Vorbild? 

Im Alter geht es mehr um Selbstreflexion – und dann heißt es: Sei die Person, die du selbst gebraucht hättest, als du jünger warst. 

Ihr Motto? 

Carpe diem – nutze den Tag!

Lesen Sie auch die Porträts der anderen Bürgermeisterkandidaten: Wolfgang Werner (SPD), Martina Raschke (Grüne) und Larry Terwey (FDP).

Alle Infos zur Kommunalwahl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen finden Sie auf unserer Themenseite.

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