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Daheim bei Martina Raschke: Den ganzen Tag auf der Couch zu verbringen, kann sich die 58-Jährige nicht vorstellen. Aber mit ihrer Familie, hier Tochter Marischa (25), kommt sie gern im Wohnzimmer zusammen. 

„Wenn ich mich engagiere, dann richtig“

Kommunalwahl 2020: Zu Besuch bei der Bürgermeisterkandidatin der Geretsrieder Grünen

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Martina Raschke will Bürgermeisterin von Geretsried werden. Sie ist Kandidatin der Grünen. Wir haben sie daheim besucht.

Gelting – Im Wohnzimmer von Martina Raschke ist viel Platz. Zwischen der offenen Küche, der Leseecke mit Kachelofen und den beiden dunkelblauen Ledersofas kommt ihre Familie am geräumigen Esstisch zusammen. Und wenn Freunde zum Feiern das Einfamilienhaus in Gelting besuchen, werden die gemütlichen Möbel kurzerhand gegen Biertischgarnituren ausgetauscht.

Raschke ist herzlich, gesellig und lebensfroh. „Den ganzen Tag auf der Couch zu sitzen, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt die 58-Jährige. Wenn die gelernte Industriekauffrau nicht als Trainerin, Beraterin und Mediatorin arbeitet, geht sie gerne mit ihrem Mann Wulfram, 55 Jahre und Diplomingenieur, radfahren und wandern, engagiert sich als Familienpatin oder packt in Vereinen mit an, wenn Hilfe gebraucht wird. Die drei Kinder, Yannick (26), Kira und Marischa (beide 25), studieren und kommen nur noch zu Besuch nach Hause.

Aktiv zu sein, das liegt ihr in den Genen, erklärt Raschke. Ihr Vater sei selbst mit 84 Jahren noch umtriebig. Von ihm hat sie auch das Interesse an Politik. Er war Ortsvorsteher, Kreisrat und stellvertretender Landrat in Nordrhein-Westfalen, wo Raschke aufgewachsen ist. Im Nordlandkreis lebt sie seit 24 Jahren.

Bevor die Familie nach Gelting gezogen ist, wohnte sie 14 Jahre in Wolfratshausen. Als ihr Vater dort zu Besuch war, nahm ein Nachbar alle mit aufs Floß. „Das hat meinem Vater so gut gefallen, dass er gesagt hat, ,so etwas brauchen wir auch auf der Weser’“, erzählt die 58-Jährige lachend. Er habe Leute zusammengetrommelt und einen Flößerverein gegründet, der „fünf Jahre lang auf der Weser gepaddelt“ ist.

Diese Begeisterungsfähigkeit hat Raschke ebenfalls geerbt. Die Grünen sprachen sie an, ob sie für die Kreistags- und Stadtratsliste kandidieren wolle. Ein Funke, der sich langsam ausbreitete und schließlich große Leidenschaft entfachte. „Nur Zählkandidatin wollte ich nicht sein. Wenn ich mich engagiere, dann richtig.“

Lesen Sie auch: Kommunalwahl 2020: Grüne präsentieren eigene Bürgermeisterkandidatin

Nun befindet sich Raschke als Kandidatin der Grünen mitten im Wahlkampf um den Chefsessel im Rathaus. Wobei das Wort „Kampf“ in deutlichem Widerspruch zu ihrer gewohnten Arbeitsweise steht. Über die Genossenschaft Zukunftswerk berät die 58-Jährige Firmen zum Thema soziale Nachhaltigkeit, also in der Frage: „Wie gehe ich mit den Menschen um?“. In der Wirtschaft ist es nicht mehr zeitgemäß, von Konkurrenten zu sprechen. Andere Wettbewerber sind Marktbegleiter. „Im Wahlkampf stelle ich meine Ideen und meine Person zur Disposition, und die anderen tun das auch.“

Indem Menschen miteinander sprechen, entstehen Ideen. Danach handelt Martina Raschke – auch im Wahlkampf. Auf ihrem Flyer fordert sie die Bürger auf, ihr zu schreiben, was sie sich für Geretsried wünschen. „Manche haben gesagt, es werde furchtbar, was da für Rückmeldungen kommen.“ Sei es aber überhaupt nicht. „Ich bekomme Vorschläge zu verschiedenen Themen und die Leute finden es schön, dass mal jemand fragt.“

Wenn sie Bürgermeisterin wird, will Raschke so weitermachen. Wie lang soll der Christkindlmarkt geöffnet sein? „Da könnte man schnell eine Online-Umfrage machen“, schlägt sie beispielsweise vor. Auch in Sachen Energiewende dürfte man nicht dogmatisch vorangehen, sondern die Gesellschaft müsste sich selbst auf Regeln einigen. Sie wolle nicht Vorturnerin sein, sagt die Kandidatin. Die Bürger sollen mitgestalten. „Es ist unsere Stadt, nicht nur meine.“

Wer so quirlig ist wie Raschke, braucht auch mal Pause. „Über die Jahre hab ich gemerkt, dass ich auch mal für mich sein muss“, sagt die 58-Jährige. Das macht sie beim Lesen am Kachelofen, beim Yoga und beim Meditieren. Dieses Bedürfnis war ein Grund, dass Raschke befürchtete, ihr Vater sagt, sie spinnt, wenn sie ihm von der Kandidatur erzählt. Doch sie irrte sich. Er versteht, warum sie sich gerade jetzt dazu entschieden hat. Raschke: „Ich musste all das in meinem Leben gelernt haben, um jetzt an diesem Punkt zu sein.“

Fragen über Fragen

Lieblingsplatz in Geretsried? 

Dort, wo ich mit Menschen zusammenkomme 

Blasmusik oder Rock/Pop? 

Rock/Pop 

Wann waren Sie zuletzt in Tracht unterwegs? 

Oktoberfest 

Mögen Sie Haustiere? 

ja 

Ordnungsfan oder locker drauf? 

Locker drauf 

Bierfreund oder Weinliebhaber? 

Wasser-Fan 

Strandurlaub oder Städtetrip? 

Oder! 

Nachtragend oder verzeihend? 

verzeihend 

Drei Dinge für die Insel? 

Meinen Mann, meine Kinder, Bücher 

Lieber Schweinshaxn oder Gemüseauflauf? 

Gemüseauflauf 

Als Chef oder Mutter streng oder gutmütig? 

gutmütig 

Haben Sie ein Vorbild? 

Meinen Vater 

Ihr Motto? 

Hört zu – schaut hin – packt´s an

sw

Lesen Sie auch: Zu Besuch bei FDP-Bürgermeisterkandidat Larry Terwey

und Zu Besuch bei SPD-Bürgermeiserkandidat Wolfgang Werner

Einen Überblick über alle Kandidaten in der Region Geretsried-Wolfratshausen finden Sie hier.

Alle Infos zur Kommunalwahl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen auf unserer Themenseite.

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