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Homeoffice: Larry Terwey arbeitet meistens von zuhause aus, wenn er nicht gerade unterwegs ist. Ein Notebook reicht ihm dazu.   

„Es fühlt sich gut an“ 

Kommunalwahl 2020: Zu Besuch bei FDP-Bürgermeisterkandidat Larry Terwey

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Larry Terwey will Bürgermeister von Geretsried werden. Er ist Kandidat der FDP. Wir haben ihn daheim besucht.

Geretsried – Stillstand gibt es im Leben von Larry Terwey nicht. Er wechselt gerne den Job. Vielleicht ist es nach der Kommunalwahl am 15. März wieder so weit. Terwey will CSU-Bürgermeister Michael Müller das Amt streitig machen und für die FDP ins Rathaus einziehen.

Larry (54) und Diana (36) Terwey wohnen seit drei Jahren in Stein. Im Carport vor dem Einfamilienhaus parkt ein blauer Tesla, auf dem Kaminholzstapel liegt ein Kindersitz. Mit einem sympathischen Lächeln, lässig in schwarzer Jeans und grünem Polohemd gekleidet, öffnet Terwey beim Besuch unserer Zeitung die Haustür. Gummistiefel im Flur und ein Märchenbuch im übersichtlich eingerichteten Wohnzimmer lassen vermuten, dass das Ehepaar Kinder hat.

„Das ist ein bisschen kompliziert“, gesteht der gebürtige Berliner, der seit 2018 in dritter Ehe verheiratet ist. Aus den ersten beiden Ehen hat er zwei erwachsene Söhne und eine fast volljährige Pflegetochter. Seine jetzige Frau brachte fünf Kinder im Alter von 5, 7, 9, 13 und 15 Jahren mit in die Beziehung. Drei davon leben im Haus der Terweys.

Ebenfalls interessant: FDP schickt Larry Terwey als Bürgermeisterkandidaten ins Rennen

Auch die eigene Herkunft ist nicht gewöhnlich. Als Lawrence-Mike wurde Terwey 1965 in Berlin als Sohn amerikanischer Eltern geboren. „Ich kam in eine Pflegefamilie und wurde später adoptiert“, erzählt der Bürgermeisterkandidat. Seine Adoptiveltern waren Ingenieure bei Siemens. Aus beruflichen Gründen zog die Familie nach München. „Da war ich knapp vier Jahre.“ Aufgewachsen ist Terwey mit zwei Geschwistern in Sendling. In der Schule tat er sich leicht. „Aber ich war faul“, meint Terwey und schmunzelt. „Ich bin so im Mittelfeld mitgeschwommen.“ Er folgte dem Ratschlag seiner Eltern, machte eine kaufmännische Ausbildung und wurde Postbeamter.

Sein Interesse galt aber schon immer Computern und dem Programmieren. So verschlug es Terwey in die IT-Branche. Er besetzte Führungspositionen in Software-Unternehmen und baute für verschiedene amerikanische Firmen europäische Niederlassungen auf. Seit Mitte 2019 ist er Verkaufsleiter in Deutschland für einen österreichischen Service-Provider. Zu erkennen, wo’s hakt, Strategien zu entwickeln und Menschen zu motivieren, das seien Dinge, die ihm liegen würden. Auch ein paar Umzüge hat der IT-Spezialist schon hinter sich: Er lebte im Chiemgau, in Deining und in Wolfratshausen. In der Loisachstadt bewarb er sich bei der vergangenen Kommunalwahl um ein Stadtratsmandat, aber er zog nicht in das Gremium ein. Seit drei Jahren ist Terwey in Geretsried heimisch. „In Stein haben wir ein Haus gefunden, das groß genug für uns war“, erklärt der Wahl-Geretsrieder. Hier fühlt er sich nach eigenen Worten wohl. „Es ist sehr ruhig hier und man ist gut angebunden“, sagt der Vielfahrer. Auf 100 000 Kilometer bringt es sein Auto im Jahr.

Abschalten kann Terwey, wenn er zusammen mit Frau und Kindern in die Berge oder an die Isar geht. Er fährt Mountainbike und hört gern Musik – am liebsten klassische. „Aber das darf ich hier nicht so oft hören“, meint er mit einem Augenzwinkern. Diese Vorliebe decke sich nicht mit der seiner Kinder.

Politisch aktiv ist Terwey seit 2002. Damals war er allerdings noch bei der SPD. „Aber das hat mir irgendwann inhaltlich nicht mehr gefallen“, gibt der 54-Jährige zu. Nach einem kurzen Gastspiel bei der Wolfratshauser Bürgervereinigung schloss er sich der FDP an. Dass er für die Liberalen als Bürgermeister kandidiert, sei eine „ganz spontane Entscheidung“ gewesen. Aber seine Frau habe er damit nicht wirklich überrascht. Er suche gern neue Herausforderungen. „Es fühlt sich gut an“, meint Terwey.

Sollte er die Bürgermeisterwahl gewinnen, möchte er vor allem zwei Dinge ändern. „Mir gefällt der Kommunikationsstil im Stadtrat nicht“, sagt der FDP-Mann. Außerdem wünscht er sich eine „echte Einbeziehung“ der Geretsrieder. Das sei trotz Bürgerbeteiligung nicht der Fall.

Fragen über Fragen

Lieblingsplatz in Geretsried? 

Zu Hause bei der Familie im Süden von Geretsried. 

Blasmusik oder Rock/Pop? 

Klassik (für die offizielle Version Rock/Pop). 

Wann waren Sie zuletzt in Tracht unterwegs? 

Vor ein paar Tagen (wenn ich keinen Anzug tragen muss, bin ich fast immer in der Lederhose unterwegs). 

Mögen Sie Haustiere? 

Ja. 

Ordnungsfan oder locker drauf? 

Locker. 

Bierfreund oder Weinliebhaber? 

Wein. 

Strandurlaub oder Städtetrip? 

Städtetrip. 

Nachtragend oder verzeihend? 

Verzeihend. 

Drei Dinge für die Insel? 

Meine Frau, die Lederhose und die Kaffeemaschine. 

Schweinshaxn oder Gemüseauflauf? 

Schweinshaxn.

Als Chef oder Vater streng oder gutmütig? 

Gutmütig. 

Haben Sie ein Vorbild? 

Meinen Vater. 

Ihr Motto? 

Wer aufgehört hat, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.

nej

Lesen Sie auch: Zu Besuch bei der Bürgermeisterkandidatin der Geretsrieder Grünen

und Zu Besuch bei SPD-Bürgermeiserkandidat Wolfgang Werner und Bürgermeisterkandidat Michael Müller im Porträt

Alle Infos rund um die Kommunalwahl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen finden Sie hier.

Einen Überblick über alle Bürgermeisterkandidaten in der Region Geretsried-Wolfratshausen haben wir hier.

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